Lesung mit dem bekannten Kinder- und Jugendbuchautor Manfred Mai in der Kirchheimer Raunerschule
Von der „Pampers-Liga“ bis in die Unterwelt

Kirchheim. Wie schnell zwei Schulstunden vorbeigehen können, auch wenn sie nicht durch eine kurze


Pause unterbrochen werden, erlebten Schüler der Raunerschule beim Besuch des vor allem für seine Kinder- und Jugendbücher bekannten Manfred Mai. Auf Einladung der Buchhandlung Margot Schieferle war er nach Kirchheim gekommen, wo seine Begegnungen mit drei Klassenstufen im Musiksaal der Schule zugleich auch den Auftakt seiner anstehenden aktuellen Lesetour darstellte.

„Wenn heute alles gut läuft“, sei er zuversichtlich für die vielen Auftritte, die nach dem Erscheinen seines allerneuesten Buches in den kommenden Tagen und Wochen noch vor ihm liegen, stellte Manfred Mai fest. Bevor er in Erfahrung brachte, wie sein erstes Musik und Lektüre verbindendes und mit Martin Lenz gemeinsam entwickeltes „Großes Buch der Geschichten und Lieder“ ankommt, nahm er sich viel Zeit, um die drei Gruppen erst näher kennenzulernen. Schließlich wollte der gut aufgestellte Autor und erfahrene Pädagoge seinem Publikum anhand von ausgewählten, neugierig machenden ­Beispielen Einblicke in seine vielen Veröffentlichungen gewähren.

Geschickt appellierte er zu Beginn an die Mitverantwortung der Schüler für die gute Zusammenarbeit und den erhofften Erfolg, der damit maßgeblich mit der Kooperation und Aufmerksamkeit des begeisterungsfähigen Publikums verknüpft wurde. Von einer Lesung konnte dann tatsächlich lange nicht die Rede sein, denn die Schüler hatten ungemein viele Fragen und Manfred Mai sehr umfassende Antworten parat. Sie waren stets gespickt mit vielen Informationen und hielten interessante Einblicke in das Schriftstellerleben bereit. Andererseits zeigten sie aber auch, dass Erfolgsautoren nicht „einfach so“ vom Himmel fallen und auch nicht unbedingt gute Schüler gewesen sein müssen. 

Dass es bei Manfred Mai mit seiner Schülerkarriere zunächst einmal gar nicht so gut ausgesehen hatte, machte den bekannten Autor von Anfang an sympathisch, denn er verriet den Kindern gleich, dass er nie gerne zur Schule gegangen sei und sogar richtiggehend Angst vor den strengen Lehrern hatte. Statt eine weiterführende Schule zu besuchen, hatte er sich zunächst für eine Lehre als Maler und Lackierer entschieden.

Dass er nach seiner Weiterbildung zum Grund-, Haupt- und Realschullehrer an die Schule zurückkehrte, lag an seinem Wunsch, einen besseren und weniger autoritären Unterricht anzubieten, als er ihn selbst hatte durchleben müssen. Seine idealistischen Träume, künftige Schülergenerationen mitnehmen und motivieren zu können, scheiterten aber daran, dass er als Junglehrer dem „Terror“ der wohl schlimmsten Klasse seiner Schule ausgesetzt war, erneut gewaltige Probleme bekam und daran fast zerbrochen wäre. Auch wenn er jetzt auf der anderen Seite stand, wollte sich das gegenseitige Verständnis und die erhoffte entspannte Arbeitssituation nie richtig einstellen.

Manfred Mai begann daher, Gedichte und Geschichten zu schreiben, die ein idealer Filter für ihn waren, seinen täglichen Frust aufzuarbeiten. Ende der 70er-Jahre begann er, dieses Material auch im Unterricht einzusetzen und damit eine tragfähige Brücke zu seinen Schülern zu schlagen, die einerseits erkannten, wie sehr er wohl unter ihrem „Terror“ gelitten hatte, und spürten, wie sehr er andererseits darum bemüht war, sie für ihr späteres Leben vorzubereiten und sie ernst zu nehmen. Nachdem er zunächst sein Unterrichtsdeputat auf eine halbe Lehrerstelle reduziert hatte, gewann das Schreiben immer mehr an Bedeutung. 1984 ließ er sich beurlauben und ist seither nicht mehr in die Schule zurückgekehrt.

Disziplinprobleme gab es bei der Lesung erwartungsgemäß nicht. Manfred Mai war im Gegenteil erstaunt, wie ausnehmend gut die Schülergruppen mitarbeiteten, und nicht erst mühselig in eine bestimmte Richtung dirigiert werden mussten, sondern oft schon in ihren Beiträgen vorausnahmen, was er mit ihnen eigentlich hatte erarbeiten wollen. Jeweils rund 50 Schülern der vierten, dritten und zweiten Klassen wurde so ein jeweils ihrer Zusammensetzung angepasstes abwechslungsreiches „Programm“ geboten.

Dass er schon unglaubliche 180 Bücher veröffentlicht hat, beeindruckte das junge Publikum ungemein, doch relativierte Manfred Mai das mit dem Hinweis, dass er zwar auch große Romane für Jugendliche und Erwachsene schreibe, sein Schwerpunkt aber ganz klar im Bereich der Zielgruppe Grundschule liege und diese Bändchen dann doch „sehr überschaubar“ seien. Dass es allerdings seinen „Zornickel“ auch in Korea zu lesen gibt und er auch eine chinesische Fassung seiner „Weltgeschichte“ präsentieren konnte, erfüllte ihn dagegen mit berechtigtem Stolz. Seine Bücher wurden immerhin schon „in 27 oder 28 Sprachen“ übersetzt.

Da er vor allem darum bemüht ist, auch Jungs zum Lesen zu motivieren, habe er auch viele Fußball-Bücher geschrieben, deren Bandbreite von der „Pampers-Liga“ bis zur B-Jugend reiche. Auch wenn er anfangs eher „gefunden“ und noch nicht „erfunden“ hatte, experimentierte Manfred Mai im Lauf seiner langen Schriftstellerkarriere schon viel. Er konnte daher auch neugierig machen auf seinen einzigen Fantasy-Roman, der den ängstlichen, aber neugierigen Alexander von dem verhassten Aufzug aus direkt in die Unterwelt führt.

Dass sich die Themen „fußballbegeisterte Jungs“ und „verknallte Mädchen“ auch zwischen Buchdeckeln immer wieder leicht zusammenbringen lassen, zeigte Manfred Mai gerne beispielhaft auf. Dass ein von ihm schon vor 30 Jahren geschriebenes Buch über ein Mädchen, das sich in einen Neonazi verliebt, auch heute noch erhältlich und leider noch immer aktuell ist, bereitet dem vorwiegend fröhlich und humorvoll erzählenden Autor dagegen große Sorge.