BUND-Vortrag und Diskussion über Potenziale erneuerbarer Energien rund um die Teck
Windkraft soll ausgebaut werden

Seit dem GAU in Fukushima und dem Atom-Moratorium der Bundesregierung hat die Diskussion über erneuerbare Ener­gien an Fahrt gewonnen. Ob eine grüne Energieversorgung rund um die Teck möglich ist, darum ging es in einem Vortrag des BUND in der Stadthalle.

Kirchheim. Als Berthold Frieß, Landesgeschäftsführer des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), in der Kirchheimer Stadthalle über den Energiemix in Deutschland spricht, fällt folgender Satz: „Für die sichere Energieversorgung bräuchten wir die erneuerbaren Energien nicht.“ Diese Aussage erstaunt aus dem Mund eines Umweltlobbyisten, auch wenn er selbstverständlich kein Plädoyer für Kohle- und Atomkraft einleitet, sondern vielmehr verdeutlichen soll, dass in Deutschland schon heute zu viel Strom produziert wird. Doch der Satz zeigt auch, dass die Debatte über die Zukunft der erneuerbaren Energien wieder an Sachlichkeit gewinnt. Der Wahlkampf ist schließlich vorbei.

„Der Bereich der erneuerbaren Energien ist eine Wirtschaftsfrage, nicht etwas für durchgeknallte Umweltschützer“, sagt Berthold Frieß. Länder, die sich rechtzeitig unabhängig machen von fossilen Brennstoffen und Atomenergie, haben in seinen Augen einen Wettbewerbsvorteil. Schon heute seien grüne Energien ein großer Wachstumsmarkt, in dem aktuell 340 000 Menschen beschäftigt seien. 2004 waren es 160 000. Allein in Baden-Württemberg seien 250 Unternehmen mit 4 500 Beschäftigten in der Windtechnik tätig. In Baden-Württemberg werde aber nur ein Prozent der Ener

­gie aus Windkraft gewonnen. „Das kann angesichts der Potenziale nicht sein“, findet Frieß und verweist auf den neuen Windatlas für Baden-Württemberg. Für den BUND sei völlig klar, dass man in Naturschutzgebieten keine Windräder baue. „Aber dass im ganzen Bio­sphärengebiet Schwäbische Alb keine Anlagen gebaut werden dürfen, wie es die CDU fordert, kann nicht sein.“

Dass sich Kommunen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgen, ist für Berthold Frieß keine unrealistische Vorstellung. 110 Landkreise, Regionen und Gemeinden in Deutschland hätten sich dieses Ziel bereits gesetzt, die Zahl derer, die sich der Kampagne anschlössen, wachse ständig. Wie eine solche Ener­gieversorgung in der Region rund um die Teck aussehen könnte, das erläuterte Ulrich Mach. Das größte Potenzial sieht der Klima­schutzmanager im Ausbau der Windkraft. Wenn auf den Gemarkungen Lenningen und Bissingen 165 Windräder gebaut würden, könnten 700 Mio. Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt und somit 91 Prozent des Strombedarfs privater Haushalte in den Kommunen Bissingen, Holzmaden, Kirchheim, Lenningen, Notzingen, Ohmden, Schlier­bach und Weilheim gedeckt werden. „165 Windräder werden natürlich nicht genehmigt, aber sie wären theoretisch möglich“, so Mach. Strom aus Fotovoltaikanlagen soll sieben Prozent zum Strombedarf beitragen, Strom aus Bioabfall 6,6 Prozent, ­Energiepflanzen, die auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden, 4,5 Prozent. Wasserkraft spielt in dem Szenario praktisch keine Rolle.

Bei der Wärmeerzeugung setzt Ulrich Mach auf eine Kombination aus Oberflächenthermie (25 Prozent), Solarkollektoren (33 Prozent), Biomasse (28 Prozent) und Bioabfall (acht Prozent). Mist und Energiepflanzen steuern kleinere Teile bei. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf circa zwei Drittel des Energiebedarfs privater Haushalte in den Kommunen rund um die Teck. „Ganz reicht es nicht“, gibt Ulrich Mach zu. Der Rest müsse durch Effizienzsteigerung und ­Energieeinsparung gedeckt werden. Nur wenn diese Faktoren zusammenkämen, könne die Energiewende gelingen.