Hans Paulin legt mit „sich am Kloina freua“ einen neuen kurzweiligen Gedichtband vor
Von Repräsentanten und Repräsentierten

Kirchheim. Wer sich mit ein paar wenigen Zeilen im Kreis von 144 teilweise namhaften Konkurrenten bei der Jury im Wettbewerb um den namhaften „Sebastian-Blau-Preis“ 


WOLF-DIETER TRUPPAT

empfehlen und einen sensationellen – wenn auch undankbaren – vierten Platz belegen kann, darf sich anschließend fürwahr nicht bequem zurücklehnen.

Ein im November 2011 mit eigenen Fotografien gelungen gestalteter Gedichtband war eigentlich das Mindeste, das die zu diesem Zeitpunkt schon fest eingeschworene Fangemeinde von Hans Paulin erwarten durfte. Das überzeugende Debüt des weit über das direkte schulische Einzugsgebiets bekannten ehemaligen Lehrers der Kirchheimer Alleenschule wurde zweifellos sehr gut angenommen.

Nach dem Erfolg der von Hans Paulin Ende vergangenen Jahres in schwäbischem Understatement auf den Markt gebrachten gefälligen Gedichtsammlung mit dem Titel „So zwischanei – a bissle Schwäbisch für Herz ond Hirn“ war eigentlich klar, dass da noch etwas nachkommen muss.

Dass das nachgeschobene und mit dem zweifellos noch immer gut bestückten Arsenal wohlgereimter Aphorismen und Gelegenheitsgedichte gefüllte neue Bändchen dem Überraschungserfolg des Erstlings nichts schuldig bleibt, steht fest. Durch den erneut sehr bescheidenen Titel wird es aber erneut etwas unter Wert verkauft. Nach „So zwischanei“ hat zweifellos auch das nur sehr behutsam auf sich aufmerksam machende neue Gedichtbändchen „sich am Kloina freua“ starke Nachfrage verdient.

Es setzt erfreulich klare Akzente in einer oft nicht immer die gebührende Wertschätzung findenden Kunstform, die mit den zweifellos „etwas belasteten“ Ingredienzien „Gedichte“ und „Schwäbisch“ per se grundsätzlich schon einen schweren Stand hat. Im Fall von Hans Paulin kann sie aber den Charme eines zu entdeckenden Schatzes für sich in Anspruch nehmen. Auch wenn sich der so bescheidene wie virtuose Mundartpoet erneut bewusst nur „auf alle mögliche scheinbar oo’scheinbare Sacha“ konzentriert, ist das leicht daherkommende Bändchen ein echtes Schwergewicht, das etwas stärker als der erfolgreiche Erstling neben nachdenkenswerten Aphorismen auch auf zu einem bestimmten Anlass in Auftrag gegebene Reime setzt.

Dank dieser etwas stärker vertretenen „Auftragslyrik“ ist es ein Stück weit persönlicher als der Vorgängerband, überzeugt aber erneut mit seiner überzeitlichen und weit über individuelle Charakterstudien hinausgehenden Treffsicherheit. Wie im Untertitel vermerkt, versammelt es „schwäbische Texte und Gedichte zum Nachdenken und Schmunzeln“ mit auch „auf mattem Papier glänzend illustrierten Fotografien“ von Hans Paulins in England lebendem Sohn Tilman Paulin.

Wer das neue Büchlein zur Hand nimmt und durchblättert, wird immer wieder Interessantes finden und spüren, dass der Autor mit seiner schwäbischen Heimat und vor allem auch mit den Menschen rund um Teck und Albtrauf stark verwurzelt ist. Wer zu denjenigen gehört, die sich in einem der vielen Gedichte wiedererkennen können, darf sich noch einmal freuen über ein nettes und sehr persönliches Geschenk, das nicht viele Menschen ihr Eigen nennen können, aber alle Leser mit den damit reich Beschenkten teilen können.

Das neue Bändchen kann wie auch der Erstling im Kirchheimer Buchhandel bezogen werden. Menschen mit Sinn für Humor und feine Ironie werden ganz sicher ihre Freude daran haben.

Ein manchen schon bekanntes schönes Beispiel für Hans Paulins ironisch-süffisanten Umgang mit sich und seinen Mitmenschen stand schon in der Leserbriefspalte des Teckboten. Es hat die inzwischen etwas in Vergessenheit geratene und zu Beginn noch sehr kontroverse öffentliche Auseinandersetzung über das häppchenweise immer deutlicher aufgezeigte Fehlverhalten Christian Wulffs in dem Gedicht „D‘r Repräsentant“ ungemein treffsicher auf den Punkt gebracht.

Was muss i do höre?

Onser höchschter Repräsentant

sei a bissle geltungssüchtig?

Onser höchschter Repräsentant

sei a bissle bestechlich?

Onser höchschter Repräsentant

sei a bissle verloga?

Onser höchschter Repräsentant

sei so nemme tragbar.

Warom au des?

Wen muss der denn repräsentiera?

Doch bloß ons!