Margret Ruep plädiert für eine Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe
„Weg vom Kästchendenken“

„Weg vom Kästchendenken über Schularten und hin zu einem Netzwerk für Bildung“, hat Margret Ruep vom baden-württembergischen Kultusministerium bei einer Veranstaltung mit Vertretern der Schulen sowie der Jugendhilfeeinrichtungen aus dem Landkreis Esslingen gefordert.

Ostfildern. Unter dem Titel „Gemeinschaftsschule als Chance zu einer partnerschaftlichen Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe“, hatten der Kreisjugendring sowie das staatliche Schulamt Nürtingen ins Kubino in Ostfildern eingeladen.

42 Gemeinschaftsschulen sind in Baden-Württemberg nun auf den Weg gebracht worden, rund 100 Anträge liegen auf dem Tisch und darüber hinaus gibt es noch weit mehr Interessenten. Ziel der Landesregierung ist es, dass jedes Kind einen optimalen Schulabschluss erreicht. „Ermutigung, Zutrauen, Aufmerksamkeit und Herausforderung“, sind laut dem Leiter des staatlichen Schulamtes Nürtingen, Günter Klein, die Garanten für die Aufgabe hin zu einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung. Das könne die Schule aber nicht alleine bewältigen.

Margret Ruep zufolge haben Kinder aus sozial benachteiligten Schichten immer noch schlechtere Chancen. Die Ministerialdirektorin und ehemalige Realschullehrerin ist davon überzeugt, dass mit der Gemeinschaftsschule dem entgegengesteuert werden kann. Der Umbau des dreigliedrigen Schulsystems müsse aber auch in den Köpfen greifen. Vielerorts herrsche noch ein Kästchendenken.

Nicht die Schulart, sondern das Kind sollte im Vordergrund stehen. Anstelle der Klassenverbände würden nun Lerngruppen mit unterschiedlichen Schülern treten. Und diese Unterschiedlichkeit sollte als Bereicherung und nicht als Problem gesehen werden. Die individuellen Leistungen werden laut Ruep auch nicht mit Noten, es sei denn die Eltern würden das wünschen, sondern mit einer schriftlichen Bericht beurteilt.

„Wer Kinder erziehen will, braucht ein ganzes Dorf“, zitierte die Ministerialdirektorin ein afrikanisches Sprichwort. Daher müsse sich die Schule nach außen hin öffnen. Der Vernetzung auf der kommunalen Ebene komme daher einige wichtige Rolle zu. Die Schulsozialarbeit, die sich bereits bewährt habe, werde intensiviert. Auch die Berufsorientierung, bei der die Jugendhilfe wertvolle Dienste leiste, sei wichtig.

Ruep dachte daran, die Vereine in das ganztägige Schulleben zu integrieren. Um das Kästchendenken zu überwinden, werde inzwischen einiges in der Fortbildung der Lehrer getan, erklärte die ehemalige Stuttgarter Oberschulamtsdirektorin auf Nachfrage.

„Woher sollen diese Stunden angesichts bereits fehlender Lehrer kommen?“ wollte ein Elternbeiratsvorsitzender wissen und erhielt keine befriedigende Antwort. Bei der Frage von Krankheitsvertretungen sieht Baden-Württemberg nämlich ziemlich alt aus.

„Wir sind in der Ganztagesschule immer nur Gast“, bedauerte ein Mitarbeiter des Kreisjugendrings Esslingen und regte an, die Strukturen zu ändern. Zuvor wurde in der Veranstaltung nämlich immer wieder die Kooperation auf Augenhöhe angesprochen.

Die Umgestaltung zu einem Zwei-Säulen-System – das Gymnasium und die Gemeinschaftsschule, auf der man alle Schulabschlüsse erreichen kann – müsse wachsen, sagte die Frau aus dem Kultusministerium. Und das sei aber auch eine Frage der Finanzen.