Zahngesundheit

Bakterien verursachen Zahnfleischentzündung

Auch leichte Parodontitis behandeln lassen

Mit einem PSI -Test misst der Zahnarzt die Tiefe der Taschen. Das ist der Bereich zwischen Zähnen und Zahnfleisch. Das Zahnfleisch entzündet sich schleichend und bleibt auch in diesem Zustand lange schmerzfrei. Foto: ProDente e.V.

ProDente. Erste Anzeichen einer Parodontitis wie Zahnfleischbluten oder Mundgeruch sollten Betroffene ernst nehmen. Zwar ist die Entzündung über lange Zeit schmerzfrei, sie schreitet dennoch meist unbemerkt immer weiter fort, warnt die Initiative proDente anlässlich des Europäischen Tags der Parodontologie am 12. Mai. Unbehandelt kann eine Parodontitis langfristig zu Zahnverlust führen und allgemeine Erkrankungen im Körper begünstigen.

Das Zahnfleisch ist etwas gerötet und leicht angeschwollen. Hin und wieder blutet es. Dies können die ersten und einzigen Anzeichen einer beginnenden Parodontitis, einer Entzündung des Zahnhalteapparats, sein. Betroffene nehmen diese Symptome häufig nicht wahr oder ordnen sie nicht richtig ein. „Eine Parodontitis entwickelt sich über Jahre. Sie beginnt mit einer Entzündung des Zahnfleischs und verursacht am Anfang keine Schmerzen. Daher bleibt sie häufig von den Betroffenen unbemerkt“, erklärt Prof. Dr. James Deschner, Direktor der Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung der Universität Mainz. „Erste wahrnehmbare Symptome wie Zahnfleischbluten, Zahnfleischschwellungen und häufig auch Mundgeruch weisen zunächst auf die Zahnfleischentzündung hin. Unbehandelt kann es im weiteren Verlauf jedoch zu einer Parodontitis mit einer Lockerung der Zähne kommen.“ Es gilt daher, eine Parodontitis möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Das persönliche Risiko für eine Parodontitis verrät der Selbsttest der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) unter https://selbsttest.dgparo.de.

Bakterien verursachen Zahnfleischentzündung

Verantwortlich für eine Parodontitis sind Bakterien, die auf den Oberflächen der Zähne, am Rand des Zahnfleischs und in den Zahnzwischenräumen als Beläge anhaften. Werden die bakteriellen Beläge nicht durch die tägliche Reinigung der Zähne entfernt, nimmt die Menge der Bakterien auf den Zähnen zu. Der orale bakterielle Biofilm verschiebt sich zugunsten von krankmachenden Bakterien. Aus zunächst weichem Zahnbelag entsteht durch die Einlagerung von Mineralien harter Zahnstein. Dieser fördert das weitere Wachstum der Plaque. Das Immunsystem des Körpers reagiert mit einer Entzündung. Zahnärztinnen und Zahnärzte sprechen von einer sogenannten Gingivitis, also einer Zahnfleischentzündung.

Über längere Zeit kann eine Parodontitis entstehen

Besteht die Zahnfleischentzündung längere Zeit, kann sie in eine Parodontitis mit der Ausbildung von Zahnfleischtaschen übergehen. Denn ohne Behandlung der Entzündung löst sich das Zahnfleisch von der Zahnoberfläche und es bildet sich ein Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn, eine sogenannte Zahnfleischtasche entsteht. Die zunächst oberflächliche Entzündung dringt in die Tiefe und führt zum Abbau von Geweben, die den Zahn halten. Das betrifft das Zahnfleisch, die Zahnhaltefasern und den um die Zähne befindlichen Knochen. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt kann die Tasche bei einer Kontrolluntersuchung mit dem Parodontalen Screening Index (PSI) feststellen. Nicht selten kommt es auch zu Mundgeruch. Denn in den Zahnfleischtaschen sammeln sich Bakterien.

Unbehandelt droht Zahnverlust

Unbehandelt führt die Parodontitis zu einem immer stärkeren Abbau des Kieferknochens. Dem Zahn fehlt zunehmend der Halt. Er lockert sich immer mehr und kann schließlich ausfallen oder muss entfernt werden. Die entzündeten Zahnfleischtaschen sind in fortgeschrittenem Stadium zudem ein Reservoir für krankmachende Bakterien und können Schmerzen oder Abszesse auslösen. Aus den Zahnfleischtaschen heraus können die Erreger auch weiter in die Blutbahn des Körpers gelangen und das Risiko für andere Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rheuma erhöhen. Mehr Informationen zur Parodontitis auch unter: https://paro-check.de/ der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Zahnfleischentzündung vorbeugen

Aber was hilft bei einer Zahnfleischentzündung? Kann eine Zahnfleischentzündung von alleine heilen? Grundsätzlich gilt: Je weniger Zahnbelag anhaftet, desto niedriger ist das Risiko für eine Zahnfleischentzündung bzw. für eine gegebenenfalls daraus entstehende Parodontitis. Daher am besten effektiv vorbeugen:

- Mit System putzen, um täglich alle Zahnflächen – auch die schwerer zu erreichenden – vollständig zu reinigen. Unabhängig von der verwendeten Zahnbürste mindestens zwei Minuten putzen.

- Elektrische Zahnbürsten verringern die Zahnfleischentzündung geringfügig besser als Handzahnbürsten.

- Täglich Zwischenraumbürsten benutzen. Sie mindern Zahnfleischentzündungen im Zahnzwischenraum am wirksamsten. Nur in sehr engen Zwischenräumen, in denen die Anwendung von Zwischenraumbürsten nicht möglich ist, ist Zahnseide eine Alternative. Zahnbürsten allein können die Zahnzwischenräume nicht ausreichend säubern.

- Eine antibakterielle Mundspüllösung kann die individuelle Mundhygiene ergänzen, ersetzt aber nicht das Zähneputzen.

- Eine Professionelle Zahnreinigung (PZR) in der Zahnarztpraxis entfernt Zahnstein und auch bakterielle Beläge an den Stellen, die die Mundhygiene zu Hause nur schwer erreicht.