Schüler des Schlossgymnasiums haben ihre eigenen Aufenthaltsräume entworfen
Von Schülern für Schüler

Die beiden Aufenthaltsräume im Schlossgymnasium erhalten ein neues Gesicht. Die Architekten sind die Schüler selbst. Sie konnten in den letzten Wochen Modelle für einen „Chill-Room“ und einen Arbeitsraum einreichen. Drei davon werden nun umgesetzt.

Kirchheim. Der „Chill-Room“ sieht aus wie eine Lounge. In dem kleinen Modellzimmer stehen niedrige Papierhocker um Tischchen herum, eine Lichtinstallation mit einer Strandszene darauf verbreitet schummriges Licht. Zimmerpalmen und lichtdurchlässige Paravents schirmen die Bereiche voneinander ab, sodass kleine private Nischen entstehen. Nichts in diesem Entspannungsraum erinnert an Schule, und das ist auch gut so, finden die Schülersprecher Jan Berghold und Lea Rau. „Sonst fühlt man sich ja wieder wie im Klassenzimmer.“

Noch sind die Aufenthaltsräume im Schlossgymnasium, wie sie sind: Etwas schmuddelig, karg und wenig einladend. Wände und Türen sind vollgekritzelt. „Niemand nutzt diese Räume“, sagt Hans-Ulrich Leisner, Vorsitzender des Fördervereins. Das soll sich nun ändern, und zwar dauerhaft. Leisner ist davon überzeugt: „Wenn Schüler die Räume selbst gestalten, zerstören sie sie nicht.“ Deshalb haben sich die Schüler der zehnten Klassen im BK-Unterricht den Kopf darüber zerbrochen, wie die Aufenthaltsräume künftig aussehen sollen. Einzige Vorgabe: In einem Zimmer darf entspannt, im anderen soll gearbeitet werden.

Die Schülerschaft wurde über das soziale Netzwerk Facebook beteiligt. In der eigens eingerichteten Facebook-Gruppe „Aufenthalts-T-Räume“, die über 300 Mitglieder hat, diskutierten die Schüler über die Modelle. „Es war uns wichtig, dass jeder seine Meinung sagen kann“, betont Lea Rau. Natürlich seien auch einige unsinnige Vorschläge gekommen, zum Beispiel der, den „Chill-Room“ mit einer Playstation auszustatten. Auf der anderen Seite hat die Beteiligung über das soziale Netzwerk offenbar dazu geführt, dass sich viele Schüler für das Projekt interessieren. „Die Präsentation im Foyer war extrem gut besucht“, erinnert sich Lea Rau.

In der vergangenen Woche durften die Schüler eine Vorauswahl treffen. Klassenweise schauten sie sich die Modelle an und suchten die drei besten Arbeitszimmer und „Chill-Rooms“ aus. Die Siegermodelle gekürt haben allerdings nicht die Schüler, sondern Günter Riemer und Wolfgang Zimmer von der Kirch­heimer Stadtverwaltung, Architekt Karl-Albrecht Einselen, Schulleiterin Lucia Heffner, Konrektor Siegfried Hepe, Elternbeiratsvorsitzende Christine Kipper, als Schülervertreter Lea Rau und Jan Berghold, BK-Lehrerin Mandy Lubrich sowie Monika Prinz und Hans-Ulrich Leisner als Vorsitzende des Fördervereins. Gewonnen haben neben dem „Chill-Room“ mit Lounge-Charakter zwei Arbeitsraum-Modelle. „An dem einen hat uns gefallen, dass es Abtrennungen gibt, sodass man in Ruhe lernen kann“, sagt Jan Berghold. „Hätte man das nicht, wäre man ja wieder im Klassenzimmer.“ Aus dem anderen Siegermodell fließen die runden Formen und eventuell die Lernbar mit ein.

Und wie geht‘s jetzt weiter? „Unser Ziel ist es, bis zum Ende des Schuljahrs einen Raum umzusetzen“, sagt Hans-Ulrich Leisner. Der Förder­verein setzt dabei auf die Eigenleistung der Eltern und Schüler, die die Räume im Rahmen der Projekttage ausbauen sollen. Ganz billig wird die Umsetzung trotzdem nicht. Hans-Ulrich Leisner rechnet pro Raum mit 20 000 Euro. Hauptsponsor ist der Förderverein, der aber noch nach weiteren Geldgebern sucht. Die Stadt ist finanziell nicht beteiligt. Baubürgermeister Günter Riemer ist aber überzeugt: „Ein solches Projekt hat eine viel höhere Akzeptanz, wenn die Stadt nicht irgendwas hinbaut, sondern wenn die Schule es selbst stemmt. Von solchen Projekten gibt es im Grunde viel zu wenig.“