Kirchheim. Als erster Sohn von acht Kindern wird Hans Moll am 28. November 1922 geboren. Er wächst in der Sophienstraße in Kirchheim auf und lebt auch heute wieder dort.
Als junger Mann besucht er die städtische Volksschule, bevor er 1937 eine Schneiderlehre in der Schneiderstube seines Vaters beginnt. Drei Jahre später absolviert er die Gesellenprüfung. Während des Krieges wird der junge Hans Moll zum Arbeitsdienst eingezogen. Ursprünglich soll er in Ihringen Bauern bei der Erntehilfe unterstützen. Jedoch tut sich der Schneidergeselle schnell mit einem Schuhmacher zusammen. „Gemeinsam haben wir die Kleider und Schuhe der Arbeiter geflickt“ erzählt er. Von 1942 bis Kriegsende ist er Soldat an der Ostfront. Als der Krieg vorbei ist, kommt er vier Jahre in russische Kriegsgefangenschaft in die Danziger Bucht und anschließend ins Lager „Kaunas“ nach Litauen.
Im Herbst 1949 beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Hans Moll. „Nach vielen Jahre bin ich endlich in meine Heimat zurückgekehrt und hatte ein neues Ziel vor Augen: die Meisterprüfung“, erinnert er sich. Nach nur zwei Jahren Gesellenzeit ist er Schneidermeister.
Das Jahr 1957 ist für Hans Moll besonders wichtig: Er heiratet Inge Schweiss: „Inge war eine Freundin meiner Schwester und kam schon mit 17 Jahren ins Hause Moll“. Eine Weile später kommt der erste Sohn zur Welt.
Große Verantwortung kommt im gleichen Jahr auf Hans Moll zu, als sein Vater an einem Verkehrsunfall stirbt und er dessen Schneiderei übernimmt. Hans Moll schreibt es seiner Weitsicht und harter Arbeit zu, dass das Geschäft Hosen Moll von der kleinen Schneiderstube, die nur Hosen maßschneiderte, zum klassischen Fachgeschäft für Damen- und Herrenmode gewachsen ist. Inzwischen leitet Sohn Martin den Laden.
Hans Moll selbst fertigt damals seiner Frau Inge die erste Kniebundhose zum Wandern und Motorrad fahren an. „Der jetzigen Schneiderin stehe ich im hauseigenen Änderungsatelier immer noch zur Seite, und, wenn besonders schwierige Maßänderungen anstehen, bespricht sie das zuerst mit mir“, erzählt er.
Weil Hans Moll seinen Beruf immer sitzend ausübt, sagte sein Vater schon in jungen Jahren zu ihm „Bua du musch an ‘d frische Luft“. Mit Freunden verbringt er viel Zeit auf der Schwäbischen Alb zum Wandern und Skifahren. Anfang der 50er-Jahre tritt er in den Albverein ein und ist 24 Jahre der erste Vorsitzende der Ortsgruppe Kirchheim. „Bevor ich die Leitung übernahm, eignete ich mir das Können eines Jugendwartes durch zahlreichende Schulungen an“, berichtet er. Ein ebenso wichtiger Teil seines Lebens ist der Liederkranz, in dem er mit seiner Frau Inge 40 Jahre im gemischten Chor singt. „In diesem Jahr haben wir uns dann entschlossen aufzuhören“, berichtet Inge Moll.
Nach dem Motto „Singen und Wandern – eins gehört zum andern“ wandert Hans Moll mit seiner Gruppe „vom Bodensee bis an die Nordsee“. Durch den Albverein habe ich ganz Deutschland kennengelernt“, sagt er.
Stolz erzählt Hans Moll: „Bis heute brauche ich nicht mal eine Brille zum Lesen.“ Was für ihn besonders wichtig im Leben ist und was ihm bis heute eine gute Gesundheit beschert? „Natur, Heimat und Wandern ist ein harmonischer Dreiklang“, erzählt Hans Moll. „So wurde Wandern für mich bis heute zum Gesundheitselixier Nummer eins“.
