Vergabe der Verglasungsarbeiten zurückgestellt
„Wir sind auf die Nase gefallen“

Erneut hat die Ausschreibung von Arbeiten für das Kinder- und Bildungshaus in Schlierbach nur teilweise das erwünschte Ergebnis gebracht. Nach den Rohbauarbeiten könnten nun auch die Fenster- und Verglasungsarbeiten teurer werden als kalkuliert.

Schlierbach. Lange Gesichter im Ratsrund: Anstatt wie in der Kostenberechnung kalkuliert rund 313 000 Euro, sollen die Fenster- und Verglasungsarbeiten am Kinder- und Bildungshaus nach dem günstigsten abgegebenen Angebot 442 000 Euro kosten. „Wir sind direkt auf die Nase gefallen“, kommentierte Bürger­meis­ter Paul Schmid das Ergebnis.

Anscheinend haben die Fensterbauer in der Region derzeit eine überaus gute Auftragslage, denn von den 19 Unternehmen, die die Angebotsunterlagen abgeholt hatten, haben nur drei überhaupt ein Angebot abgegeben, wie in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt wurde. Angesichts der Diskrepanz zwischen Kostenkalkulation und den eingegangenen Angeboten sagte Kurt Moll (CDU): „Ich frage mich, ob die Kos­tenberechnung insgesamt richtig war.“

Bürgermeister Schmid konnte zu der Kostenberechnung selbst nicht viel sagen, sah aber einen möglichen Grund für die Kostensteigerung in der guten konjunkturellen Lage im Baugewerbe. „Hier wird nicht nur kalkuliert, sondern spekuliert“, so seine Vermutung. „Tatsache ist: Die Angebotssumme steht in keiner Relation zum Gesamtgebäude.“

Die Verwaltung wird nun gemeinsam mit dem Architekturbüro nach einer billigeren Lösung für Fenster, Innen- und Außenverglasung suchen. Eine Aufhebung der Ausschreibung aber sei, so der Bürgermeister, keine Alternative, denn das sei rechtlich sehr schwierig. Stattdessen schlug Schmid vor, die Vergabe dieser Arbeiten zunächst zurückzustellen. Diesem Vorschlag der Verwaltung schloss sich das Gremium einstimmig an.

Etwas besser sehen die Ausschreibungsergebnisse für die Gewerke Zimmer-/Holzbauarbeiten, Dachabdichtung, Heizung, Sanitär und Lüftung aus. Die jeweils günstigsten Angebote für diese Gewerke lagen entweder knapp unter oder geringfügig über der Kostenkalkulation, so- dass unterm Strich diese Arbeiten um insgesamt rund 15 000 Euro günstiger als veranschlagt vergeben werden konnten.

Für Erstaunen und Befremden unter den Gemeinderäten sorgte allerdings die Tatsache, dass sich bei keinem der ausgeschriebenen Gewerke ortsansässige Unternehmen um den Auftrag beworben haben. „Das enttäuscht mich, das sage ich offen und ehrlich“, kommentierte Kurt Moll (CDU). Auch Jörn Feldsieper (FUW) stellte sich die Frage nach dem Warum, wo doch immer wieder an den Gemeinderat herangetragen werde, bei Vorhaben der Gemeinde nach Möglichkeit das örtliche Handwerk zum Zug kommen zu lassen.