An der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule protestierten Schüler mit einem Streik gegen eine Lehrkraft
„Wir wollen die Schüler nicht im Regen stehen lassen“

Schüler der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule haben vor einigen Tagen einen ungewöhnlichen Schritt gewagt: Sie streikten und wollten damit gegen eine Lehrkraft protestieren. Der Streik war rasch beendet. Aber der Fall ist damit nicht erledigt. Er beschäftigt das Stuttgarter Regierungspräsidium schon seit geraumer Zeit.

Kirchheim. Die Vorwürfe, die die Schüler gegen die Lehrkraft erheben, sind der Teckboten-Redaktion teilweise bekannt. Es lässt sich aber – aus den unterschiedlichsten Gründen – niemand finden, der diese Vorwürfe öffentlich der Presse gegen-über nennen würde. Frank Penndorf, der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats an der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule, spricht immerhin von „massiven Problemen“ und von einem „gänzlich zerstörten Vertrauensverhältnis“ zwischen der Lehrkraft und den Klassen.

Der Elternbeiratsvorsitzende selbst sieht sich in diesem Fall als neutrale Instanz, weil er kein Kind in einer der beiden Klassen hat, von denen die Beschwerden ausgehen. Kraft Amtes ist Frank Penndorf aber für die Belange der Eltern zuständig, und deshalb hat er sich in diesem Fall nicht nur an die Schulleitung gewandt, sondern auch an das zuständige Regierungspräsidium. Den Schulstreik, den eine Klasse angeregt und teilweise auch versucht hatte, bewertet er als „Hilferuf“.

Allerdings wurde Frank Penndorf nicht von Anfang an eingeschaltet. Einige der Eltern aus den betroffenen Klassen hatten sich schon vor längerem persönlich bei der Schulleitung und beim Regierungspräsidium beschwert. „Mir wurde das alles zugetragen von verzweifelten Eltern, deren Kinder da im Unterricht sind“, sagt der Elternbeiratsvorsitzende, der sich tatsächlich um eine neutrale Position bemüht, auch wenn er das „Sprachrohr der Eltern“ ist.

So spricht er auch beim Streik nur von einem „Großteil“ der Klasse, der sich beteiligt habe. Manche Schüler hätten auch nichts gegen die Lehrkraft vorzubringen und könnten sich mit deren Unterricht arrangieren. Aber immerhin sei es eben doch der Großteil der Eltern und Schüler, der nicht mehr bereit ist, die Situation einfach so hinzunehmen. Vielen von ihnen geht es gar nicht mehr um die eigene Situation. Sie wollen für nachfolgende Schülergenerationen kämpfen, und sie wollen mit ihrem Protest vor allem auch gehört werden.

Frank Penndorf will dem Regierungspräsidium keinen Vorwurf machen, dass nichts getan würde. Im Gegenteil, die Behörde habe schon sehr viel in diesem Fall unternommen und auch schon mehrfach neutrale Beratungsfachleute an die Schule geschickt. Aber an der Lage im Alltagsunterricht habe sich dadurch nichts geändert. Und deshalb würden die Eltern jetzt einen Schritt weitergehen, indem sie die Presse informieren: „Wir wollen die Schüler nicht im Regen stehen lassen.“

Schulleiterin Marianne Erdrich-Sommer hält sich mit offiziellen Äußerungen sehr bedeckt. Als die streikenden Schüler zu ihr kamen, habe sie ihnen zwangsläufig einen Schulleiterverweis erteilen und ihnen erklären müssen, dass sie nicht streiken dürfen. Für weitere Auskünfte zur Sache verweist die Rektorin ans Regierungspräsidium: „Bei Personalangelegenheiten handelt es sich um nicht-öffentliche Angelegenheiten.“ Es gebe in diesem Fall also einen Personenschutz – „egal, wie man die Sache bewertet“.

Beim Regierungspräsidium schil­dert Pressesprecher Dr. Clemens Homoth-Kuhs zuerst einmal im Allgemeinen, welche Handlungsoptionen die Behörde überhaupt hat. So habe es Fälle gegeben, in denen Lehrer andere Stellen angeboten bekamen, wo sie nicht mehr unterrichten mussten – etwa beim Regierungspräsidium in der Verwaltung. Das könne auch auf Antrag der jeweiligen Lehrkraft geschehen. Sinnvoll sei so etwas vor allem dann, wenn der Schulfrieden in Gefahr sei. Wenn eine solche Versetzung ohne Antrag der betroffenen Person, also als eine Art Zwangsversetzung zustandekommt, dann ist das entgegen landläufiger Meinung übrigens aus arbeitsrechtlichen Gründen bei Beamten wesentlich einfacher als bei Lehrern im Angestelltenverhältnis.

Im konkreten Fall sei das Regierungspräsidium nicht nur seit Langem informiert, sondern auch schon längst involviert. Die Behörde sei mit den Beschwerden der Eltern nach der üblichen Weise vorgegangen und habe zunächst mit der Schulleitung Verbindung aufgenommen und später auch Experten zur Beratung an die Schule geschickt. Zur erhofften Verbesserung der Situation sei es aber wohl trotz aller Bemühungen nicht gekommen.

Eins steht für den Pressereferenten fest: „Wir nehmen das sehr ernst.“ Schließlich hätten sich Eltern und Schüler teilweise ernsthaft überlegt, die Schule zu wechseln. Solche Beschwerden seien aber auch zu bewerten und einzuordnen. Häufig handle es sich um Überreaktionen von Schülern und Eltern.

Probleme dieser Art gebe es öfters. Was aber die Schöllkopf-Schule betrifft, so spricht Homoth-Kuhs von einem „sehr, sehr großen Einzelfall“ und von einem „herausragend schwierigen Fall“. Hier gehe es weniger um den Schulfrieden, sondern – wie er sich ausdrückt – mehr um den „Bildungsanspruch von Schülern“. Nach wie vor versuche das Regierungspräsidium, beruhigend zu wirken und eine Verbesserung herbeizuführen. Sollte es zum Äußersten kommen – nämlich zur Versetzung in den Verwaltungsdienst, wie ihn die streikenden Schüler und ihre Eltern fordern –, dann müsse die Behörde dabei alle vorgegebenen Schritte einhalten, auch um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Wie es genau weitergehen soll, dazu kann der Pressereferent des Regierungspräsidiums noch nichts sagen. Seine Behörde dürfe nicht einseitig vorgehen. Sie müsse immer auch „der Person gerecht werden“. Es gebe eine Fürsorgepflicht für die Lehrer. Auch Personalvertretungen seien einzuschalten. Über allem aber müsse als oberste Maxime stehen: „Schule ist nicht für Lehrer da, sondern für Schüler.“