Kirchheimer Gemeinderat löst Stabsstelle auf – Wirtschaftsbeirat soll an Bedeutung gewinnen
Wirtschaftsförderung ist Chefsache

Einstimmig hat der Kirchheimer Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung die Auflösung der Stabsstelle Wirtschaftsförderung beschlossen. Das soll keineswegs das Aus für Wirtschaftsförderung an sich bedeuten, der Aufgabenbereich wird vielmehr offiziell zur ­Chefsache.

Kirchheim. „Wir setzen auf andere Formen der Wirtschaftsförderung“, plädiert Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker für eine engere Verzahnung mit dem Wirtschaftsbeirat. Klar ist, dass Wirtschaftsförderung in Kirchheim ab sofort offiziell Chef(innen)sache ist.

Das ist nicht unbedingt neu. Ansiedlungswillige Firmen suchen in eher kleineren Städten fast immer den Kontakt zum Stadtoberhaupt. „Die ersten Anfragen kommen meist ans Liegenschaftsamt, wenn‘s konkret wird, muss sich die Chefin persönlich da­rum kümmern“, berichtet Angelika Matt-Heidecker. Das Streichen der Stelle bedeute daher nicht, dass Wirtschaftsförderung an sich ad acta gelegt werde. „Ich habe das Ohr an den Unternehmen“, betont Matt-Heide­cker und verweist auf zwei Kirchheimer Besonderheiten: Zum einen nehmen hier Einwohner, die sachkundig in Wirtschaftsfragen sind, an Beratungen teil. Zum anderen gibt es seit 2003 den Wirtschaftsbeirat. Vertreter von BDS, City Ring, „Frauen unternehmen“, Gewerkschaften, Banken, Unternehmen und Gemeinderatsfraktionen sind darin vertreten. „Ich wünsche mir, dass Wirtschaft, Verwaltung und Gemeinderat auch in Zukunft an einem Strang ziehen“, schildert die Stadtchefin ihre Vorstellung von künftiger Wirtschaftsförderung. Ansprechpartner Nummer eins ist sie selbst, unterstützt von Hauptamtsleiter Stefan Wörner.

„Wenn eine Verwaltung gut organisiert ist, ist ein Wirtschaftsförderer nicht unbedingt nötig“, unterstützt Dr. Bernd Dallmann diesen Kurs. Er ist Vorsitzender des Verbandes der Wirtschaftsförderer in Deutschland und bildet seit über 20 Jahren Wirtschaftsförderer aus. Zwar werde den Kommunen zu einem Wirtschaftsförderer geraten, wichtiger sei aber, Wirtschaftsförderung zu betreiben.

„Wirtschaftsförderung ist eine Denkhaltung, die sich durch die ganze Verwaltung ziehen muss“, meint auch Dr. Thilo Rose, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kirchheimer Gemeinderat. Es gehe nun darum, Ziele der Wirtschaftsförderung zu formulieren und eine Strategie zu entwickeln, wohin der Wirtschaftsstandort Kirchheim steuern solle.

Auf eine Stärkung des Wirtschaftsbeirates setzen beispielsweise auch BDS und City Ring: „Wir wollen eine intakte und dynamische Wirtschaftsförderung für Kirchheim“, fasst BDS-Vorsitzender Thomas Osswald zusammen. In der bisherigen Struktur sei die Wirtschaft nicht zu hundert Prozent erreicht worden. Osswald sieht jetzt die Chance, das Thema neu anzugehen.

„Kirchheim ist ein toller, dynamischer Standort“, meint Piroska Csösz. Sie war von 2006 bis 2008 Kirchheims erste Wirtschaftsförderin und ist nun in gleicher Funktion in Hamburg-Mitte tätig, einem Bezirk mit 300 000 Einwohnern. Sie bestätigt, dass Wirtschaftsförderung an sich durchaus gedanklich tief verankert sei in der Kirchheimer Verwaltung. Professionelle Vermarktung sei allerdings wichtig, weswegen die Lotsenfunktion, die sonst die Wirtschaftsförderung wahrnimmt, gut organisiert werden müsse.

Die Geschichte der Stabsstelle Wirtschaftsförderung in Kirchheim umfasst nicht einmal ein Jahrzehnt. 2005 hatte sich der Gemeinderat einstimmig für die Einrichtung der Stelle an der Seite der Oberbürgermeisterin ausgesprochen, die damals noch neu im Amt war. Ein Plus an Arbeitsplätzen, die Pflege örtlichen Gewerbes und die Förderung des Tourismus waren ausschlaggebende Argumente. Nach zwei Ausschreibungen wurde die auf zwei Jahre befristete Stelle mit Piroska Csösz besetzt. Schließlich fielen die Würfel für die Weiterführung der Stabsstelle anstelle der ebenfalls diskutierten Überführung in eine GmbH. Nach mehrmonatiger Vakanz und wiederholter Ausschreibung wurde die Stelle mit Maike Riesenberg besetzt, bis dato im österreichischen Fürstenfeld tätig. Sie befindet sich derzeit im Urlaub und war deshalb gestern nicht zu erreichen. Die Stabsstelle Wirtschaftsförderung läuft nun zum 31. März aus. Die Bereiche Tourismus und Stadtmarketing wurden bereits im Juli organisatorisch der Öffentlichkeitsarbeit zugeschlagen.