Weilheim. Alle drei Jahre bietet die Zähringerstadt Amateurkünstlern und Kunstschaffenden bei der „Kreativa“ in der Weilheimer Limburghalle die Möglichkeit, anderen ihre Bilder und Arbeiten zu präsentieren. „Es erfordert Mut, dies zu tun“, ist sich Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle durchaus bewusst, dass manch einem der 31 Künstler der Schritt in die Öffentlichkeit vielleicht nicht ganz einfach gefallen sein mag. Umso größer deshalb der Wunsch des Stadtoberhauptes, dass sie Anerkennung sowie Inspiration aus der sechsten Auflage der Schau und den Gesprächen mit den anderen Künstlern und Besuchern mitnehmen.
Die Schönheit der Natur am Albtrauf hat Weilheimer Künstler zu vielfältigen Arbeiten inspiriert. Bei Huali Dolde hat der Weilheimer Hausberg Eingang in eines ihrer farbintensiven Acrylbilder gefunden, in denen sie, wie sie sagt, ihre Emotionen verarbeitet. Die Asiatin zeigt aber nicht nur aktuelle Arbeiten, die eher ins Abstrakte gehen, sondern auch ihre künstlerischen Wurzeln, die in den traditionellen Tuschezeichnungen ihrer chinesischen Heimat liegen.
Der Albtrauf und die Landschaft rund um die Limburg rücken auch die vielen Fotografen, die bei der „Kreativa“ ihre Bilder ausstellten, in den Blick. Siglinde Hasel liebt dabei vor allem die kleinen Zufallsfunde, die sie zu ihren Fotografien inspirieren. Eine von Raureif bedeckte Dose, ein herzförmiges Blatt, das Spiel mit Licht und Reflexionen nutzt sie für ihre ins Auge fallenden Bildkompositionen. Effekte erzielt sie aber auch mit dem Druck der Fotografien auf unterschiedlichsten Materialien wie Alu, Holzplatten oder auch auf Acryl.
Bei Silvia Stark kommt die Inspiration manchmal auch bei der Zeitungslektüre. Das erste Schnee-Foto aus dem Teckboten hat die Aquarellkünstlerin zu einem zauberhaften Bild inspiriert. „Am Montag war es in der Zeitung, am Donnerstag war das Bild fertig“, erzählt sie. Nicht ganz typisch für die Aquarellkunst sind ihre Möhren, Chilischoten oder Mohnkapseln in Miniatur – ebenso wie die Industriebrache und Schrottautos, die sie mit schnellen und präzisen Pinselstrichen und teils kräftigen Farben einfängt.
Gutes Auge und präzises Arbeiten – das braucht Rahel Scheufele für ihre gewebten Kunstwerke. Diffizil schlängeln sich auf ihren handgearbeiteten Bändchen Ranken und Bordüren. Auch Nähgarn verwendet die junge Textilkünstlerin teilweise für die kunstvollen Borten, die mal als Gürtel, mal als Lesezeichen oder Kleidungsbesatz zum Einsatz kommen.
Eine fast in Vergessenheit geratene Kunst ist auch das Drechseln. Das Arbeiten mit den verschiedenen Holzarten, das Spiel mit den Maserungen hat Hans Bazle zur Meisterschaft gebracht. Seine Schüsseln, Teller und Gefäße zogen die Blicke vieler Besucher an.
Über regen Besuch konnte sich auch Cornelia Meier freuen: Bei den farbenfrohen Puppenkleidern aus ihrer Nähwerkstatt wäre manch Besucherin gerne selbst noch einmal Kind gewesen, um nach Herzenslust für die Puppenstube einzukaufen.
Von Glaskunst über die unterschiedlichsten Maltechniken bis hin zu feinster Klöppelspitze oder zart gewirktem Schmuck aus Silberdraht reichte die Palette der ausgestellten Arbeiten, von denen manch ein Stück im Rahmen der zweitägigen Ausstellung den Besitzer wechselte. Auch Dekoideen für die nahe Weihnachtszeit oder Geschenke für den Gabentisch erstanden die Besucher bei den Ausstellern, die sich über den Zuspruch und viele nette Gespräche freuten. Manch einem mag die Schau auch Inspiration gewesen sein, selbst einmal wieder mit der Kamera auf Motivjagd zu gehen oder den Skizzenblock herauszuholen.
