Frickenhausen. Mitten aus dem Leben gegriffen haben die Landfrauen des Kreisverbands Nürtingen die Themen bei ihrer Bezirksversammlung in der Festhalle „Auf dem Berg“ in Frickenhausen. Zum einen gab es einen Fachvortrag der Bildungsreferentin des Landfrauenverbands Württemberg-Baden, Dr. Beate Arman, zum Thema „Gewissensbisse – Wege einer nachhaltigen Ernährung“. Und zum anderen machten die Landfrauen mit einer szenischen Darstellung unter dem Titel „Wenn Lebensmittel sprechen könnten“ bewusst, wie wertvoll Lebensmittel aus der Region sind und welche Vorteile sie gegenüber industrieller Massenware haben.
Letzteres zeigten sie am Beispiel der vielseitig verwendbaren Kartoffel auf, die viele Vitamine und Mineralstoffe enthält, und einem industriellen Flockenpüree, das etliche Zusatzstoffe enthalten kann. Frische Tomaten aus kontrolliertem Anbau in der Region überzeugten die Landfrauen – im Gegensatz zu den auf Steinwolle gezogenen billigen Massenzüchtungen. Ebenso setzte sich regionaler Käse, der nur aus Milch, Lab und Salz hergestellt wird, gegen den „Analogkäse“, der aus Sojaeiweiß, Palmöl, Stärke, Emulgatoren, Aroma, Farbstoffen und Geschmacksverstärkern besteht, durch.
Um diese und andere Vorteile landwirtschaftlicher Produkte aus der Region mehr ins Verbraucher-Bewusstsein zu bringen, werden Agrarbotschafterinnen gesucht. Eine Ausbildung dazu findet ab Mittwoch, 2. April, statt. Informationen zum Thema gibt auf www.landfrauen-bw.de im Internet.
Die Kreisverbandsvorsitzende Monika Deyhle informierte über Veranstaltungen und Projekte der Landfrauen, wie das Bienenprojekt Aloka in Kenia, das vom Landfrauenverband unterstützt wird und zu dem es auch bei der Tagung ausführliches Informationsmaterial gab. Außerdem nannte sie das Ergebnis zu den Forderungen für eine Mütterrente: Diese sehe zwei Rentenpunkte – also rund 56 Euro – für die Erziehungsleistung vor.
Frickenhausens Bürgermeister Simon Blessing würdigte die Landfrauen als „tragende Säule ländlichen Lebens“. Sie würden sich um qualitativ hochwertige Lebensmittel als „Mittel zum Leben“ und um die Lebensqualität der Menschen kümmern. Außerdem würden sie Gemeinschaftssinn praktizieren und sich für „Wärme und Zusammenhalt im Alltag“ einsetzen, ergänzte der Bürgermeister. Neben der Aufklärung für Erwachsene über den Wert regionaler Produkte sei es eine zukunftsweisende Aufgabe, den Kindern als Verbraucher von morgen das ABC gesunder Ernährung möglichst früh zu erschließen.
Die Referentin des Nachmittags, Beate Arman, informierte über Leitsätze für eine nachhaltige Ernährung, wie zum Beispiel die Einkaufsmacht der Verbraucher. Die Nachfrage bestimme das Angebot. Bei nichtheimischen Lebensmitteln sollten Waren aus fairem Handel bevorzugt werden. Regionale und saisonale Produkte sollten direkt beim Erzeuger gekauft werden. Nahrungsmittel aus bäuerlicher sowie tier- und umweltgerechter Erzeugung sollten bevorzugt werden, betonte die Referentin, und ergänzte: Die Privathaushalte hätten den größten Anteil an den weggeworfenen elf Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich in Deutschland.
