Lokalsport
Kirchheim Knights: Bochums Basketballer geben den Partycrasher

Basketball Die Ritter hadern nach der Heimpleite gegen Kellerkind Bochum mit ihrer eigenen Leistung und der der Schiedsrichter. Mut für die nächste Partie bei Tabellenführer Jena macht allein der 23-Punkte-Lauf im vierten Viertel. Von Peter Eidemüller

So hatte sich Michael Flowers seinen Ehrentag bestimmt nicht vorgestellt. Statt am Sonntag seinen 25. Geburtstag mit der Gewissheit eines Erfolgs genießen zu können, hatte der Spielmacher der Kirchheimer Korbjäger gemeinsam mit seinen Teamkollegen an der gleichermaßen bitteren wie unnötigen Saisonniederlage tags zuvor gegen Bochum zu knabbern. „Trotzdem habe ich den Tag genossen, ich habe viel mit Familie und Freunden gesprochen und war in meinem Lieblingsrestaurant in Kirchheim essen“, so Flowers, der beim 80:82 mit 18 Punkten nur knapp unter seinem bisherigen Schnitt von 19,6 Zählern pro Partie geblieben war.

Die Statistik des US-Guards spiegelt die Leistung der Knights gegen einen bis dahin auswärts sieglosen Gegner in weiten Teilen wider: Im Vergleich zur Pleite gegen Bayreuth an der Freiwurflinie und in Sachen Turnover zwar leicht verbessert, war erneut die Trefferquote aus der Distanz miserabel: Flowers („Bochum hat schwierige Würfe großartig verwandelt“) traf von sechs Versuchen keinen einzigen, insgesamt blieben die Knights mit 22 Prozent unter ihren Möglichkeiten – schlechter war man bislang nur bei den Low-Score-Pleiten gegen Trier (67 Punkte/21 Prozent) und Koblenz (57/20). „Bochum hat verdientermaßen gewonnen,“, musste Kirchheims Trainer Igor Perovic dennoch neidlos anerkennen, „wir haben 35 Minuten einfach zu schlecht gespielt.“

Umgekehrt zeigte sich gegen Ende des vierten Viertels das Potenzial der Ritter: Innerhalb von fünf Zeigerumdrehungen erzielte das Team 23 Punkte und verkürzte den Rückstand zwei Minuten vor Ende so von 18 auf einen Zähler. Dass es trotzdem nicht zum Happy End reichte, lag laut Sportchef Chris Schmidt an mehreren Faktoren: „Bochum hat mit vielen wilden Würfen zum Ende der Shotclock gepunktet, wir haben viele unnötige Fehler gemacht und die Schiedsrichter haben auch ihren Teil beigetragen.“

In der Tat sorgten die drei Unparteiischen bei Zuschauern, Spielern und Funktionären in der Halle mit ihren Entscheidungen für Erstaunen und Entsetzen. „Skandalös“, befand nicht nur Livestream-Kommentator Paul Oesterle die Schiedsrichterleistung, die ihren negativen Höhepunkt in der Ahndung eines angeblichen Offensivfouls von Mike Flowers in den letzten Sekunden der Partie hatte. „Wir werden die betreffenden Szenen in einem Video zusammenschneiden und an die Verantwortlichen des Schiedsrichterwesens schicken“, kündigt Chris Schmidt an, wohlwissend, dass das Ergebnis überschaubar bleiben wird.

Was bleibt, ist die neuerliche Erkenntnis, dass die ProA so ausgeglichen wie selten ist – so schlägt Kellerkind Bochum nach Hagen und Trier mit Kirchheim bereits das dritte Top-Fünf-Team. Gleichzeitg gewinnen die Hinterbänkler aus Vechta und Paderborn bei den Play-off-Anwärtern aus Gießen und Bayreuth.

Schwer getan hat sich auch Tabellenführer Jena, der nur dank eines in den letzte Sekunden versenkten Dreiers mit einem Punkt Vorsprung bei Schlusslicht Quakenbrück gewann – welche Art von Omen das für die Knights sein kann, bleibt bis kommenden Samstag unklar, wenn die Kirchheimer in Thüringen gastieren. „Wenn wir unsere beste Leistung abrufen, können wir jede Mannschaft schlagen“, gibt sich Trainer Perovic auch vor dem Hintergrund, dass man Jena im Hinspiel geschlagen hat, selbstbewusst.