Bissingen lehnt Windräder auf dem „Schafbuckel“ und im „Frauenhau“ ab
Zu konfliktträchtig für Investoren

Keine Windkraftanlagen auf dem „Schafbuckel“ und im „Frauenhau“ bei Ochsenwang: Einmütig haben sich Bissingens Gemeinderat und Verwaltungsspitze gegen die dort von der Region geplanten Vorranggebiete ausgesprochen.

Bissingen. Beide Standorte auf der Gemarkung der Seegemeinde erachteten sowohl die Bürgervertreter als auch Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf als „zu konfliktträchtig“. Deshalb lehnten sie, wie bereits zuvor die Verwaltungsgemeinschaft Weilheim, die von der Region ins Auge gefassten Vorranggebiete „Schafbuckel“, und „Frauenhau“ ab.

Und in der Tat sind die Konflikte vorprogrammiert, sollte sich die Region Stuttgart trotz der gegenteiligen Stellungnahmen der Gemeinde Bissingen und der Verwaltungsgemeinschaft Weilheim für „Schafbuckel“ und „Frauenhau“ aussprechen. Beide Gebiete liegen in geschützten Naturräumen wie dem Landschaftsschutzgebiet um Bissingen und Ochsenwang, überwiegend im Vogelschutz- und FFH-Gebiet sowie in direkter Nachbarschaft zur Pflegezone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Den größten Ausschlag aber für ein „Nein“ zu Windrädern auf der Ochsenwanger Alb dürfte die Vogelbeobachtungsstation Randecker Maar geben, die in unmittelbarer Nähe der geplanten Windkraftstandorte liegt. Seit nunmehr 43 Jahren verfolgen Dr. Wulf Gatter und seine Mitstreiter den Flug der Zugvögel am Albtrauf bei Ochsenwang. In der Fortschreibung des Regionalplans zur Nutzung von Windkraft werden Vogelzugkorridore mit Verweis auf den Windenergieerlass als Ausschlussflächen definiert. „Hintergrund ist das potenziell erhöhte Tötungs- und Verletzungsrisiko sowie eine potenziell erhebliche Scheuchwirkung.“

Außerdem kreisen und jagen über den Wiesen, Feldern und Wäldern der mittleren Alb so Windkraft-empfindliche Arten wie der Rot- und Schwarzmilan, der Wanderfalke und Wespenbussard, was laut fortgeschriebenem Regionalplan ohnehin den Bau von Windrädern ausschließt. Das sehen auch die Untere Naturschutzbehörde und die privaten Naturschützer so, die erhebliche Bedenken äußerten beziehungsweise Windkraftanlagen auf dem „Schafbuckel“ und im „Frauenhau“ ebenfalls ablehnten.

Wie Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf sagte, hätten inzwischen auch Investoren die Konfliktträchtigkeit erkannt und der Gemeinde mitgeteilt, dass sie auf Grund der „Tretminen“ in diesen Gebieten von Planungen absehen wollen. Sie müssten sich ohnehin die Frage stellen, ob sich Investitionen in den geplanten Vorranggebieten auf Bissinger Gemarkung lohnen, da eine Konzentration von Windkraftanlagen dort wegen der notwendigen Abstände nicht möglich ist. So grenzen an den „Schafbuckel“ Flächen, die in der Pflegezone des Biosphärengebiets liegen. Da aber die Pflegezone zwischenzeitlich wie die Kernzone behandelt wird, geht die Gemeinde davon aus, dass die Schutzabstände 200 Meter betragen müssen. Hierdurch ergäbe sich eine sehr kleine nutzbare Fläche, und es erscheint fraglich, ob für drei Windräder genügend Platz da wäre. So viele müssten es mindestens sein, wollte man von einer Konzentrationszone sprechen.

Das Gleiche gilt für das „Frauenhau“. Auch dieses Areal liegt in einem regionalen Grünzug, in Schutzgebieten und in unmittelbarer Nähe der Pflegezone.

Die Gemeinde Bissingen muss bis Ende November ihre Bewertung der Vorranggebiete in Stuttgart abgeben. Die endgültige Entscheidung über die Ausweisung der für die Windkraftanlagen vorgesehenen Flächen trifft die Region Stuttgart im Regionalparlament. Dabei berücksichtigt sie die Stellungnahmen der Kommunen, Behörden, Landesverbände der privaten Naturschützer und anderen. Dies wird erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Die Pressesprecherin des Regionalverbandes, Dorothee Lang, rechnete mit einem Beschluss des Regionalparlaments vor beziehungsweise nach der Sommerpause 2013.

Derweil will es die Seegemeinde und ihre Kommunalvertreter nicht nur bei einem „Nein“ zu Windrädern auf der örtlichen Gemarkung belassen. Bürgermeister Marcel Musolf verweist auf die Photovoltaikanlage auf dem Gemeindehallendach und auf Pelletheizungen in drei gemeindeeigenen Gebäuden. „Wir wollen es nicht dabei belassen, sondern werden uns in der kommenden Zeit im Gemeinderat intensiv mit dem Thema Energie einsparen in gemeindlichen Liegenschaften und der Beziehung von Ökostrom beschäftigen“.