Steigende Strompreise treffen Hartz-IV-Empfänger und andere sozial Schwache besonders hart
Wer nicht zahlt, sitzt im Dunkeln

Die Energiepreise kennen seit einigen Jahren nur eine Richtung: nach oben. Ingrid Riedl von der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim weiß, dass das für sozial Schwächere oft drastische Konsequenzen hat. Denn wer seine Stromrechnung wiederholt nicht bezahlen kann, sitzt irgendwann im Dunkeln.

Kirchheim. „Es kommt sehr häufig vor, dass Menschen zu uns kommen, wenn der Strom abgestellt werden soll“, sagt Ingrid Riedl, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle. Häufig hätten die Betroffenen ihre Stromrechnungen monatelang nicht bezahlt und Mahnungen ignoriert, teilweise haben sie ihre Abschläge auch pünktlich bezahlt. Nur bricht ihnen dann die Nachzahlung am Jahresende das Genick.“

Hartz-IV-Empfänger müssen Heizstrom, Gas oder Öl nicht vom Regelsatz bezahlen. Den Haushaltsstrom aber schon. Weil der Hartz-IV-Satz seit 2011 nur um fünf Euro erhöht worden ist, treffen die steigenden Stromkosten sozial Schwächere besonders hart. Wer seine Abschläge wiederholt nicht bezahlen kann, sitzt irgendwann im Dunkeln. Allerdings darf der Energieversorger nicht von heute auf morgen den Strom abstellen. Die sogenannte Stromsperre muss mindestens vier Wochen vorher angekündigt werden.

Häufig lassen Versorgungsunternehmen mit sich reden, weiß Ingrid Riedl. „Unsere Mitarbeiter versuchen immer als erstes, bei der EnBW eine Ratenzahlung zu erwirken“, sagt sie. Das Unternehmen lasse sich allerdings nur dann darauf ein, wenn die Kunden vorher pünktlich ihre Abschläge gezahlt hätten. Wer also nur die Stromnachzahlung nicht auf einen Schlag begleichen kann, kann mit Milde rechnen. „Allerdings fehlen die Ratenzahlungen dann bei den Lebenshaltungskosten“, macht Ingrid Riedl auf einen Nachteil dieser Lösung aufmerksam. Man müsse immer ganz genau schauen, was für den Klienten verkraftbar sei.

Wenn der Energieversorger eine Ratenzahlung ablehnt, versucht die Diakonische Bezirksstelle, das Geld aus Förder- oder Eigenmitteln aufzubringen. Allerdings nur einmal. „Wenn es sich wiederholt, ist Schluss“, sagt Ingrid Riedl. Generell sei es besser, wenn sich Betroffene frühzeitig melden. Dann könne man herausfinden, warum die Rechnungen nicht bezahlt werden konnten und nach Lösungen suchen. „Wir sind ja nicht nur Geldgeber, sondern auch Berater.“ Sie weiß aber auch, dass es vielen Betroffenen einfach nicht gelingt, sich um das Problem zu kümmern. „Manche sind psychisch so belastet, dass sie den Kopf in den Sand stecken“, sagt Ingrid Riedl.

Auch der Caritas ist das Problem bekannt. „Es kommen viele Menschen zu uns, die ihre Stromrechnung nicht bezahlen können“, sagt Jürgen Lippik, Projektleiter im Bereich Arbeitshilfen der Caritas Fils-Neckar-Alb. Damit es gar nicht so weit kommt, hat die Caritas einen Stromsparservice ins Leben gerufen. Ziel ist es, sozial Bedürftigen zu zeigen, wie sie weniger Energie verbrauchen und so langfristig ihre Stromrechnungen senken können. „Die Berater sind Langzeitarbeitslose, die in Zusammenarbeit mit der Energieagentur von einem Ingenieur geschult werden“, sagt Jürgen Lippik. Sie durchforsten gemeinsam mit den Klienten die Wohnung auf der Suche nach Energiefressern. „Häufig sind das Stand-by-Geräte oder Handyladegeräte, die stecken gelassen werden, auch wenn gar keine Handys dranhängen“, sagt Jürgen Lippik. Solche Tipps erhalten die Klienten gleich vor Ort. Der Energieberater gibt außerdem alle gemessenen Daten in ein Programm ein und erhält daraus einen Bericht, aus dem hervorgeht, wie viel Energie wo eingespart werden kann. Der Bericht wird von einem Ingenieur abgesegnet. Die entsprechende Ausrüstung – also Energiesparlampen, Sockelleisten oder Wasser sparende Duschköpfe – bezahlt und installiert ebenfalls der Stromsparservice.

Laut Jürgen Lippik lohnt sich der Aufwand. „Durchschnittlich können bis zu 250 Euro pro Haushalt pro Jahr eingespart werden“, sagt er. Den Stromsparservice kann jeder in Anspruch nehmen, der Anspruch auf Arbeitslosengeld hat oder knapp darüber liegt, außerdem Menschen, die Grundsicherung oder eine kleine Rente beziehen. Mehr Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0 70 21/86 52 87. Der Stromsparser­vice ist telefonisch zwischen 9 und 16 Uhr erreichbar.