Ökologisch sinnvoll ist die Nutzung von Regenwasser allemal
Zisternen schützen nicht vor Flut

„Einbau von Zisternen – ein Beitrag zum Hochwasserschutz?“ – So lautete die Frage, mit der ein fraktionsübergreifender Antrag die Kirchheimer Stadtverwaltung konfrontierte. Jetzt liegt die Antwort vor. Sie fällt eindeutig aus: Zisternen mögen ökologisch sinnvoll sein – ein verlässlicher Beitrag zum Hochwasserschutz sind sie nicht.

Kirchheim. Über 660 Zisternen gibt es auf Kirchheimer Boden. Mit dem darin gesammelten Regenwasser werden vor allem Gärten bewässert, teilweise wird das Nass auch im Haushalt genutzt. Schön wäre es, wenn damit auch gleich zuverlässiger Hochwasserschutz betrieben werden könnte. Doch das geht laut Geschäftskreisleiter Martin Zimmert nur dann, wenn sogenannte „Retentionszisternen“ eingebaut sind. Sie verfügen neben einem Regenwasserbassin auch noch über freies Volumen für den Fall großer Niederschläge. Anschließend wird der Retentionsanteil gedrosselt abgeleitet, der Speicher steht erneut zur Verfügung. „Die Masse der Kirchheimer Zisternen sind reine Speicherzisternen“, erläuterte Zimmert. Eine Umrüstung sei ausgesprochen auf­wen­dig. Speicherzisternen entlasten die Kanäle allenfalls dann, wenn sie beim Regenanfall zufällig leer sind. „Ein verlässlicher Beitrag zum Hochwasserschutz ist das nicht“, fasste Bürgermeister Günter Riemer zusammen und verwies auf die Verantwortung der Stadt.

Martin Zimmert hatte sich die Mühe gemacht, am Beispiel des Dupiggrabens zu errechnen, welche Wirkung durch den Einbau von Retentionszisternen in Lindorf erzielt werden könnte. Die Bemessungsgrundlage für Hochwasserschutzdämme geht von „HQ 100“ aus, also der statistischen Abflussmenge eines Gewässers, die im Jahrhundert einmal erreicht oder überschritten wird. 15 Prozent werden außerdem als sogenannter Klimafaktor hinzugerechnet. Wenn alle Lindorfer mitmachten, müssten alle bebauten Grundstücke eine Zisterne erhalten, die ein Retentionsvolumen von sechs bis sieben Kubikmeter beinhaltet. Hinzu käme noch eine kleinere Menge für Regenwassernutzung. Erst dann, rechnete Zimmert vor, wäre ein wirksamer Hochwasserschutz gegeben. Die Nachrüstung bereits bebauter Plätze ist schwierig und sehr teuer.

„Das notwendige Wasserspeichervolumen kann niemals privat geschaffen werden“, schlussfolgerte Hagen Zweifel, Vorsitzender der Freien Wähler, nach den Erläuterungen und kam zu der Erkenntnis, das Zisternenthema sei nun mal nicht Erfolg versprechend. „Wir müssten allein in Lindorf mehr Zisternenvolumen bauen als es derzeit in ganz Kirchheim gibt“, meinte auch CDU-Fraktionschef Dr. Thilo Rose und riet zur Kosten-Nutzen-Abwägung. Besser als viele dezentrale Zisternen seiein wohl größeres Rückhaltebecken. Sabine Bur am Orde-Käß, Fraktionsvorsitzende der Grünen, wollte den Gedanken jedoch nicht so schnell aufgeben. Hochwasserschutz sei ein globales Problem, die Verantwortung reiche über den Kirchturm hinaus, betonte sie und verwies auf Landstriche, in denen flächendeckender Einsatz von Zisternen in Neubaugebieten üblich sei. Bürgermeister Riemer befürwortete dies unter ökologischen Aspekten durchaus: „Regenwasser sammeln für Brauchwasser ist sinnvoll“ meinte er und ergänzte, „ob‘s rentabel ist, sei dahingestellt. In punkto Hochwasserschutz sei aber allenfalls eine Kombination verschiedenster Methoden denkbar.