Kirchheim. Gleich zu Beginn gab‘s ordentlich was auf die Ohren: „TrommelFell“, die schon legendäre Trommel-AG der Raunerschule um Lehrer Sven Koos heizte die Stimmung kräftig an. Unterstützung erhielten die Schüler im zweiten Stück durch die Band „RaunerRocks“. Hinter der erfolgreichen musikalischen Schüleraktivität steckt ein Kooperationsprojekt mit der Musikschule und Firmensponsoring, vermittelt durch „Starkes Kirchheim“.
Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker verlieh bei der Begrüßung ihrer Freude über das große Interesse am Dämmerschoppen Ausdruck. Beim Stelldichein der Bürgerschaft zeige sich, dass die Menschen in dieser Stadt füreinander Interesse hätten, gern in dieser Stadt lebten und gemeinsam die Herausforderungen des neuen Jahres angingen.
In ihrer Rede ging die Stadtchefin zunächst auf Europa ein, um sich dann über Deutschland Kirchheim zu nähern. Wie in der Stadt selbst gehe es auch in Europa mehr denn je um Solidarität. Matt-Heidecker zitierte Altkanzler Helmut Schmidt mit der Erkenntnis, ohne Frankreich gehe es nicht, und ohne Polen auch nicht. „Ich ergänze, es geht auch nicht ohne Griechenland und ohne Spanien“, schlug die Stadtchefin den Bogen in die Zukunft und warb für eine gemeinsame Wirtschaftspolitik. In Deutschland gehe es im Angesicht der Bundestagswahl um nichts Geringeres als um die Zukunft des Sozialstaates. Die Rednerin nannte die rechnerische Pro-Kopf-Verschuldung jedes einzelnen Bundesbürgers, die bei astronomischen 25 000 Euro liege. – In Kirchheim wird sie zum Jahresende gerade mal 152 Euro betragen.
Matt-Heidecker, die in ihrer Rede einen Schwerpunkt auf die Wirtschaftspolitik in Kirchheim legte, betonte, dass die Gemeindeprüfungsanstalt der Stadt von 2006 bis 2010 gutes Wirtschaften attestiert habe. 66 Millionen Euro konnten in dieser Zeit für Investitionen bereitgestellt werden. Auch 2013 müssen keine Kredite aufgenommen werden, gleichzeitig fließen 15,6 Millionen Euro aus städtischen Mitteln in die Bauwirtschaft. Im Gewerbegebiet Kruichling seien 87 Prozent der Fläche verkauft, über verbliebene Grundstücke werde derzeit verhandelt. Die Freude über Gewerbesteuereinnahmen in noch nie da gewesener Höhe verknüpfte die „OBin“ mit dem Dank an alle Unternehmer für das Jahr 2012. Einen Exkurs zur Infrastruktur verband die Rednerin mit der Ankündigung der Beschäftigung mit verschiedenen Verkehrsmodellen und der weiteren Förderung des Radverkehrs.
Anschließend widmete sich Matt-Heidecker einem zweiten Schwerpunkt, dem sozialen Bereich. Ein gemeinwesenorientierter Ansatz habe sich in allen Bereichen als der richtige Weg erwiesen. Die moderne Verwaltung habe zunehmend eine moderierende Rolle und vermittele unter den Menschen. Matt-Heidecker nannte beispielhaft den City-Dialog, den Bürgerausschuss oder die Nachbarschaftsnetzwerke.
„Wem gehört die Stadt? - Allen!“ Mit diesen Worten machte sie klar, dass jede Gruppe zu ihrem Recht kommen müsse, etwa auch die Jugendlichen. Kirchheim sei heute schon eine familienfreundliche Stadt, und bestehende Strukturen müssten dringend weiterentwickelt werden. Wichtige Punkte seien hierbei bezahlbarer, aber auch barrierefreier Wohnraum. Abschließend zitierte die Hausherrin Julius Leber mit dem Satz, dass der Wille zur Macht aus der Pflicht gegenüber der Gemeinschaft erwachsen müsse. „In der Pflicht gegenüber der Gemeinschaft verstehe ich meine Verantwortung für unsere Stadt“, betonte sie und dankte dem Gemeinderat wie auch der Verwaltung für ihr Engagement und das positive Klima, das eine gute Basis für das Arbeiten im Dienste der Bürgerschaft darstelle.
Die Bürgerschaft bestätigte das gute Klima, indem sie den „Dämmerschoppen“ lang über die Dämmerung hinaus zu ausführlichen Gesprächen nutzte und dabei trefflich in bewährter Weise vom AKB bewirtet wurde.
Aufgeschnappt
„Thierse weiß nicht, wie gut Laugenwecken mit Marmelade schmecken, erst recht die am Sonntag aufgebackenen vom Samstag.“ - Kommentar der bekennenden Schwäbin Matt-Heidecker zum Berliner Schrippen-Skandal.
