Dettingen. In der Dettinger Gemeinderatssitzung am Montagabend gab es erstmals vier statt drei Haushaltsreden. Dieses Novum war zustande gekommen, weil sich die früheren Mitglieder der SPD-Fraktion Ulrike Schweizer, Stefanie Stern und Dietmar Vogt von SPDler Hermann Pölkow losgesagt hatten und nun sozusagen fraktionslos sind (wir berichteten). Entsprechend lange dauerte denn auch die Haushaltsdebatte: Knapp drei Stunden diskutierten die Räte über Projekte wie Skater- und Bikeranlage, Bürgerbroschüre, Buswartehäuschen und vieles mehr.
Großen Raum in der Diskussion nahm das Thema „Containerlösung“ für die Kinder der Kita Regenbogen ein, die während der Zeit der Sanierung des Gebäudes in einem „Provisorium“ untergebracht werden müssen. Im Haushaltsplan für das Jahr 2013 sind dafür 242 000 Euro vorgesehen. „Wir halten diese Lösung für unbefriedigend und bitten um Prüfung von Alternativen, wie zum Beispiel die Nutzung der Schlössleschule oder der alten Schule“, sagte Dr. Werner Hack von der FWG (Freie Wählergemeinschaft) in seiner Haushaltsrede. Das sah Roland Sigel von der CDU/Freie Wählervereinigung (CDU/FWV) ähnlich: „Die Schlössleschule könnte eine Übergangslösung darstellen.“ Gewisse Umbauten im sanitären Bereich wären allerdings notwendig. „Wir haben das gründlich geprüft. Aber es geht aus unterschiedlichen Gründen nicht“, sagte Bürgermeister Rainer Haußmann. Für die Umbauten müsste man enorm investieren, was sich für die Übergangslösung nicht lohnen würde. Ulrike Schweizer brachte die Idee ein, Vereinsräume oder vielleicht sogar die Schlossberghalle als Übergangslösung zu nutzen. Doch beidem erteilte Haußmann eine Absage: „Wir haben keinen Vereinsraum gefunden, der ausreichend groß ist.“ Und die Nutzung der Schlossberghalle sei nicht praktikabel.
Der Bürgermeister bat ganz allgemein darum, nicht den „negativ besetzten Begriff ,Container‘“ zu verwenden, sondern von einem Fertigbau zu sprechen, der ausreichend groß, klimatisiert und wohnlich sei.
Auch die von der Verwaltung geplante Bürgerbroschüre „Leben in Dettingen“ stieß dem einen oder anderen Gemeinderat sauer auf. „Wir halten eine Broschüre angesichts der Kosten von 20 000 Euro für nicht erforderlich“, sagte Werner Hack. Die Informationen könne man ebenso gut übers Internet und einen Flyer mit den wichtigsten Angeboten und Ansprechpartnern verbreiten. Das bestätigte Hermann Pölkow: Der Internetauftritt der Gemeinde müsse reichen.
Bürgermeister Haußmann sah das ganz anders: „Was ist mit den älteren Menschen, die nicht internet-affin sind?“ Er strebt eine „hochwertige“ Broschüre an und keinen Flyer, der „sofort in den Papierkorb wandert“. Die Broschüre solle weniger Text und dafür mehr Bilder enthalten und ein „Nachschlagewerk zum Aufbewahren“ darstellen. Auf Hacks Einwand, Dettingen wolle nur deshalb eine Broschüre, weil Kirchheim bereits über eine solche verfügt, reagierte der Bürgermeister entrüstet: „Überlegen Sie mal, wer zuerst die Idee hatte?“
Schnell vom Tisch war indes die im Haushaltsplan vorgesehene Skater- und Bikeranlage, für die 40 000 Euro eingeplant waren und für die Jugendliche 50 Unterschriften gesammelt hatten. Sowohl die CDU/FWV als auch die FWG sahen hier keine Notwendigkeit.
Für Diskussionen sorgte schließlich der im Haushaltsplan vorgesehene Bau eines Buswartehäuschens an der Kirchheimer Straße im Bereich der Kreissparkasse für 35 000 Euro. „Den Ansatz für das Buswartehaus tragen wir mit“, sagte Roland Sigel. „Wer die Stärkung des ÖPNV will, muss auch etwas dafür tun.“ Auch Hermann Pölkow begrüßte das Wartehäuschen. „Aber wäre nicht auch ein Häuschen an der Ostseite notwendig?“, fügte er hinzu. Werner Hack sprach sich hingegen dafür aus, die Haltestelle an ihren früheren Standort – also etwa 30 Meter weiter nördlich in eine Busbucht – zu verlegen und dort ein „einfaches Buswartehaus“ zu errichten. Ulrike Schweizer hingegen hielt ein Buswartehäuschen für komplett überflüssig – schließlich gebe es „bei Weitem notwendigere Ausgaben“. Sie sprach hier zum Beispiel einen sichereren Weg vor allem für Kinder der Wohngebiete oberhalb der Teckstraße zu Schule und Ortsmitte an.
Weitere Themen waren die Erneuerung der Holzbrücke über dem Eulengreuthgraben für 50 000 Euro. Während sich Roland Sigel dafür aussprach, plädierte Pölkow für eine kostengünstigere Lösung. Auch Werner Hack erschien der Aufwand für die Brücke „unverhältnismäßig hoch“.
Pölkow und Ulrike Schweizer betonten außerdem, dass die schon länger geplante Modernisierung des Rathauses und der Einbau eines Aufzugs nun endlich in Angriff genommen werden sollten.
