Kirchheim. Nach exakt 25 Jahren wurde am Max-Eyth-Haus wieder eine der beiden Dampfpfluglokomobile der Firma Fowler vom Verein „Historische Dampftechnik Kirchheim“ vorgeführt, die die Besucher gehörig ins Staunen brachte. Angeboten wurde außerdem ein kniffliges Quiz zu Max Eyth, bei dem man Buchpreise gewinnen konnte. Dazu musste man sich allerdings das Literaturmuseum und seine Abteilung „Max Eyth“ genau anschauen.
Durch die geöffneten Fenster der früheren Lateinschule zog die von heißem Öl und Dampf geschwängerte Luft und verbreitete eine Atmosphäre, die in die Zeit von Max Eyth passte. Das 19. Jahrhundert schien sicht-, riech- und hörbar wieder angebrochen zu sein. Grund des Spektakels war aber nicht nur der 175. Geburtstag Max Eyths, der in diesem Haus am 6. Mai 1836 zur Welt kam – sondern auch die Tatsache, dass 1986 aus Anlass seines 150. Geburtstages die erste der beiden Fowler-Dampfpluglokomobile von Richard Planitz hier restauriert vorgestellt wurde.
Deshalb wurde die 1909 gebaute englische Dampfpfluglokomobile aufpoliert und extra für diesen Anlass angeheizt. Die Signale ihrer Dampfpfeife hallten durch die ganze Innenstadt und überzeugten die Besucher von der Kraft des gespannten Dampfes, der selbst hartgesottene Zeitgenossen andächtig zuhören ließ. Mit ihren blanken Kolben- und Pleuelstangen, die in der strahlenden Sonne nur so blinkten, zog die 20 Tonnen schwere Lokomobile die Besucher in ihren Bann. Als die Maschine gegen 16 Uhr laut zischend und dampfend den Ort des Geschehens aus eigener Kraft verließ, zog sie die Besitzer von Digitalkameras geradezu magisch an.
Vom Großvater bis zum Urenkel waren alle begeistert von der Ausstrahlung der über hundert Jahre alten Maschine. Das Geburtstagskind Max Eyth, so wurde gemutmaßt, hätte sicher seine große Freude an dieser Veranstaltung gehabt und sie vermutlich in gereimten Versen festgehalten.
