Altlasten verteuern die Renaturierung des Schlierbacher Sees
„Wir sind nicht Bad Schlierbach“

Seit Jahren beschäftigt der Schlierbacher See die Bürger und den Gemeinderat. Regelmäßig verwandelt sich das Gewässer im Sommer in eine stinkende Pfütze. Nun hat ein Architekturbüro erstmals einen Entwurf und eine Kostenberechnung für die Renaturierung vorgestellt.

Schlierbach. „Das sind keine Peanuts“, kommentiert Schlierbachs Bürgermeister Paul Schmid das Ergebnis der Kostenschätzung: Rund eine Million Euro soll nach den ersten Berechnungen die Renaturierung des Schlierbacher Sees kosten. Damit der See im Sommer nicht mehr so schnell „umkippt“, soll er vertieft werden. Statt bisher rund einem Meter soll das Gewässer eine Tiefe von etwa 2,80 Metern bekommen.

Tatsächlich wird die Gemeinde bei der Seesanierung von den Sünden der Vergangenheit wieder eingeholt. Denn in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte man den See teilweise verfüllt, um die Wassertiefe nach einigen Unfällen zu reduzieren. Dabei wurde auch Erdreich verwendet, das bei der damaligen Sanierung der Seestraße angefallen war – inklusive des bitumen- und teerhaltigen Straßenbelags. Heute muss dieser Aushub teuer als Altlast entsorgt und wieder aufbereitet werden.

Alleine dafür werden in der Kostenschätzung knapp 180 000 Euro veranschlagt, wie Thomas Kusche vom Architekturbüro Geitz und Partner in der Vorstellung des Entwurfs darlegte. Die restlichen knapp 820 000 Euro verteilen sich auf Erschließungskosten, weitere Erdbewegungen, das Einrichten der Baustelle, diverse Baukonstruktionen wie etwa wasserbauliche Anlagen und die Schaffung adäquater Außenanlagen für den See, der so zu einem kleinen Naherholungsgebiet werden soll.

Für Kurt Moll (CDU) ist der vorgestellte Entwurf nicht nur zu teuer, sondern auch überdimensioniert: „Wir wollen keinen Kurteich, wir sind ja nicht Bad Schlierbach“, so Moll. Ziel sei eine einfache Renaturierung des Gewässers gewesen. „Bei einer Million musste ich mich erstmal setzen.“ Dieser Betrag sei einfach nicht darstellbar. „Das muss günstiger werden.“

Auch Jörn Feldsieper (FUW) stellte hinter einige Vorschläge zur Ausgestaltung des Seeumfelds ein Fragezeichen. Ob es beispielsweise tatsächlich eine begehbare Plattform auf den See hinaus sein müsse, sei zu diskutieren. Allerdings sollte grundsätzlich am Ziel einer moderaten Aufwertung des Sees festgehalten werden, denn: „Der See ist schon ein Alleinstellungsmerkmal.“

Auch Marco Emmert (CDU) sieht die hohen Kosten als Knackpunkt. „Es muss nun unsere Hausaufgabe sein, uns mit der Kostenseite intensiv zu beschäftigen.“ Daran, dass die Altlastenentsorgung teuer werde, sei aber nicht zu rütteln: „Wir haben das Zeug nun mal verbuddelt, jetzt holt es uns wieder ein.“ Dennoch plädierte er für eine Fortführung des Projektes und wandte sich entschieden gegen eine Verschiebung. „Mir wäre schon daran gelegen, im kommenden Jahr mit dem Projekt zu starten.“

Die Hoffnung, den vorliegenden Entwurf auf eine für die Gemeindefinanzen erträgliche Kostensumme zusammenzustreichen hat Bürgermeister Paul Schmid allerdings nicht. „Es gibt hier einfach nicht so viele Punkte im Entwurf, über die noch diskutiert werden kann. Die Einsparmöglichkeiten halten sich schon in Grenzen“, so das Fazit des Rathauschefs. Er kündigte auch an, als Mitglied des Gemeinderates gegen eine Fortführung des Projekts zu stimmen. Für ihn gäbe es derzeit wichtigere Baustellen in Schlierbach wie etwa die Sanierung der Dorfwiesenhalle, für die das Geld sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Die Ratsmehrheit sieht dies allerdings anders als der Schultes. Gegen dessen Stimme beschloss der Rat, bis Sommer 2013 Einsparmöglichkeiten auszuloten, wenn möglich Fördermittel zu akquirieren und dann über die konkrete Projektdurchführung zu entscheiden.