Urlaub daheim

Wo Deutschlands Süden richtig wild ist

Großschutzgebiete, Bannwälder und Naturlandschaften in Baden-Württemberg

Der Naturpark Schwarzwald Mitte-Nord mit dem Murgtal. Foto: TMBW, Lengler

TMBW. Deutschlands Süden ist überraschend wild: Dunkle Wälder, rauschende Schluchten und verwunschene Auenlandschaften zeigen die Natur von ihrer ursprünglichen Seite. Wer sich dort auf eine Expedition begibt, findet Natur- und Kulturlandschaften in ganz unterschiedlicher Ausprägung. Rund 14.000 Quadratkilometer und damit 38 Prozent der Landesfläche sind von Wald bedeckt. Zwischen Odenwald und Südschwarzwald laden aber auch Fluss- und Weidelandschaften, Streuobstwiesen und Moorgebiete zu Erkundungen ein. Besonders viel Natur gibt es in den zehn Großschutzgebieten zu entdecken, in denen Natur und Wildnis bewahrt werden.

Auf dem Weg zur Wildnis

Natur darf hier einfach Natur sein und sich unbeeinflusst vom Menschen entwickeln: Seit 2014 erstreckt sich auf den Höhenzügen des Nordschwarzwalds Baden-Württembergs erster Nationalpark. Er ist rund 100 Quadratkilometer groß und verteilt sich auf die beiden Bereiche Ruhestein und Hoher Ochsenkopf/Plättig. Kern des Nationalparks sind zwei Bannwälder, in denen seit Jahrzehnten keine Waldwirtschaft mehr betrieben wird. Bereits heute lässt sich hier erleben, wie es überall im Nationalpark einmal sein wird, wenn die Natur sich selbst überlassen bleibt. Ein Team von haupt- und ehrenamtlichen Rangern führt Besucher auf dem Weg zurück in eine Wildnis, die mit jedem Jahr ein bisschen urwüchsiger wird. Das kann man sehr gut am Lotharpfad nachverfolgen: Dort wächst über 15 Jahre nach dem großen Sturm nach und nach ein neuer Naturwald heran. Ende 2020 öffnet das neue Besucherzentrum am Ruhestein – mit einer umfangreichen Ausstellung und einem spektakulären Skywalk über den Wipfeln des Nationalparks. Infos unter www.nationalpark-schwarzwald.de.

Vom Sperrgebiet zum Naturparadies

Bis vor wenigen Jahren rollten noch Panzer durch das ehemalige militärische Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes bei Münsingen. Wo lange kein Mensch Zutritt hatte, konnte sich die Natur in ihrer ganzen Vielfalt ausbreiten. Heute liegt hier mit 6.700 Hektar einer der größten unzerschnittenen Naturräume Baden-Württembergs und das Herz des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Aus karger, weiter Landschaft erheben sich bewaldete Kuppen und einzelne Sträucher. Gefährdete Pflanzen wie das Gemeine Katzenpfötchen und die Mondraute sind hier zuhause, ebenso bedrohte Tierarten, wie etwa der Steinschmätzer. 2009 zeichnete die UNESCO diese Kulturlandschaft als Biosphärenreservat aus. Das über 85.000 Hektar große Gebiet gehört seither zu den Modellregionen, in denen das Miteinander von Mensch und Natur beispielhaft gefördert wird. Es schließt die Hochfläche ebenso ein wie den Albtrauf mit seinen besonderen Hang- und Schluchtwäldern und das Vorland mit den ausgedehnten Streuobstwiesen. Durch die jahrzehntelange Sperrung findet sich auch so manches Kuriosum wie die Überreste eines verlassenen Dorfes, dessen Einwohner in den 1930er Jahren umgesiedelt wurden. Infos unter http://biosphaerengebiet-alb.de.

Geformt von Natur und Mensch

Dort, wo früher sechs Gletscher aufeinandertrafen, findet man heute eine besonders artenreiche Natur, die seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause bietet. Spuren der letzten Eiszeit lassen sich im Südschwarzwald nach wie vor im Landschaftsbild ablesen, etwa in Form von mehreren Karseen. Darüber hinaus ist die Region vor allem eine Kulturlandschaft, die ein reizvoller Wechsel von Waldflächen und offen gehaltenen Hochtälern prägt. Eine Besonderheit sind die sogenannten Allmendweiden, seit Jahrhunderten gemeinschaftlich genutzte Weideflächen. Sie zeugen nicht nur von einem bis heute gepflegten Zusammenhalt der Schwarzwaldbauern. Die Tradition der gemeinschaftlichen Bewirtschaftung hat auch Landschaftsbild und Ökosystem geprägt. Diese vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft zu erhalten, gehört zu den erklärten Zielen des Biosphärengebiets. Infos unter www.biosphaerengebiet-schwarzwald.de.

Naturgenuss in Wald-, Wein- und Wiesenlandschaften

Sie zeigen die ganze landschaftliche Vielfalt im Süden und bieten zahlreiche attraktive Angebote für Besucher: Sieben Naturparke mit einer Fläche zwischen 160 und 3.800 Quadratkilometern machen besonders interessante Kultur- und Naturlandschaften in Baden-Württemberg erlebbar. Zwei von ihnen finden sich im alleine im Schwarzwald: der Naturpark Südschwarzwald und der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, der den Nationalpark umgibt und ihn ergänzt. Ein weiterer Naturpark erschließt die felsigen Landschaften der Oberen Donau mit ihren Klöstern und Flusstälern. Im Naturpark Schönbuch hat ein alter Laubwald mitten im dicht besiedelten Mittleren Neckarraum überlebt. Die tiefen Einkerbungen des Neckartals kennzeichnen den Naturpark Neckartal-Odenwald, in dessen Herzen zahlreiche Burgen und die alte Universitätsstadt Heidelberg liegen. Noch weiter in die Geschichte zurückreisen können Besucher des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, auf dessen Gebiet einst der Grenzwall des Römischen Limes verlief – heute Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Schließlich bietet der Naturpark Stromberg-Heuchelberg Gelegenheit, eine besonders reizvolle Mischung aus Wald-, Wein- und Wiesenlandschafen zu genießen, mit zahlreichen regionalen Produkten, von denen es in allen Naturparken eine große Vielfalt gibt. Infos unter www.tourismus-bw.de/Natur/Grossschutzgebiete.