Unter dem Titel „Märchenhaus“ verwandelt sich derzeit ein konventionelles Mehrfamilienhaus in ein Passivhaus. Zwar handelt es sich um ein Privathaus, dennoch stellt es auch einen „Fingerzeig“ für städtische Gebäude dar, wie Bürgermeister Günter Riemer anlässlich einer Besichtigung mit Stadträten urteilte.
Irene Strifler
Kirchheim. Andreas Banzhaf, Geschäftsführer des gleichnamigen Holzbau-Unternehmens, hat sich für sein Projekt mit Bankwitz Architekten und der Volksbank Kirchheim-Nürtingen kompetente Partner ins Boot geholt.
Architekt Matthias Bankwitz erläuterte anlässlich der Besichtigung des Hauses durch den Technischen Ausschuss des Kirchheimer Gemeinderates den Wandel vom Standardhaus zum Passivgebäude. Im Gegensatz zum 2007 bis 2009 neu errichteten „Eisbärhaus“ in der Limburgstraße, mit dem das Architekturbüro viel Aufsehen erregt hat, hat im Märchenhaus jede Wohnung beziehungsweise die Praxen im Erdgeschoss ihre eigene Lüftungsanlage mit Brauchwassererwärmung. Das gesamte Gebäude wird ausschließlich über die Luft beheizt, selbst eine Fußbodenheizung sucht man vergebens. „Die notwendigen Aggregate sind nicht größer als ein Kühlschrank“, beruhigte Bankwitz all jene, die auf einen riesigen Technikraum im Keller eingestellt waren.
Das Haus in der Hahnweidstraße stammt aus dem Jahr 1975 und verfügt über 420 Quadratmeter Wohn- und 150 Quadratmeter Gewerbefläche. Nach der Sanierung werden nach Angaben des Bauherrn jährlich Heizkosten von über 9
000 Euro eingespart, und der CO2-Ausstoß verringert sich um 30 Tonnen. Der Heizwärmebedarf wird mit maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr beziffert.
Für die Stadträte waren die Informationen vor Ort von großer Bedeutung angesichts der Klimaschutzziele der Stadt Kirchheim. Timo Samel von der Volksbank Kirchheim-Nürtingen ergänzte interessante finanzielle Aspekte: Während die KfW-Fördermittel für Neubauten im Passivhausstandard stark zurückgefahren worden seien, gibt es für die Sanierung von Altbauten zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse.
