Wiesensteig. Renate Rothfuß, Stadträtin in Wiesensteig und vehemente Kritikerin des geplanten Baumwipfelpfads in der Nähe des Reußensteins, übergab in jüngster Ratssitzung der Helfensteiner-Stadt an Bürgermeister Gebhard Tritschler 697 Unterschriften zum Bürgerbegehren. Ob letzten Endes daraus ein Bürgerentscheid wird, hängt nach der juristischen Würdigung der Unterschriften vom Wiesensteiger Gemeinderat ab.
Die hohe Anzahl der Unterschriften, rund 160 hätten für das Bürgerbegehren ausgereicht, zeugt jedenfalls davon, dass sich die Wiesensteiger sehr dafür interessieren, was oben auf dem „Feldkopf/Bronnen“ in Sachen Baumwipfelpfad geschieht. Und nicht nur das. Sie wollen an der Entscheidung „Baumwipfelpfad – ja oder nein?“ ein Wörtchen mitreden. Deshalb heißt es in der Erklärung zur Unterschriftenliste: „Die Unterzeichnenden beantragen, dass den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Wiesensteig folgende Frage zum Bürgerentscheid gestellt wird: Befürworten Sie die Erstellung eines Baumwipfelpfades am Reußenstein (Gewann Bronnen/Feldkopf)?“ In ihrer Begründung verweisen die Kritiker auf die „Versiegelung von Flächen“, die „Schädigung der EU-Vogel-, Wasser- und Landschaftsschutzgebiete“, das „nicht regelbare Parkplatzproblem“ und vor allem die „enormen zusätzlichen Verkehrsbelastungen durch Wiesensteig“.
Letzteres scheint auch dem Umwelt- und Verkehrsausschuss des Göppinger Kreistags einzuleuchten. Er beauftragte ein externes Fachbüro, die Verkehrssituation in Wiesensteig unter die Lupe zu nehmen und ein Konzept zu erarbeiten, um die Blechkolonnen durch das Städtchen auf die Albhochfläche abzuhalten oder entsprechend zu lenken. Dabei sollen in altbekannter Umarmungstaktik die Baumnwipfelpfadgegner ein Wörtchen mitreden dürfen.
Auch an einen Busshuttle ist gedacht und an die Anbindung des Biosphärengebiets durch den Rad- und Wanderbus von Oberlenningen über Schopfloch zum Baumwipfelpfad. „Das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen. Die VVS ist noch nicht im Boot“, sagte ein VVS-Sprecher auf Anfrage.
War ursprünglich die Rede davon, die Forstverwaltung Baden-Württemberg will in einem Waldinformationszentrum Naturinteressierten detaillierte Einblicke in den Forst geben und dies auch finanzieren, so ist davon nicht mehr die Rede. Jetzt denkt die Erlebnis-Akademie aus Bad Kötzting als Investor darüber nach, anstelle eines großen Informationszentrums dezentrale Infostände im Bronnen/Feldkopf aufzustellen. Der Landkreis Göppingen überlegt nun, sich daran finanziell zu beteiligen, da Waldpädagogik und Umweltbildung öffentliche Aufgaben seien.
Entgegen anderen Absprachen übernimmt die Erlebnis-Akademie die Gesamtträgerschaft für das Projekt. Das bedeutet, dass der Kreis nicht mehr den zentralen Parkplatz errichtet und betreibt, sondern der Investor. Er baut die komplette Anlage und betreibt sie.
