Bernd Lhotzky begeisterte im Rahmen der „Tasta-Tour“
Zauberstücke am Klavier

Kirchheim. Für die einen ist es antiquierter Jazz, für die anderen die schönste Musik auf der Welt. Nun denn – Bernd Lhotzky spielt altmodisch, aber auf was für einem 


Niveau! So sensibel und perfekt kann nur einer spielen, der die Jazz-Geschichte bestens kennt. Als in vielen Ländern renommierter Künstler für ältere Jazzpiano-Stile gastierte Bernd Lhotzky im Rahmen der Reihe „Tasta-Tour“ in der Bastion.

Zuweilen sah sich der geneigte Hörer während des Konzertes in Stummfilmzeiten zurückversetzt, als der Mann am Piano die flimmernden Bilder begleitete. So griff Lhotzky meisterhaft den Harlem-Stride-Stil eines James P. Johnson, Willie „The Lion“ Smith oder eines Fats Waller‘s auf, die in den 1930er-Jahren das Jazzpiano prägten, dass einem gar schwindlig werden konnte. Wie die alten Haudegen, von denen Lhotzky so manche Anekdote aus deren bewegten Leben zu erzählen wusste, bearbeitete er mit der linken Hand das rhythmische und harmonische Gerüst, während die rechte die Melodie und zauberhafte Improvisationen setzte. Dieser brillant gespielte Stil eignet sich bestens für Soloauftritte. Die linke Hand fungiert praktisch als Begleitband. Die Standards der alten Kämpen ermöglichen so einen großartigen Hörgenuss.

Einer der Höhepunkte war der Titel „Fingerbuster“ von Willie „The Lion“ Smith (1939): ein wahrhaft feuriger Höllenritt über die Klaviatur. Mit dieser Nummer hatte sich der unternehmungslustige Willie zuweilen als „Wildsau“ entpuppt, um seine Kollegen einzuschüchtern – waren doch die Engagements in den Clubs und Bars von New York heiß umkämpft. Dabei erwies sich Lhotzky einmal mehr als sprühender Jazzpianist. Stilistisch war er keineswegs fixiert; zwischendurch interpretierte er exzellent und zur Freude der Jazzpiano-Fans ebenso einen „schmutzigen Blues“ oder mit leichten Fingern den Charleston Rag von Eubie Blake.

In seinem immensen Repertoire hat Lhotzky nicht nur Stücke von Stride-Pianisten, sondern auch einige von großen Songwritern wie Gershwin und Ellington. Diese präsentierte er auf seine ureigene, elegante Art mit immer wieder überraschenden Wendungen. Fein gewobene Jazz-Arrangements, die in kammermusikalische klassische Töne fließen, mit einer Stride-Bearbeitung von Frederic Chopins Schmetterlingsetüde op. 25,9, behutsam erweitert und umgebaut. Virtuos swingende Zauberstücke, zuweilen melancholisch, aber stets mit intelligenter Raffinesse gewürzt. Wobei sich die Walking Lines, der durchgängig eher weich gespielte Beat als Salz in der Suppe und somit als reichhaltiger Ideengeber für Lhotzkys persönlichen Stil erwiesen.

Mit dem Standard Lullaby of Birdland, der 1952 von dem Pianisten George Shearing komponiert wurde, einer Hommage an den nach Charlie „Bird“ Parker benannten Jazzclub Birdland, endete ein Konzertvergnügen der besonderen Art. Es war ganz bestimmt kein anachronistischer und schon gar kein trivialer Abend. Bernd Lhotzky präsentierte traditionellen Jazz mit lustvoller Energie. Hoffentlich sind seine unerschöpflichen Einfälle bald wieder zu hören . . .