Analyse der Industrie- und Handelskammern
Weiter Mangel 
an Fachkräften

In Baden-Württemberg werden zwischen 2013 und 2030 durchschnittlich 220 000 Fachkräfte fehlen, darunter 67 000 allein in der Region Stuttgart. Dies sagt die IHK Region Stuttgart.

Stuttgart. Die Unternehmen suchen jedoch nicht nur Ingenieure und andere Akademiker, sondern vor allem qualifizierte nichtakademische Fachkräfte. In der Region Stuttgart wird es in 2013 zwar keinen flächendeckenden Fachkräftemangel geben, jedoch werden etwa 12 000 akademische Fachleute, 27 000 Meister, Techniker, Fach- und Betriebswirte sowie ebenso viele Fachkräfte mit mittleren Qualifikationen fehlen.

Dagegen wird in der Region Stuttgart ein Überschuss von rund 16 000 Arbeitskräften mit geringen Qualifikationen in diesem Jahr erwartet. Dies ergibt die Analyse des jetzt aktualisierten Fachkräftemonitors der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg.

Überdurchschnittlich hoch ist der Personalbedarf im Südwesten bei den Anbietern von Beratungsdiensten sowie bei den Informations- und Telekommunikationsdienstleistungen.

In diesen Branchen rechnen zudem überdurchschnittlich viele Betriebe damit, dass es schwer wird, geeignetes Fachpersonal in ausreichender Zahl zu finden. So nennen 63 Prozent der Berater und 38 Prozent der Informations- und Telekommunikationsdienstleistungen den Fachkräftemangel als ein bedeutendes Geschäftsrisiko für das eigene Unternehmen. Die Branchen, in denen tendenziell mit einer Reduzierung des Personalbestandes gerechnet wird, wie die Konsumgüterindustrie, der Fahrzeugbau, die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren, das Kreditgewerbe sowie der Kfz-Handel werden vorrangig nicht ihr hoch qualifiziertes Fachpersonal entlassen, sondern Beschäftigte mit vergleichsweise geringeren Qualifikationen. Gut ausgebildete Fachleute sind auch in diesen Branchen knapp.

„Der Beschäftigungsaufbau im letzten Jahr hätte noch höher ausfallen können, wären nicht zahlreiche Stellen aus Mangel an geeignetem Personal unbesetzt geblieben“, erklärt IHK-Präsident Georg Fichtner. Auch im neuen Jahr büße der Fachkräftemangel trotz abgeschwächtem konjunkturellen Fahrwassers und der vermutlich steigenden Arbeitslosenquote kaum an Relevanz ein. Nur weil aus konjunkturellen Ursachen heraus die Zahl der Unternehmen, die unter einem Mangel an qualifiziertem Personal leiden, vorübergehend etwas zurückgehen sollte, dürften weder Wirtschaft noch Politik und Gesellschaft in ihrem Engagement für eine bessere Ausschöpfung der vorhandenen Fachkräftepotenziale nachlassen. „Die Weiterbildung gering qualifizierter Arbeitskräfte, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und nicht zuletzt die Förderung der dualen Ausbildung sowie eine verbesserte Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte müssen dringend von der Politik vorangebracht werden“, fordert Fichtner.

Der IHK-Fachkräftemonitor wurde 2008 vom Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR, Darmstadt, für die IHKs in Baden-Württemberg entwickelt. Die Angaben lassen sich differenzieren nach 105 Berufsgruppen, 18 Branchen und zwölf Regionen in Baden-Württemberg sowie nach 25  Hilfsberufsgruppen zu den gering qualifizierten Arbeitskräften. Der Fachkräftemonitor fußt auf Daten der IHK-Konjunkturumfragen, der Bundesagentur für Arbeit, der Statistischen Ämter sowie des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung. Er wird jährlich aktualisiert. pm

Auf der Basis des Fachkräftemonitors gibt es auch einen Demografierechner im Internet unter www.demografierechner-bw.de. Damit können Unternehmen individuell durch Angabe ihrer Daten zu Alter oder Qualifikation ihres Personals eine Prognose ihrer Fachkräftesituation bis 2030 erstellen.