Kirchheim. Fasnets-Lieder wie „Das rote Pferd“ oder „Viva Colonia“ wummern aus den Lautsprecherboxen auf dem Kirchheimer Marktplatz. Verkleidete und geschminkte Kinder wuseln umher, und die Kirchheimer Kloster-Deifel mit ihren furchterregenden Masken sorgen für lautes Schellengeläut. Es ist Dreikönigstag – und für die Deifel damit Zeit für die Fasnetserweckung.
Selbige räkeln sich unter dem strengen Blick der Häswartin Ulrike Hofmeister-Braun erst einmal ordentlich und schütteln den Staub kräftig von Häs und Maske – dann erklärt Zunftmeister Björn Schlipf „die närrische Zeit in Kirchheim und Umgebung“ für eröffnet.
Nun schlägt die Stunde der beiden Neulinge: Steffen und Domenic Jaensch, Vater und Sohn, wollen nach einem Probejahr in den Kreis der Deifel aufgenommen werden. Doch freilich wird dies den beiden Täuflingen nicht gerade leicht gemacht: Sie müssen eine Prozedur über sich ergehen lassen, die es in sich hat. Unter dem Gejohle und Applaus des närrischen Publikums beschmieren die „Alt-Deifel“ Haare, Gesicht, Jacken und Hosenbeine der Neulinge mit Ketchup, Senf und Body Lotion. Anschließend werden sie in eine mit Federn und Asche gefüllte Wanne getaucht, um schließlich auszusehen wie gerupfte Hühner.
Der Chefkoch der Kloster-Deifel wartet sodann mit einem Menü auf, das die beiden Neulinge nicht verschmähen dürfen. Da werden zum Beispiel mit Senf gefüllte Mandarinen, Oliven mit ganzen Knoblauchzehen sowie Heringe mit Schokoüberzug und Oregano gereicht. Außerdem gibt‘s schwäbischen Tequila: Dahinter verbirgt sich „a Rädle Schwarzwurst“ mit Senf und einem kräftigen Schuss des mexikanischen Getränks, wie der Zunftmeister verrät. All das wird dann noch mit einem undefinierbaren Gebräu runtergespült. Ausspucken gilt nicht!
Zwischendurch sorgen die „Burgfäger“ aus Esslingen für Stimmung mit ihrer fetzigen Guggamusik. Die Zuschauer tanzen ausgelassen und lassen allerlei Schabernack mit sich treiben: So durchwuscheln die Kloster-Deifel so manche Haarpracht, stibitzen Schnürsenkel und bemalen das eine oder andere Gesicht mit schwarzer Farbe.
Für Domenic und Steffen Jaensch ist die Sache aber immer noch nicht ausgestanden: Denn wer ein echter Narr werden will, muss den Deifeln noch eine Locke hinterlassen. „Die kommt zu uns ins Genlabor. Man weiß ja nie, wofür man sie braucht“, sagt der Zunftmeister, der die Neulinge nach dem geleisteten Schwur mit dem Zunftstock zu Kloster-Deifeln schlägt. Eine Pulle Sekt wird noch über die beiden Häupter gekippt – dann sind die beiden neuen Deifel geboren. Die Fasnet 2013 kann beginnen . . .
