Bürgerversammlung zum Strategischen Entwicklungskonzept im kleinen Saal der Limburghalle
Zukunft hat teilweise schon begonnen

Wohin soll in Weilheim die Reise gehen? Seit einem Jahr befasst sich die Limburgstadt mit der Erstellung des Strategischen Entwicklungskonzepts 2020. Knapp zwei Wochen vor der Verabschiedung kamen in der Limburghalle noch einmal die Bürger zu Wort.

Weilheim. Dass Weilheim ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort ist, steht außer Frage. Darin waren sich die Bürger in der großangelegten Umfrage vor einem Jahr und die Vertreter der Kommunalentwicklung, Professor Dr. Richard Reschl und Jürgen Mühlbacher, einig. Sie haben den Prozess begleitet, zu dem Bürgerversammlungen, Planungswerkstätten und verschiedene Gemeinderatssitzungen gehörten. Das Ergebnis der zahlreichen Planungsschritte wurde nun in einer weiteren Bürgerversammlung im kleinen Saal der Limburghalle vorgestellt. „Wir wollen einen klaren Leitfaden für die nächsten zehn Jahre entwickeln“, erklärte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. „Die Ideen und Anregungen der Bürger sind für uns dabei eine wertvolle Basis.“

Der Entwurf des Strategischen Entwicklungskonzepts 2020 gliedert sich in neun „Leitprojekte“ aus den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Kultur und Soziales sowie Mobilität. „Stärkung von Altstadt und Innenstadtquartieren sowie die Weiterentwicklung gewachsener Wohngebiete“ lautet einer der Grundsätze, die in dem Papier verankert werden sollen. „Dabei müssen Sie auf die städtebauliche Qualität achten“, schrieb Reschl den Weilheimern ins Stammbuch. „Das ist auch eine Frage der Identität.“ Es gehe nicht nur darum, für alte Häuser neue Eigentümer zu finden, notwendig sei auch eine ansprechende Gestaltung beispielsweise bei Um- und Anbauten. Auch würde sich der Experte ein Aufwerten der Ortsdurchfahrten wünschen.

Weiteres Ziel ist die Innenverdichtung. Sie soll Priorität vor der Erschließung von Bauland im Außenbereich genießen. „In manchem hat die Zukunft bereits angefangen“, sagte Züfle dazu. Unter dem Stichwort „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ läuft in der Limburgstadt schon ein vom Land gefördertes Projekt, das bis November konkretisiert werden soll.

Ebenfalls gestellt sind die Weichen im Bereich Bildung und Betreuung – der Schwerpunkt der nächsten Jahre. Erklärtes Ziel ist ein durchgängiges Betreuungsangebot. Nachdem die Hausaufgaben im vorschulischen Bereich längst gemacht sind, hat der Gemeinderat den Einstieg in die Ganztagsbetreuung an der Limburg-Grundschule vom kommenden Schuljahr an auf den Weg gebracht. Die Erfahrungen sollen genutzt werden, um auch am Bildungszentrum Wühle in den Ganztagsbetrieb einsteigen zu können – vorausgesetzt, die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen. Zur Konzeption der Ganztagsschulen ist Ende 2015 eine Entscheidung vorgesehen. Auch die Beseitigung der räumlichen Engpässe im Bildungszentrum werden als dringliche Aufgabe betrachtet. „Eine Perspektive könnte sein, die zwei Grundschulen am Standort der Limburg-Grundschule zusammenzuführen“, sagte Jürgen Mühlbacher. Geklärt werden soll außerdem die Zukunft der Schulsozialarbeit. „Vielleicht gibt es hier Perspektiven durch die neue Landesregierung“, stellte er in den Raum.

Unter die Lupe genommen wurde im Rahmen der Planungswerkstätten auch der unterhalb der Limburghalle angesiedelte Kinder- und Jugendtreff. Er bekam bescheinigt, hervorragende Arbeit zu leisten, doch scheitern Gruppenangebote an einem weiteren Raum. Angedacht ist, nächstes Jahr mögliche Lösungen zu prüfen.

Ein anderer Themenkomplex ist die Entwicklung von Gewerbeflächen. Potenzial wird insbesondere in einer Neuordnung des Gewerbegebiets Au gesehen. Außerdem könnte die Nutzung von Industriebrachen eine Rolle spielen. Große Hoffnungen setzt man in ein wiederbelebtes „Stadtmarketing“ und das Stärken von Tourismus in Verbindung mit der Kulturlandschaft und dem Biosphärengebiet. Eine nachhaltige Mobilität – unter anderem mit dem Freihalten der Bahntrasse – sowie der Klimaschutz sind weitere Grundsätze, die das Entwicklungskonzept verfolgt. In den Blick genommen wird auch der Alte Friedhof: Laut Reschl wäre es wünschenswert, ihn als Grünfläche mit „kontemplativem Charakter“ zu bewahren. Dieses Vorhaben war einer der in der Bürgerversammlung kontrovers diskutierten Punkte. Angeregt wurde unter anderem, einen in einigen Jahren zu realisierenden Ersatz für die Turnhalle an der Limburg-Grundschule als Mehrzweckhalle zu konzipieren.

Der ein oder andere Punkt könnte bis zur Verabschiedung am 19. April durch den Gemeinderat noch in das Strategische Entwicklungskonzept einfließen. Reschl zufolge muss es den Weilheimern um die Zukunft nicht bange sein. Ein Pluspunkt sei die Versorgungsinfrastruktur. „Ich glaube, die Stadt hat eine große Chance, die Bevölkerung zu halten.“