Soll Dettinger Kindertagesstätte Haus Regenbogen saniert oder gar neu gebaut werden? – Hitzige Diskussion im Ratsrund
Von Luftschlössern und Gelddruckmaschinen

Die Kindertagesstätte Haus Regenbogen in Dettingen ist in die Jahre gekommen. Die Verwaltung schlug deshalb vor, das Gebäude zu modernisieren und den Außenbereich umzugestalten. Im Ratsrund kam allerdings die Frage auf: Ist diese „Notlösung“ überhaupt sinnvoll?

Dettingen. An der Kindertagesstätte Haus Regenbogen in Dettingen nagt der Zahn der Zeit: Das Dach und die Fassade des Gebäudekomplexes in der Hinteren Straße 85 entsprechen nicht mehr den aktuellen energetischen Standards. Außerdem sind die Heizungstechnik und die sanitären Anlagen des Gebäudes, das im Jahr 1959 gebaut wurde, veraltet. Hinzu kommt, dass es am Eingang keinen Windfang und keine Möglichkeit gibt, Kinderwagen abzustellen, fügte Daniel Oberhof vom Stuttgarter Architekturbüro Zoll in der jüngsten Gemeinderatssitzung hinzu.

Die Verwaltung brachte deshalb den Gedanken ins Spiel, die Kindertagesstätte im Rahmen des Landessanierungsprogramms zu modernisieren. Der Gemeinde stehen noch Mittel in Höhe von 400 000 Euro zur Verfügung. Denn in ihrer Sitzung am 9. Mai hatten sich die Räte dagegen ausgesprochen, an der Kirchheimer Straße einen Kreisverkehr anzulegen. Da der Kreisel nun entfalle, könne man die Fördermittel ins Haus Regenbogen investieren, verdeutlichte Bürgermeister Rainer Haußmann.

Daniel Oberhof und Ralf Duffner vom Büro Zoll präsentierten anschließend eine Machbarkeitsstudie, die als Diskussionsgrundlage dienen sollte. „Wir schlagen vor, den Verbindungsbereich zwischen dem östlichen und westlichen Teil des Kindergartens neu zu gestalten und am Eingang einen Windfang, einen Kinderwagenraum und ein kleines Foyer zu schaffen“, sagte Daniel Oberhof. Darüber hinaus könne man den Gymnastikraum, der sich derzeit im Keller befindet, nach oben verlegen und an den Außenbereich des Kindergartens anbinden. Weil die Gemeinde Teile der Grundstücke an der Hinteren Straße 79 und 81 erworben hatte, stehen dem Kindergarten nun fünf Ar mehr Gartenfläche zur Verfügung – deshalb sollte man darüber nachdenken, die Spielanlagen im Freien umzugestalten, betonte Oberhof. Außerdem müssten das Dach, die Fassade und die sanitären Anlagen saniert und eine neue Heizung eingebaut werden. Daniel Oberhof sprach sich zudem dafür aus, vor der Kindertagesstätte eine Wendemöglichkeit für Fahrzeuge zu schaffen. Diskutieren könne man auch darüber, ob der Eingang an der bisherigen Stelle bleiben oder an einen logis­tisch sinnvolleren Ort verlegt werden sollte.

Die geschätzten Kosten dieser Maßnahmen betragen zwischen 930 000 und 1,18 Millionen Euro, informierte Daniel Oberhof. Nach Abzug der Fördermittel müsste die Gemeinde einen Anteil zwischen 530 000 und 780 000 Euro tragen.

„Das Konzept enthält viele Unwägbarkeiten. Es ist doch ein Krampf, an einem über 50 Jahre alten Gebäude rumzudoktern und dann doch nur ein unzureichendes Ergebnis zu haben“, gab Hermann Pölkow von der SPD zu bedenken. Stattdessen solle man sich Gedanken darüber machen, ob ein Neubau des Kindergartens nicht sinnvoller wäre. „Alles andere ist eine Notlösung.“ In dieselbe Kerbe schlug Bärbel Weinacht von der Freien Wählergemeinschaft: „Bei einem Gebäude von 1959 kann man energetisch sicher etwas bewirken, aber optimal wird es nie werden.“ Sie plädierte dafür, in alle Richtungen zu überlegen und auch einen Neubau nicht auszuschließen. Andreas Hummel von der CDU/Freie Wählervereinigung bezeichnete einen Neubau hingegen als „Luftschloss“. „Dafür bräuchten wir eine Gelddruckmaschine – und die haben wir nicht.“

Daniel Oberhof widersprach entschieden dem Argument, dass bei Altbauten keine zufriedenstellende energetische Sanierung möglich sei: „Ältere Gebäude kann man sehr wohl energetisch optimieren.“ Rainer Haußmann fügte hinzu, dass es eine Aufgabe der Gemeinde sei, „bestehende Anlagen weiterzuentwickeln – sofern es Sinn macht“. Die Verwaltung will nun die Kosten für einen Neubau ermitteln. Anschließend soll der Gemeinderat erneut über das Thema diskutieren.

„Für einen neuen Kindergarten sind wir gleich bei drei oder vier Millionen Euro“, warnte Kämmerer Jörg Neubauer gegenüber dem Teckboten. „Natürlich hätte jeder gerne einen neuen Kindergarten, aber den muss man halt auch bezahlen können.“ Bedenken müsse man zudem, dass im Haus Regenbogen erst vor zwei Jahren neue Fenster und eine neue Eingangstür eingebaut worden waren und ein Abriss daher nicht sinnvoll wäre. Außerdem sei mittelfristig ein Bildungshaus in Dettingen geplant. „Auch hier müssen wir Geld in die Hand nehmen.“