Landkreis erstellt in Bodelshofen Wohnraum für 130 Menschen
Wendlingen nimmt Flüchtlinge auf

Die Zahl der Flüchtlinge steigt rapide. Der Landkreis, für die Unterbringung von Asylbewerbern verantwortlich, muss 2014 rund 900 zusätzliche Plätze bereitstellen und ist dabei auf die Hilfe der Kommunen angewiesen. Die Stadt Wendlingen stellt sich dieser Herausforderung. Nach gemeinsamen Vorbereitungen baut der Kreis in Bodelshofen ein Wohnheim für Flüchtlinge.

Wendlingen. Für Wendlingens Bürgermeister ist die Aufnahme von Flüchtlingen eine humanitäre Aufgabe, die nur gemeinsam zu bewältigen ist. Dazu gehört die Suche nach geeigneten Standorten für Wohnheime. Dass bei solchen Überlegungen der frühere Standort des Wohnheims für Spätaussiedler in Bodelshofen in den Fokus gerät, liegt nahe. Der Grundstückseigner ist bereit, die Fläche erneut zur Verfügung zu stellen.

Derzeit laufen die vorbereitenden Planungen für die Aufnahme von Flüchtlingen in Wendlingen. Für Bürgermeister Weigel ist es wichtig, zu schauen, was für die Stadt und für die Menschen, die kommen werden, verträglich ist. Ohne Kompromisse sei ein solcher Prozess aber nicht denkbar, den perfekten Standort gebe es nicht.

Thomas Eberhard, Dezernent für Infrastruktur beim Landkreis, hält den Standort in Bodelshofen für optimal, alle wichtigen Infrastruktur-Einrichtungen seien fußläufig erreichbar.

Der Landkreis hat die Entwurfsplanung für ein Wohnheim bereits gefertigt. Entstehen werden auf dem Gelände der Firma Benner zwei Häuser mit jeweils zwei Stockwerken und Platz für 130 Menschen. Die Häuser werden aus mobilen Modulen (Wohn­containern) so zusammengesetzt, dass Wohneinheiten mit normalem Wohnstandard entstehen, in denen alle Räume über überdachte Flure miteinander verbunden sind.

Realisiert werden sollen die neuen Wohnräume für Asylbewerber in den nächsten Monaten. Thomas Eberhard geht von einer Erschließungs- und Bauzeit von sechs Monaten aus. Mit dem Einzug der ersten Flüchtlinge in Wendlingen wird im Juni oder Juli 2014 gerechnet.

Wichtig ist für Steffen Weigel, dass diese Menschen nach ihrer Ankunft gut betreut werden – von Hauptamtlichen genauso wie von Ehrenamtlichen. Die hauptamtliche Betreuung ist sichergestellt. Der Landkreis hat diese Aufgabe schon 1998 an die Awo übertragen. Für Wendlingen und seine zu erwartenden 130 Flüchtlinge wird eine Vollzeitkraft eingesetzt. Das ist wichtig – für die nach Wendlingen kommenden Menschen genauso wie für die Menschen in der Stadt, die so stets einen Ansprechpartner vor Ort haben werden.

Im Vorfeld hat die Wendlinger Stadtverwaltung bereits mit der ­evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde Kontakt aufge­nommen und von dort genauso Unter­stützung zugesagt bekommen wie von der Lokalen Agenda und dem Kreis Ehrenamtlicher, die sich in früheren Jahren bereits engagiert für die Spätaussiedler in Bodelshofen eingesetzt haben.

Die Vorbereitung eines solchen Netzwerks ist für die Leiterin des Kreissozialamtes, Brigitte Walz, sehr wichtig. Wie positiv Ehrenamtliche das Miteinander von Flüchtlingen und der einheimischen Bevölkerung beeinflussen können, habe sich an vielen der anderen 14 Standorte von Wohnheimen im Landkreis gezeigt.

Thomas Eberhard und Brigitte Walz sind froh, in Wendlingen einen Partner gefunden zu haben, der offen für diese große zu bewältigende Aufgabe ist. Eberhard lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Dies ermögliche es, trotz aller Überlastung auch der Landkreismitarbeiter für die ankommenden Menschen eine gute Lösung zu finden.

Den Wunsch des Wendlinger Bürgermeisters, für eine „gute Durchmischung“ derer zu sorgen, die in Wendlingen aufgenommen werden, nahm Brigitte Walz auf. Die Möglichkeiten des Landkreises, darauf Einfluss zu nehmen, welche Flüchtlinge aus ­welchen Ländern von der Landesaufnahmestelle in Karlsruhe in den Land­kreis geschickt werden, sei allerdings begrenzt. Versucht werde, die Plätze jeweils hälftig mit Alleinstehenden und mit Familien zu belegen. Das habe sich bewährt.

Am vergangenen Samstag unterrichtete Bürgermeister Weigel übrigens die Bevölkerung im Stadtteil Bodelshofen über die bevorstehende Aufnahme der Flüchtlinge. Darüber hinaus wollen Landkreis und Stadt in einer öffentlichen Veranstaltung am Mittwoch, 15. Januar, 18 Uhr, im Treffpunkt Stadtmitte detailliert zur Thematik informieren.