Andreas Volz
Kirchheim. Die Stadt Kirchheim war an einem Forschungsprojekt der Technischen Universität Dortmund beteiligt, in dessen Rahmen 947 Fragebögen an Kirchheimer Eltern verteilt worden waren. Den Rücklauf von 401 Bögen, also 42,3 Prozent, bezeichnete Gerhard Gertitschke, der Leiter des Kirchheimer Amts für Bildung, Kultur und Sport, als überdurchschnittlich gut. Lediglich für einige der elf Bezirke, in die Kirchheim bei der Befragung eingeteilt war, sei es nicht möglich, detailliertere Elternwünsche zu erkennen. In diesem Fall war ein Rücklauf von weniger als zwölf Bögen pro Bezirk dann doch nicht aussagekräftig genug.
Die Gesamtzahlen lassen allerdings durchaus Möglichkeiten, Aussagen über die Betreuungswünsche und die Betreuungssituation zu treffen beziehungsweise darüber, wie Kirchheimer Eltern die Lage einschätzen. In 353 von 401 Fällen weisen die Eltern ein Bildungsniveau von „mindestens mittlerer Reife“ auf. In 307 Fällen ist die „Verkehrssprache“ in der Familie „hauptsächlich Deutsch“. In 146 Familien, die sich an der Umfrage beteiligten, waren beide Eltern erwerbstätig, in 226 Fällen war es zumindest eine Person.
90 Eltern, also 22,4 Prozent, gaben an, dass ihr Kind derzeit „in einer öffentlichen Betreuung“ sei. Was den Wunsch nach Betreuung betrifft, so steigt er mit zunehmendem Alter der Kinder: Bei den Kindern unter einem Jahr hatten 87,3 Prozent der Eltern „keinen Betreuungswunsch“. Bei den Kindern, die zwischen einem und zwei Jahren alt sind, waren das noch 52,2 Prozent der Eltern, bei Kindern zwischen zwei und drei noch 27,2 Prozent.
Die Wunschzeiten dagegen sind sehr ausgedehnt: 30 Prozent der Eltern sprachen sich für eine Betreuung aus, die bereits zwischen 6 und 7 Uhr beginnt. 50 Prozent sind für einen Beginn zwischen 7 und 8 Uhr. Zum Ende der Betreuung gaben immerhin noch 13 Prozent der Eltern an, dass es zwischen 17 und 18 Uhr liegen solle. Und was die Verpflegung betrifft, so sprachen sich 79,6 Prozent der Kirchheimer Eltern dafür aus, dass ihre Kinder in der Betreuungseinrichtung auch ein Mittagessen erhalten sollen.
Schließtage wiederum wünschten sich 55 Prozent der Eltern grundsätzlich nicht. Sie wollen also auch während der Ferienzeiten jeden Tag die Möglichkeit haben, ihr Kind zur Betreuung abzugeben. Außerdem gab es noch die Frage nach der Erreichbarkeit der Tagesstätte. In diesem Fall scheint die zeitliche Toleranzgrenze bei 15 Minuten zu liegen: 90 Prozent wollen keine Wegstrecke zurücklegen müssen, die mehr als eine Viertelstunde in Anspruch nimmt. 64,5 Prozent sprachen sich sogar für weniger als zehn Minuten aus.
Eines aber sorgte bei Gerhard Gertitschke für sichtliche Zufriedenheit, als er die Zahlen im Finanz- und Verwaltungsausschuss des Kirchheimer Gemeinderats vorstellte: „Wunsch und Angebot sind ziemlich deckungsgleich“, betonte er. Einen Betreuungswunsch hätten 42,1 Prozent der Eltern geäußert. Die Quote liege derzeit bei 40,8 Prozent.
Nach so vielen Zahlen ging es in der Diskussion um die Interpretation der Zahlen, um die Inhalte und um neue Ideen. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker beispielsweise sprach davon, auch auf Unternehmen zuzugehen, die Betreuungsplätze für die Kinder ihrer Mitarbeiter buchen könnten.
Dr. Silvia Oberhauser, die Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, stellte fest, dass es „richtig viele Eltern“ gibt, die sich mehr als 45 Betreuungsstunden pro Woche wünschen. Sie selbst habe sich immer für Betreuung stark gemacht. An einem Punkt aber sieht sie augenblicklich keinen weiteren Bedarf: „Von der Über-Nacht-Betreuung bin ich nicht überzeugt. Nach der Erhebung habe ich nicht das Gefühl, dass wir als Stadt das selbst anbieten sollten.“
Christoph Lempp (Grüne) freute sich darüber, dass Bedarf und Angebot sich fast decken. Aber eines fehlte ihm dann doch bei der Erhebung: „Über die qualitative Betrachtung der Betreuungsangebote haben wir nichts vorliegen.“ Gerhard Gertitschke stellte allerdings in Aussicht, die Kirchheimer Angebote mit den Ergebnissen einer bundesweiten Untersuchung zur Qualität der Betreuung abzugleichen.
Hans Gregor (SPD) fragte nach dem Essensangebot. Seiner Ansicht nach wäre es zwar teurer, aber durchaus sinnvoll, wenn jemand in Kirchheim das Essen zubereiten würde, wenn es also nicht von einem Caterer über allzu weite Strecken angeliefert werden müsste. Gerhard Gertitschke sah es ebenfalls als ideal an, wenn vor Ort in Kirchheim gekocht werden könnte. Nicht zuletzt hätten viele Eltern „deutlich formuliert“, wie wichtig ihnen die Qualität des Essens sei. An dieser Stelle meldete sich allerdings Ralf Gerber (Freie Wähler) kritisch zu Wort: „Ich hoffe nur, dass diese Eltern auch zu Hause so qualitätvoll kochen, wie sie es bei der Betreuung verlangen.“
Wilfried Veeser (CDU) sprach noch eine andere Seite an, nämlich die große Zahl der Eltern, die zumindest im ersten Lebensjahr ihrer Kinder keine Betreuung in Anspruch nehmen: „Das finde ich sehr positiv, dass so viele Eltern ihre Verantwortung in dieser wichtigen Lebensphase selbst wahrnehmen.“