Kreis Esslingen. Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, ging beim Anblick des gut gefüllten K3N in Nürtingen das Herz auf: „Die volle Halle zeigt, das Handwerk hat Zukunft und wir haben die besten Talente, die man sich nur wünschen kann“, sagte er bei der Sommer-Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen. Es gebe im Handwerk nicht nur einen einzigen Werdegang, sagte Geschäftsführer Fabian Weber beim Auftakttalk. „Jeder kann sich einen Weg suchen und hat etwas, was kein anderer gemacht hat.“
Leiden unter der Bürokratie
Die Künstliche Intelligenz werde auch das Handwerk begleiten, sagte Kreishandwerksmeister Karl Boßler. Doch sie werde, anders als im Büro, Berufe nicht ersetzen können. Das ergebe die Chance, dass mancher junger Mensch statt im Büro seine Zukunft künftig im Handwerk suche. Boßler erneuerte seine Kritik an der überbordenden Bürokratie, die weiterhin das Handwerk belaste. „Warum braucht man ein neues Gesetz, um ein Gesetz abzuschaffen?“ Diese Kritik sage er „seit zehn Jahren auf jeder Lossprechungsfeier“.
Erfolgreich umorientiert
Wie erfolgreich sich jemand umorientieren kann, zeigten zwei junge Männer, darunter der Beton- und Stahlbetonbauer Luca Haidle: Nach dem begonnenen Studium merkte er, dass das für ihn nicht passte, ging stattdessen ins Handwerk und ist nun kurz vor dem Meister. Simon Wegner wollte ursprünglich Programmierer werden, landete dann bei der Messtechnik und wurde Elektroniker. Heute gibt er Schulungen für erneuerbare Energien und Messtechnik und macht ebenfalls den Meister. „Ich sehe noch kein Ende“ sagte der 29-Jährige zu seiner ständigen Weiterbildung.
Ausbildungs-TV vor Ort
In einem Kurzfilm stellte der Moderator Rafael Treite vor Ort Florian Hönig vor, der in der Glaserei Höflinger in Uhingen Glaser mit der Fachrichtung Fenster- und Glasfassadenbau gelernt hat. Er schätzt die abwechslungsreiche Tätigkeit, bleibt der bereits im Jahr 1601 gegründeten Firma auch nach der dreijährigen Ausbildung erhalten und möchte dort seinen Meister machen. Vielleicht könne Florian Hönig eines Tages sogar einmal den Betrieb übernehmen, sagte Glasermeister Wilfried Höflinger im Filminterview.
Ein Rap für drei Gesellen
Der Comedy-Freestyle-Rapper Johann Theisen griff sich in seiner Showeinlage eine Kosmetikern, einen Zimmermann und einen Elektroniker heraus und befragte sie zu ihren Tätigkeiten und ihren sonstigen Interessen. Dann verarbeitete er die genannten Stichworte spontan in einem Rap-Song. Natürlich könne er diesen Text nicht vorher trainieren, sagte er nach dem kräftigen Applaus. „Aber Improvisieren kann man üben.“
Der Anlagenmechaniker war wieder am beliebtesten
Insgesamt 34 der 186 Auszubildenden haben sich diesmal für den Anlagenmechaniker entschieden, damit lag dieser wie schon im Frühjahr erneut an der Spitze. Dicht an dicht folgen bei den beliebtesten Ausbildungsberufen 33 Tischler und 30 Zimmerer. An vierter Stelle folgen 21 Elektroniker. Ebenfalls zweistellig vertreten sind die zwölf Friseure und elf Kaufleute für Büromanagement. Es folgen acht Kraftfahrzeugmechatroniker, sieben Maurer, je sechs Stuckateure und Bäcker und vier Schilder- und Lichtreklamehersteller. Je zweifach vertreten sind die Kosmetikerinnen, Glaser und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk. Hinzu kommen je ein Zweiradmechatroniker, eine technische Produktdesignerin, eine Mediengestalterin Digital und Print, ein Kaufmann im Einzelhandel, ein Feinwerkmechaniker, eine Fachkraft für Lagerlogistik, ein Beton- und Stahlbetonbauer und ein Baugeräteführer.
Die Besten des Gewerks auf der Bühne
Bester des Gewerks bei den Bäckern ist Noah Roth, ausgebildet bei Dennis Huttenlocher in Kirchheim, mit der Gesamtnote 2,0. Bester Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk ist Willi Dehlinger (Veit, Nürtingen, 1,9). Beste Kauffrau für Büromanagement ist Daria Leis (Romero, Neuhausen, 2,0). Beste Kraftfahrzeugmechatronikerin ist Sara Kurz (Russ Jesinger, Dettingen, 1,6). Bester Maurer ist Manuel Scheerer (Kiltz, Notzingen, 1,6). Beste Mediengestalterin Digital und Print ist Nele Jost (SJ-Design, Deizisau, 2,3). Bester Schilder- und Lichtreklamehersteller ist Nico Schlauderer (Daiber, Kirchheim, 1,9). Bester Stuckateur ist Emil Sergeev Yosifov (Talip Yigit, Kirchheim, 1,8). Beste Technische Produktdesignerin ist Lena Klar (Westermann, Denkendorf, 1,9). Beste Tischlerin ist Lia Muriel Wahl (Walter Hund, Leinfelden-Echterdingen, 1,6). Bester des Gewerks bei den Zweiradmechatronikern ist Janek Bader (Bernd`s Radsportecke, Filderstadt, 2,3).
Die Kammerpreisträger
Peter Friedrich ehrte die fünf Kammerpreisträger, vier von ihnen sind zugleich Beste des Gewerks. Der Elektroniker Tom Sommer, ausgebildet bei Dahler & Ehrle in Filderstadt, erreichte die Gesamtnote 1,3. Mit der Gesamtnote 1,4 war ihm Lasse Eberwein, bei Sven Menrad in Steinenbronn ebenfalls zum Elektroniker ausgebildet, ganz dicht auf den Fersen. Die beiden Anlagenmechaniker Matthias Bottesch, ausgebildet bei Karl Scharpf in Esslingen, und Lui Hauck, ausgebildet bei Sven Kümmel in Unterensingen, erreichten beide die Gesamtnote 1,4. Der Zimmerer Marius Scharrer, ausgebildet bei Schmid in Aichwald, beendete seine Ausbildung ebenfalls mit der hervorragenden Gesamtnote 1,4.













Lossprechung und Gesellentrunk
Karl Boßler sprach die Prüflinge von den Pflichten in ihrer Ausbildungszeit frei und gratulierte ihnen zur Erhebung in den Gesellenstand. Die Wahl, eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen, sei klug, vorausschauend und mutig gewesen, sagt er. „Ihr habt euch für einen Beruf entschieden, in dem man etwas schafft, etwas bewegt und etwas bewirkt. Eure Arbeit hinterlässt Spuren, die man sieht und spürt. Ihr seid die Macherinnen und Macher von morgen.“ Nach der Lossprechung lud er alle Prüflinge zum alkoholfreien Gesellentrunk auf die Bühne.

