Kirchheim. „Sollte im Jugendstrafrecht – unabhängig von der Art der Tat – ein Fahrverbot als Strafe festgelegt werden?“ Ja, sagt Finalist Christian. Er glaubt, dass der Führerschein für Jugendliche ein solches Statussymbol ist, dass der drohende Verlust abschreckend wirkt. Nein, sagt sein Konkurrent Rafael. Er ist der Meinung, dass kriminelle Jugendliche sich davon nicht abschrecken lassen. Am Ende würden sie wohl einfach ohne Führerschein durch die Gegend fahren.
In der Finalrunde des Regionalwettbewerbs „Jugend debattiert“ in der Teck-Realschule flogen die Argumente nur so hin und her. Doch nicht nur Inhalte, sondern auch Ausdrucksvermögen, Gestik, die Fähigkeit, auf Argumente anderer einzugehen, und Überzeugungskraft wurden bewertet.
Wäre es allein um Eloquenz gegangen, dann hätte der zwölfjährige Raphael Reiss vom Nürtinger Hölderlin-Gymnasium gewinnen müssen. Wer die Augen schloss, sah schon den jungen Staatsanwalt vor sich, so geschliffen war sein Vortrag. Doch die Jury entschied anders und kürte den 16 Jahre alten Christian Kunze von der Friedrich-Schiller-Schule Neuhausen zum Sieger. Er habe es zwar an Gestik fehlen lassen, jedoch durch gute, strukturierte Argumente, einen sicheren Auftritt und verständliche Sprache überzeugt. Raphael, der auf den zweiten Platz kam, wurde zwar für seine brillante, gestenreiche Eingangsrede und die vielen Fremdwörter gelobt. Er hätte aber auch etwas mehr auf die Argumente der anderen eingehen sollen, kritisierte die Jury.
Neben Raphael Weiss und Christian Kunze stehen Markus Jakob vom Hölderlin-Gymnasium und Florian Spieth vom Theodor-Heuss-Gymnasium Esslingen als Finalisten des Regionalwettbewerbs fest. Sie haben die Chance, sich für das Landesfinale und für den Bundeswettbewerb in Berlin zu qualifizieren. Die anderen vier Finalisten, die in den beiden Runden auf die dritten und vierten Plätze kamen, gehen aber auch nicht leer aus: Die Bundestagsabgeordneten haben sie gemeinsam mit den Siegern nach Berlin eingeladen.
„Demokratie braucht Menschen, die kritische Fragen stellen, die ihre Meinung sagen und sachlich diskutieren können“, sagte Koordinatorin Bärbel Kehl-Maurer. Dazu trage „Jugend debattiert“ bei.
