Wie Menschen aus der Region den Kurznachrichtendienst nutzen – oder gerade nicht
What‘s up, WhatsApp?

Die Verkündung der Übernahme des Kurznachrichtendienstes WhatsApp durch Facebook und der darauf folgende Totalausfall sorgten für Aufruhr in den Medien. Doch warum ist die App auch in der Teckregion so beliebt und wie wirkt sie sich auf das Leben der Menschen aus?

Hanna Reineke

Kirchheim. Nur drei Tage nach der Übernahme des Anwendungsprogramms WhatsApp durch Medienriese Facebook kam es Ende Februar zu einem Totalausfall. Für mehrere Stunden war die Smartphone-App nicht verfügbar – aufgrund von Serverproblemen, behauptet zumindest Whats­App selbst. Die 450 Millionen Nutzer waren ratlos und frustriert, auch rund um die Teck.

Doch warum hat WhatsApp eine so große Welle der Begeisterung ausgelöst? Was macht es besonders? Auf die Frage, was sich in seinem Leben geändert hat, seit er WhatsApp nutzt, antwortet ein 16-jähriger Schüler des Kirchheimer Schlossgymnasiums: Er verbringe nun viel mehr Zeit am Handy als mit dem iPod oder am Computer. Facebook sei eher in den Hintergrund gerückt. Warum? „Da gibt es ständig Werbung und Spieleanfragen.“ Außerdem könne man mit allen seinen Facebook-Freunden ja auch auf WhatsApp schreiben.

Nicht nur Jugendliche nutzen die App – inzwischen ist WhatsApp auch bei vielen Erwachsenen beliebt. „So kann ich schnell und einfach mit meinen Freundinnen und meiner Familie kommunizieren“, sagt Irene Strifler vom Teckboten. Besonders die Gruppenfunktion hat es ihr angetan, inzwischen ist sie mehrmals am Tag „online“. Auf die Frage, ob sie davon profitiere, ihre Kinder über die Online-Funktion „überwachen“ zu können, erwidert sie: Natürlich sei das praktisch, allerdings diene es nicht zur Kontrolle. Für sie ist es eher eine Art „Information“.

Doch genau dies bereitet Experten Sorgen. Wenn zum Beispiel der Sohn online ist, aber nicht auf die Nachricht der Mutter antwortet, sitzt sie möglicherweise den ganzen Abend mit dem Handy da und wartet auf eine Antwort. Seit es die „Zuletzt online“-Funktion gibt, hat sich das Chatverhalten der Menschen stark verändert. Der User wird unter Druck gesetzt, die Nachricht zu beantworten, da der andere genau sehen kann, wann der Chatpartner die App zuletzt geöffnet hat. Dabei erhält man jedoch wieder neue Nachrichten, auf die wieder geantwortet werden muss. So verbringt der Nutzer viel mehr Zeit am Handy. Ausschalten lässt sich diese Funktion nur mit dem iPhone.

Doch immer wieder gibt es auch Jugendliche, die sich dagegen wehren, mit dem Strom der Masse zu schwimmen: Der 19 Jahre alte Jens Nowatzki aus Lindorf hat WhatsApp nicht auf seinem Smartphone installiert. „Ich war kurz davor, es herunterzuladen, zögerte aber“, erzählt er. „Als dann Facebook, wo ich auch nicht angemeldet bin, die App kaufte, war das für mich der letzte Grund, WhatsApp zu boykottieren. Unter anderem wegen dem laxen Umgang mit Datenschutz bei Facebook, eventuell auch ein wenig als Protest gegen diese Flut von unnötiger Kommunikation.“ Seine Freunde respektieren, dass er WhatsApp ablehnt. Stattdessen schreibe er hauptsächlich SMS und E-Mails oder Nachrichten über die WhatsApp-Alternative Telegram.

Jens Nowatzki ist nicht der Einzige, der so denkt. Seit der Bekanntgabe der Übernahme der App durch Facebook fürchten nun doch viele WhatsApp-Nutzer um ihre persönlichen Daten und wechseln deshalb zu sichereren Alternativprogrammen. Davon profitieren vor allem der kostenpflichtige Schweizer Nachrichtendienst „Threema“ und die kostenlose App „Telegram“. Doch der Abschied fällt schwer . . .