Zur Wahl gehört der Wahlkampf, auch bei OB-Wahlen in Kirchheim. Kandidierte in den vergangenen drei Jahrzehnten der Amtsinhaber erneut, setzte er sich stets im ersten Wahlgang durch. Eine Handvoll Gegenkandidaten fungierte dabei als Salz in der Suppe.
Jetzt steht wieder eine Wahl an. Doch die Fraktionen sind nicht in Kampfstimmung. Auch nicht diejenigen, die schon von der Parteizugehörigkeit her der SPD-Stadtchefin den Kampf ansagen müssten. Andernorts brodelt es heftig. Sei es in Nürtingen, wo der umstrittene SPD-OB im Oktober wiedergewählt werden möchte, sei es in Wendlingen, wo dem Amtsinhaber im Juli der Rang streitig gemacht wird.
Was ist los in Kirchheim? Friede, Freude, Eierkuchen: Gesinnungsgenossen singen das Loblied auf die Oberbürgermeisterin, Andersdenkende zollen ihr Respekt, die politischen Entscheidungsträger demonstrieren Stolz auf diese Stadt. All das ist hart erarbeitet von der Juristin Matt-Heidecker, der bei Amtsantritt fehlende Verwaltungserfahrung angekreidet worden war, beziehungsweise von der ehemaligen SPD-Fraktionsführerin Matt-Heidecker, die im Ratsrund nicht nur Freunde hatte.
Die Kritiker sind leise geworden. Früchte trägt vor allem der von der Stadtchefin gelebte kooperative Führungsstil, mitunter als „weiblicher Stil“ bespöttelt: Das soziale Bewusstsein ist in Kirchheim weit ausgeprägter als andernorts und gilt mittlerweile sogar als harter Standortfaktor; Wirtschaft und Verwaltung arbeiten eng zusammen; im Gemeinderat geht es überwiegend unpolemisch zu.
Matt-Heideckers Arbeit ist nicht vom Kampf gekennzeichnet, sondern von intensiver inhaltlicher Auseinandersetzung. Gleiches könnte auch für den „Wahlkampf“ gelten. – Es sei denn, eine schillernde Persönlichkeit wirft ihr Auge auf Kirchheim. Das Potenzial hätte die Stadt. Dann dürften die derzeit stillen Kritiker plötzlich vernehmlich mit den Säbeln rasseln. Dann wird auch die Amtsinhaberin die Zähne fletschen und den Kampf aufnehmen. Dass sie das kann, hat sie 2003 bewiesen. IRENE STRIFLER
