proDente. Karies geht deutlich zurück. Das zeigt die neue 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6). Sie dokumentiert große Fortschritte in der Kariesprävention. Ende der 1980er begann die Gruppen- und Individualprophylaxe. Seither sank die Karieslast im bleibenden Gebiss um etwa 90 Prozent. Viele Kinder wachsen heute ohne Karies auf. Auch die Behandlung hat sich grundlegend verändert. Nicht bei jeder Karies muss heute automatisch gebohrt werden.
„Wir erleben einen Paradigmenwechsel“, sagt Dr. Reinhard Schilke, Oberarzt der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventivzahnmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover: „Früher haben wir Karies vor allem repariert. Heute können wir sie früh erkennen, stoppen und teilweise sogar heilen – bevor ein Loch entsteht.“
Karies entsteht nicht über Nacht
Karies ist weiter die häufigste chronische Erkrankung weltweit. Sie entsteht, wenn Bakterien im Zahnbelag Zucker und andere Kohlenhydrate zu Säuren abbauen. Diese Säuren greifen den Zahnschmelz an und lösen Mineralien aus dem Zahn. Normalerweise gleicht der Speichel diesen Verlust wieder aus. Er bringt Kalzium und Phosphat zurück an die Zahnoberfläche. Problematisch wird es, wenn Säureangriffe häufiger sind als die natürlichen Reparaturprozesse. „Karies ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein langer Prozess“, erklärt Dr. Schilke. „Genau deshalb haben wir heute die Chance, früh einzugreifen und die Erkrankung aufzuhalten.“
Nicht jedes Loch braucht den Bohrer
Die moderne Zahnmedizin setzt viel früher an. Erkennt man Karies im Anfangsstadium, lässt sich der Zahn meist ohne Bohren behandeln. Bei sogenannten Initialläsionen helfen hoch konzentrierte Fluoridpräparate in Form von Zahnpasten, Gelen, Lacken oder Versiegelungen. Die Präparate lagern verlorene Mineralien wieder ein. Fachleute nennen das Remineralisation. Eine weitere Möglichkeit ist die Kariesinfiltration. Dabei werden poröse Bereiche des Zahns mit einem speziellen Kunststoff versiegelt. Karies kann sich so nicht weiter ausbreiten. Besonders bewährt hat sich dieses Verfahren in den Zahnzwischenräumen und auf den Frontzähnen, z.B. nach der Entfernung von festen Zahnspangen. Erst wenn die Karies schon tief in den Zahnschmelz oder sogar ins Zahnbein eingedrungen ist, muss die erkrankte Zahnsubstanz entfernt werden. Dann bleibt Bohren die Standardtherapie.
Warum Prävention wirkt
Die Ergebnisse der DMS • 6 zeigen eindrucksvoll, wie erfolgreich Prävention sein kann. Heute sind die meisten Zwölfjährigen kariesfrei. Auch bei jüngeren Kindern hat sich die Mundgesundheit deutlich verbessert. Allerdings verteilt sich Karies nicht gleichmäßig. Während die Mehrheit der Kinder keine Probleme hat, konzentriert sich die Erkrankung auf eine vergleichsweise kleine Hochrisikogruppe.
Vorbeugung bleibt entscheidend
Entscheidend ist nicht nur die Zuckermenge. Mindestens ebenso wichtig ist, wie oft Zucker an die Zähne kommt. Jeder süße Snack löst eine Säureattacke aus. Wer ständig nascht oder zuckerhaltige Getränke trinkt, gibt den Zähnen kaum Zeit, sich zu erholen. „Für die Zähne ist die Frequenz wichtiger als die Menge“, erklärt Dr. Schilke: „Dauerndes Snacken setzt die Zähne einem permanenten Angriff aus – lange über das Essen oder Trinken hinaus. Klebt Nahrung an den Zahnflächen, ist es noch schädlicher.“
So beugen Sie Karies vor
Fluorid spielt eine Schlüsselrolle. Es macht den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säuren und unterstützt die natürliche Reparatur des Zahns. Fachleute empfehlen fluoridhaltige Zahnpasta und fluoridiertes Speisesalz. Ebenso wichtig ist, den Biofilm gründlich zu entfernen. Zweimal täglich Zähneputzen bleibt die Basis. Da die Zahnbürste nur etwa 70 Prozent der Zahnflächen erreicht, sollten die Zwischenräume täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten gereinigt werden. Auch Speichel schützt die Zähne. Wer ausreichend Wasser trinkt und nach dem Essen zuckerfreien Kaugummi kaut, kann die Speichelproduktion fördern und Säuren schneller neutralisieren. „Kariesprävention ist kein Geheimnis. Wer Fluorid nutzt, seine Zahnzwischenräume reinigt, den Zähnen Pausen zwischen den Mahlzeiten gönnt und regelmäßig zur Kontrolle geht, hat die besten Chancen auf ein lebenslang gesundes Gebiss“, so Dr. Schilke.
Früherkennung wird immer wichtiger
Viele Kariesstellen verursachen lange keine Beschwerden. Gerade deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen so wichtig. Zahnärztinnen und Zahnärzte erkennen Veränderungen oft lange, bevor Schmerzen auftreten oder ein sichtbares Loch entsteht. Die DMS • 6 zeigt, dass dieser präventive Ansatz funktioniert. Deutschland zählt heute weltweit zu den erfolgreichsten Ländern bei der Vorbeugung von Karies.

