Holzmaden. Eine bessere Fortsetzung der Reihe „Bedrohte Lebensräume“ des Urweltmuseums Hauff hätte sich Gastgeber Rolf Bernhard Hauff nicht wünschen können. Seine hochfliegenden Erwartungen wurden noch weit übertroffen. Bei
einer Internetrecherche nach kompetenten Referenten für das Thema „Regenwald“ war er fündig geworden bei Sandra Hanke und Dieter Schonlau, der mit Rüdiger Nehberg offensichtlich weit mehr gemeinsam hat als nur den Konditorberuf.
Dieter Schonlau wollte immer nur Dschungelforscher werden und trägt das „Regenwaldfieber“ tief in sich. Bei seiner Frau Sandra Hanke war für den „Dschungelvirus“ ein Religionslehrer verantwortlich, der einige Jahre in Südamerika gelebt und die Neugierde seiner Klassen geweckt hatte mit lebhaften Erzählungen über die in selbst gebauten Hütten im Dschungel lebenden Regenwaldindianer.
Als sich Sandra und Dieter 1986 in einer Paderborner Diskothek kennenlernten, stellten sie fest, „dass ihre (Kinder-)Traumwiesen auf denselben Breitengraden liegen.“ Die angehende Restaurant-Fachfrau und der frisch gebackene Konditormeister entschieden sich dafür, eine große Reise an das einstige Ziel ihrer Jugendträume zu unternehmen. Inzwischen sind sie schon unzählige Male in Regenwaldgebieten unterwegs gewesenen. Über zehn ihrer gemeinsamen Jahre haben sie unterwegs erlebt – unter dem schützenden Dach des „Hotels“ Regenwald. „All inclusive“ sieht freilich ganz anders aus . . .
Statt von einem „Bett im Kornfeld“ zu träumen, klettern Sandra und Dieter schon einmal auf über 50 Meter hohe Bäume, um dort gut gesichert die Nacht zu verbringen und die Einsamkeit des Dschungels zu genießen. Am Morgen erfreuen sie sich dann von ihrem hoch gelegenen „Schlafzimmer“ aus an dem atemberaubenden Schauspiel der sie umgebenden erwachenden Natur und der erst langsam aus dem sich lichtenden Nebel abzeichnenden erlesenen Schönheit der Landschaft.
Wie vielstimmig diese „Einsamkeit“ klingt, hatte Dieter Schonlau gleich zu Beginn demonstriert. Auch wenn er das „perfekte Setting“ des Urweltmuseums lobte, das ideale Voraussetzungen für die geplante mentale Reise in den Regenwald garantierte, bat er die vielen Besucher zunächst, die Augen zu schließen und sich ganz auf das eingespielte „Konzert“ unterschiedlichster Originaltöne aus dem Dschungel zu konzentrieren. Die vielen Kinder im Publikum hatte er sofort für sich gewonnen, als er ihnen auch gleich noch das „Gelächter eines ganz besonders schadenfrohen Tieres“ einspielte.
Dass so viele Kinder unter den Besuchern waren, freute die vielgereisten Regenwald-Botschafter ganz besonders, denn sie wollen ja nicht nur einzigartige Bilder zeigen und „für die anmutige Schönheit und schier grenzenlose Artenvielfalt der Regenwälder begeistern“, sondern auch ein Bewusstsein für die Gefahren wecken, die dieser bezaubernden Natur durch die Menschen drohen.
Sie sind überzeugt, „dass es sich nicht nur lohnt sondern für die gesamte Menschheit lebenswichtig ist, diese Region aktiv zu schützen“. Nicht ohne Grund werden die Live-Reportagen von Sandra Hanke und Dieter Schonlau vom Bundesumweltministerium, vom Bundesamt für Naturschutz und außerdem auch vom WWF-World Wildlife Fund empfohlen.
In einer großartigen Choreografie präsentierte der National Geographic Fotograf mit passend orchestraler Musik unterlegte Bilder und Filmeinspielungen. Er lieferte interessante und stets kurzweilige Informationen ohne je ins Dozieren zu verfallen und gönnte seinem Publikum auch immer wieder die erforderliche Ruhe, um sich „ungestört“ auf eine weitere Sequenz ausgewählter Bilder uneingeschränkt konzentrieren zu können.
Vor allem im zweiten Teil steigerte sich die Zahl der Superlative immer mehr. Neben dem Brüllaffen als „lautestem Tier der Welt“ wurde der größte Laubfrosch gezeigt, der seltenste Vogel genauso, wie der Käfer mit den längsten Beinen oder die mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 Metern größte Blume. Zugleich machte Dieter Schonlau aber auch deutlich, wie viel Gespür, wie viel Geduld und wie viel „Leidensfähigkeit“ erforderlich ist, um im richtigen Augenblick am richtigen Ort zu sein und immer wieder einmalige Bilder einzufangen.
Um solche Aufnahmen machen zu können, brauche man einfach auch unheimlich viel Glück, merkte Dieter Schonlau bescheiden an. Auch wenn immer wieder der Stolz des Kamerajägers über seine wertvolle Beute durchblitzte, machte er doch unmissverständlich deutlich, dass es ihm nicht um Rekorde oder Auszeichnungen gehe, sondern allein darum, seine Begeisterung und seine Leidenschaft weiterzugeben – an alle Besucher und dabei vor allem auch an die nachwachsende Generation. Sie müsse den Wert dieses einmaligen Vermögens der Menschheit begreifen, schätzen lernen und sich für den Erhalt dieser artenreichsten und doch immer stärker bedrohten Naturreservate einsetzen.