Nur wenige Rathäuser verfügen über einen Aufzug – Auch in Kirchheim will man tätig werden
Wunschtraum Barrierefreiheit

Viele Rathäuser in der Teck­region sind nicht barrierefrei – vor allem für ältere Menschen und Rollstuhlfahrer ist das ein großes Problem. In so manchen Rathäusern hegt man deshalb Umgestaltungspläne.

Kreis Esslingen. Bissingen, Neidlingen und Weilheim können sich glücklich schätzen: Diese Gemeinden verfügen bereits über barrierefreie Rathäuser. Auch in Dettingen (siehe Artikel unten) und Schlierbach beschäftigt man sich derzeit mit dem Thema Barrierefreiheit: In Schlierbach wird momentan an der Südseite des Rathauses ein Außenaufzug angebracht, informiert Bürgermeister Paul Schmid. „Dann kann man die gesamte Verwaltung barrierefrei erreichen.“ Außerdem gebe es nach dem Umbau, der demnächst abgeschlossen sein soll, im Obergeschoss eine behindertengerechte Toilette. Einschließlich unterschiedlicher Modernisierungsmaßnahmen belaufen sich die Kosten auf voraussichtlich 450 000 Euro.

Für ältere Menschen mit Gehstock oder Rollator, Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen sei es in der Vergangenheit problematisch gewesen, ins Rathaus zu gelangen, sagt Schmid. Deshalb haben Verwaltung und Gemeinderat reagiert und beschlossen, Geld zu investieren.

Auch bei der Stadt Kirchheim weiß man um die Problematik: „Wir arbeiten an einer Lösung und wollen dem Gemeinderat noch in diesem Jahr unsere Überlegungen vorstellen“, sagt Hochbauamtschef Wolfgang Zimmer. Zwar seien der Bürgerservice und die Info-Stelle im Erdgeschoss des Rathauses über den Seiten- beziehungsweise Haupteingang barrierefrei zu erreichen – dennoch sei die Situation nicht ideal, räumt Zimmer ein. Deshalb habe man ebenfalls einen Aufzug im Auge, über den das gesamte Rathaus erschlossen werden soll. „Allerdings ist das gar nicht so einfach“, gibt Zimmer zu bedenken. Denn der Fachwerkbau sei denkmalgeschützt.

Ein Aufzug könnte jedoch im Bereich des Seiteneingangs an der Marktstraße entstehen, ergänzt Zimmer. Dass ein solches Vorhaben nicht ganz kostengünstig ausfallen würde, ist der Verwaltung bewusst. Genaue Zahlen kann Zimmer jedoch noch nicht nennen.

Zu den Betroffenen, die sich über einen Aufzug im Kirchheimer Rathaus sehr freuen würden, zählt Ralf Fischer, Leiter der Amsel-Kontaktgruppe Wernau. Diese unterstützt Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Fischer leidet selbst unter der Krankheit; mittlerweile hat er Gehprobleme, weshalb er verstärkt auf den Rollstuhl zurückgreift. „Es ist ärgerlich, wenn man als Rollstuhlfahrer zum Beispiel nicht an der Gemeinderatssitzung teilnehmen kann“, sagt er. „Menschen, die fest im Rollstuhl sitzen und schon einmal eine Treppe hochgezogen wurden, wissen: Es gibt Angenehmeres.“ Freilich könne nicht die ganze Welt auf Rollstuhlfahrer ausgerichtet werden, ergänzt er. „Aber machbar ist vieles.“ Begeistert ist er davon, dass sich die Kirchheimer Stadtverwaltung generell bei Betroffenen wie ihm erkundigt, was in punkto Barrierefreiheit in der Stadt verbessert werden kann. Ein Thema sei hier sicherlich das Rathaus.

Dort ist es bislang so geregelt, dass der betreffende Sachbearbeiter oder auch die Oberbürgermeisterin ins Erdgeschoss zu den Betroffenen kommen, wenn dies erforderlich ist, erklärt Zimmer. So oder so ähnlich sieht die Situation in vielen weiteren Kommunen in der Teckregion aus – zum Beispiel in Owen.

In Holzmaden kommt man zwar ebenerdig ins Bürgerbüro und auch zum Bürgermeister. Allerdings finden zum Beispiel Trauungen im Obergeschoss statt. „Wir haben aber auch andere Möglichkeiten und sind für Trauungen schon in die Gemeindehalle ausgewichen, die barrierefrei ist“, sagt Ute Klose vom Bürgerbüro.

Solche Situationen kennt man in Weilheim nicht mehr: Seit das Rathaus neu gebaut und mit dem umgestalteten Altbau verbunden wurde, sind Probleme wegen fehlender Barrierefreiheit vom Tisch. „Alles im Haus ist barrierefrei erreichbar. Auch in der Tiefgarage befindet sich ein Aufzug“, berichtet Kurt Linsenmayer vom Stadtbauamt. Außerdem gebe es ein Behinderten-WC im Erdgeschoss und Behinderten-Parkplätze in der Tiefgarage. „Früher war es ein riesiges Problem. Schon am Eingang gab es Treppen“, erinnert sich Linsenmayer. „Rollstuhlfahrer hatten keine Chance, und älteren Leuten musste man helfen.“

Auch in Neidlingen ist man zufrieden mit der Komplett-Renovierung des Rathauses in den Jahren 2002 bis 2004: „Wir haben einen barrierefreien Zugang, einen Aufzug und eine Behinderten-Toilette“, sagt der frischgebackene Rathauschef Klaus Däschler. „Für so ein kleines Rathaus ist das optimal.“