Verein „Ny Hary“: Stefan Büschelberger berichtet vom Schülerprojekt in Madagaskar
Wichtige Projekte in Angriff genommen

Stefan Büschelberger nimmt den Jahreswechsel zum Anlass, Bilanz der Arbeit in den vergangenen Monaten im vom Kirchheimer Verein „Ny Hary” geförderten Schülerprojekt in Madagaskar zu ziehen.

Kirchheim/Miarinarivo. Ein ereignisreiches Jahr neige sich seinem Ende zu, in dem einige wichtige Projekte in Angriff genommen werden konnten, die zur Verbesserung des laufenden Betriebs des Bildungs­zent­rums „Antseranantsoa” in Miarinarivo beitrugen. Gleich zu Jahresbeginn habe sich die Gelegenheit ergeben, das Gelände der Viehzucht so zu erweitern, dass die Stallungen vergrößert und den Tieren Weideflächen zur Verfügung gestellt werden konnten.

Nach Engpässen in den Vorjahren sei die Wasserversorgung des Zentrums nun gesichert und unabhängig. Dieser ganz wesentliche Schritt für den problemlosen Betrieb konnte dank großzügiger Förderung durch die Deutsche Botschaft in Antananarivo realisiert werden. Eine Wasserquelle in den Bergen werde nun – ohne Beeinträchtigung anderer Verbraucher – direkt ins Zentrum geleitet und decke jederzeit den Bedarf an Trink- und Sanitärwasser sowie an Wasser für Viehzucht und Landwirtschaft, Letzteres mittels Bewässerungsanlagen für rund 4 000 Quadratmeter Gartenflächen. Zu Beginn der Regenzeit pflanzten die Schüler in einer gemeinsamen Aktion 60 Akaziensetzlinge rund um die Quelle.

Die Küche des Zentrums wurde, so Büschelberger weiter, seit Jahresmitte neu gestaltet. Grundlage seien die Arbeitsergebnisse der Weitblick-Gastdozentinnen Henrike Feuerstein und Lea Mohnen von der Universität Münster, die sich je drei Monate lang intensiv mit Verbesserungsmöglichkeiten in der Arbeitsorganisation und Hygiene der Küche beschäftigten. Die Rübezahl Schokoladen GmbH aus Dettingen spendete im Rahmen einer mehrjährigen Partnerschaft mit dem Verein „Ny Hary“ die Finanzierung des Umbaus. Der Innenausbau sei bereits abgeschlossen. Im Außenbereich werden noch neue, energiesparende Kochstellen und eine weitläufige Terrasse für die Nutzung der Solarkocher angelegt.

Die Sommerferien wurden wieder rege zur Mitarbeiterentwicklung genutzt. „Wir nehmen hierfür die Fortbildungsangebote unterschiedlicher Institutionen wahr. Dabei geht es zum einen um die Höherqualifizierung vorhandener Arbeitskräfte, die im Zentrum ihr Wissen weitergeben sollen, und zum anderen um das individuelle berufliche Vorankommen ehemaliger Schüler“, erklärt Büschelberger. „Beispiel einer gelungenen Verbindung ist unsere Erzieherin Nandrianina, die ihre Schneiderausbildung hervorragend abschloss und nun Nähkurse in Antseranantsoa anbietet. “

Im Schuljahr 2013/14 konnte die Schülerkapazität wieder leicht erhöht werden, auch aufgrund des Küchenausbaus. Über 250 Mädchen und Jungen werden derzeit in Antseranantsoa betreut. Neu bei den 90 Wohnheimschülern sei ihre Aufteilung in drei Gruppen, die sich rotierend um Küche, Haushalt und Landwirtschaft kümmern und nun deutlich mehr Mitverantwortung tragen.

„Erfreuliche Ernteerfolge konnten dadurch bereits seit Beginn der Regenzeit erbracht werden“, freut sich Büschelberger. „Mit der neuen Wasserversorgung hoffen wir nun auf Kontinuität auch während der Trockenzeit.“

Letztlich stehe bei alledem aber eines im Vordergrund: das Wohl der madagassischen Schülerinnen und Schüler in allen Facetten des Lebens. Es gehe in Antseranantsoa nicht nur um einen sicheren Wohnplatz, sondern um das Gefühl von Geborgenheit, nicht nur um Hygiene, sondern auch um Wohlbefinden, nicht nur um Bildung, sondern auch um Zuwendung. Und all das unter Berücksichtigung der vielfach noch kurzen, aber teils schon sehr bewegten Lebensläufe der Schützlinge. Dabei bleibe eine stete Herausforderung, alle gerecht zu behandeln, ohne sie über einen Kamm zu scheren.

Im Deutschen gebe es ein sehr treffendes Wort, das als Wegweiser dienen könne, auch wenn es zunehmend aus dem Sprachgebrauch verschwinde: die Güte. Güte gehe über die rein technische Qualitätsprüfung anhand von Gütekriterien hinaus. Sie sei aber ebenso wenig ungeprüfte Gutherzigkeit, frei nach dem Motto „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“. Güte vereine sowohl menschliche als auch technische Qualitäten. Die Balance sei dabei nicht immer einfach, insbesondere wenn man mit und für Menschen arbeite. „Mal sind Effizienz und Qualität gefordert, mal muss die Perfektion in den Hintergrund treten, um Raum für Menschlichkeit zu schaffen.“kh