Groß angelegte Fahndungskontrolle förderte in zwei Fällen geringe Mengen Rauschgift zutage
Waffentransport und Parmaschinken

Ungewöhnlich geschäftig ging es gestern auf dem Gelände der Autobahnpolizei Mühlhausen zu. Neben insgesamt 41 Beamten waren im Rahmen einer ­eintägigen Fahndungskontrolle mit „Dino“ und „Aike“ auch zwei vierbeinige „Drogen­experten“ im Dienst.

Mühlhausen. An dem für gestern von der Polizeidirektion Göppingen durchgeführten Fahndungstag beteiligten sich neben den Kräften des Autobahnpolizeireviers Mühlhausen Spezialisten der angrenzenden Autobahnpolizeireviere, der Bereitschaftspolizei und des Zolls, Rauschgiftexperten und zwei Vertreter der Hundestaffel Waiblingen mit ihren Vierbeinern. 

In der Zeit von 8.30 bis gegen 16 Uhr waren Beamte in Zivilfahrzeugen in beiden Fahrtrichtungen der Bundesautobahn 8 von Wendlingen bis zur Anschlussstelle Ulm-Ost unterwegs. Einerseits hielten sie dabei nach zur Fahndung ausgeschriebenen Fahrzeugen Ausschau, andererseits selektierten sie auf der Basis ihrer einschlägigen Erfahrungen einzelne verdächtig erscheinende Fahrzeuge und ihre Insassen.

Gemeinsam mit Passagieren und Fahrern wurden die verdächtigen Privatautos und Kleintransporter auf das für den Fahndungskontrolltag bestens ausgestattete Gelände der Autobahnpolizei Mühlhausen zur weiteren Untersuchung gebracht. Schwerpunkte der Fahndung unter der Leitung von Polizeirat Ralf Thiese waren die Bekämpfung der Drogenkriminalität sowie die Deliktbereiche Autoverschiebung und Urkundenfälschung.

Das hintere Drittel der von insgesamt drei Garagentoren erschlossenen „Untersuchungshalle“ hatte sich gestern kurzfristig in ein gut besetztes Computerzentrum verwandelt. Hier konnten sofort alle Fragen beantwortet werden, die sich auf die Fahrzeuge, darin eventuell transportierte Ladung sowie entdeckte unerlaubte Substanzen bezogen.

Im ersten Stock hatte sich ein Kriminalbeamter häuslich eingerichtet. Er ist auf die Untersuchung von Urkunden spezialisiert und konnte sofort sämtliche Ausweise, Fahrzeugpapiere oder internationale Frachtdokumente an Ort und Stelle prüfen und deren Echtheit feststellen. Im Hof war zusätzlich ein Fahrzeug mit einem Scanner geparkt, wie er von Kontrollen auf Flughäfen bekannt ist. Werden jedoch auf Flugplätzen gemeinhin nur Gepäckstücke durchleuchtet, wurde gestern auch die Möglichkeit genutzt, etwa ein Reserverad ohne größeren Aufwand daraufhin zu überprüfen, ob es mehr enthält als die zu erwartende komprimierte Druckluft.

Wie der Leiter des Autobahnpolizeireviers Mühlhausen, Polizeirat Ralf Theise, mitteilte, sind die Beamten stets darum bemüht, möglichst wenig zu zerlegen, aber in möglichst viel hineinzuschauen. Mithilfe von Endoskopen blickten sie daher auch in verborgene Ecken und untersuchten gewissenhaft alle nicht direkt einsehbaren Hohlräume.

Auf großes Interesse der Fahnder stieß gestern Vormittag zunächst ein blauer Combi. Nachdem die Zivilfahnder im Wageninneren Gerüche wahrgenommen hatten, die auf vorangegangenen Drogenkonsum schließen lassen konnten, wurden Fahrer und Fahrzeug getrennt voneinander untersucht. Zumindest beim Fahrzeugcheck erhärtete sich der Anfangsverdacht. Denn auch der zehnjährige Drogenhund „Dino“ reagierte deutlich. Im Lauf der Untersuchung des Fahrzeugs konnten zudem über 2 000 Zigaretten ausländischer Marken sichergestellt werden, deren Herkunft zunächst noch geklärt werden muss.

Besonderes Aufsehen erregte zunächst auch ein weiteres von den Zivilfahndern auf den Hof eskortiertes Auto. In dem Kastenwagen mit italienischem Kennzeichen saßen zwei amerikanische Staatsangehörige, die neben einem Karton mit Lebensmitteln zwei große Hartschalenkoffer mit insgesamt zehn Schusswaffen mit sich führten. Wie sich aber bald herausstellte, hatte alles seine Richtigkeit, denn die beiden Personen konnten sich als Mitglieder der amerikanischen Militärpolizei ausweisen.

Sie kamen direkt von Ramstein, wo sie die Waffenkoffer zweier Soldaten aus dem Afghanistaneinsatz entgegengenommen hatten. Da sie erst um 16 Uhr an der österreichisch-italienischen Grenze sein mussten, von wo aus sie nach Vincenza eskortiert wurden, war die kurze Kontrolle kein Problem. Da sie mit den notwendigen Genehmigungen und Frachtpapieren ausgestattet waren, konnten sie nach einem kurzen Anruf weiterfahren. Hilfreich war dabei, dass der ermittelnde Beamte seinen zur Überprüfung mit einbezogenen Gesprächspartner bei der Militärpolizei persönlich kannte. Er konnte seinerseits sofort bestätigen, in welcher Mission die beiden Angehörigen unterwegs sind.

Ein weiterer Kastenwagen, der bis unters Dach vollgeladen war, weckte ebenfalls das Interesse der Zivilfahnder. Während die amerikanischen Waffentransporteure weiterrollten, parkte der Fahrer seinen mit Lebensmitteln vollgepackten Wagen direkt neben dem Scanner, mit dem die Ladung durchleuchtet wurde – vom Käse über Salami bis hin zum Parmaschinken. Da er seinen Lebensmitteltransport ohne die vorgeschriebene Kühlung durchgeführt hatte, steht ihm nun Ärger ins Haus.

Ermittelt wird auch gegen die Fahrer von zwei Fahrzeugen, in denen jeweils eine geringe Menge Rauschgift festgestellt wurde. Beide müssen mit einer Anzeige rechnen.

Bei dem gestrigen Einsatz auf der Autobahn zwischen Wendlingen und Ulm-Ost kontrollierten die Beamten insgesamt 69 verdächtige Fahrzeuge und 117 Personen. 68 Personaldokumente, wie beispielsweise ausländische Reisepässe, wurden bei der groß angelegten eintägigen Fahndungskontrolle auf ihre Echtheit überprüft. Fälschun­gen konnten dabei nicht festgestellt werden.