Fit in den Autowinter
Mythen und der Stand der Technik

Falsche Tipps können teuer werden

Vermeintlich preisgünstiger Spiritus in der Scheibenwaschanlage im Winter ist keine gute Idee, da er Schlieren und unangenehmen Geruch verursacht. Spezielle Frostschutzmittel sind hier die bessere Wahl, um im Winter klare Sicht zu haben. Foto: Jörg Bächle

TÜV. Rund ums Auto gibt es vermeintlich gute Tipps in Hülle und Fülle, die oft über Generationen weitergegeben werden. Einige davon haben ihre Berechtigung, aber viele halten sich erstaunlich lange, obwohl sie technisch längst überholt sind und – schlimmer noch – teuer zu stehen kommen können.

Nicht mit aller Gewalt

Ein immer noch weitverbreiteter Irrtum ist, dass Radschrauben bei einem Reifenwechsel – beispielsweise von Sommer- auf Winterreifen – mit aller Gewalt festgeschraubt werden müssen, um sicher zu halten, schildert Ann-Christin Mainz von TÜV SÜD. Wer dazu einen Schraubenschlüssel mit Verlängerung benutzt, kann die Schrauben am langen Arm kurzerhand abreißen. Vor allem bei den beliebten Leichtmetallfelgen sollte man besonders vorsichtig sein. Das berühmte Nachziehen der Schrauben nach zehn bis 100 Kilometern Fahrt gilt zwar unverändert, macht aber nur mit dem Einsatz eines Drehmomentschlüssels Sinn, gibt die TÜV SÜD-Fachfrau zu bedenken.

Bei Gefahr voll bremsen

Unverändert beliebt ist auch der Einsatz der sogenannten Stotterbremse. Diese sollte jedoch allenfalls nur noch am Stammtisch verbal aktiviert werden, da sie im automobilen Alltag nichts mehr verloren hat. Spätestens durch das Anti-Blockier-System (ABS) ist diese Bremstechnik hinfällig. Wer trotzdem daran festhält, verlängert den Bremsweg unnötigerweise und riskiert dramatische Folgen. Die TÜV SÜD-Expertin rät: „Bei Gefahr stets voll zu bremsen“.

Kein Sprit verschwenden

Auch die Praxis, vor dem Abstellen des Motors noch einmal kurz Gas zu geben, kann man immer noch beobachten. Angeblich sollten so die Ventile geschmiert und damit der nächste Start erleichtert werden. „Alles blanker Unsinn, der kam auf, als ein Auto vor der Jahrhundertwende noch einen Vergaser besaß“, rückt Mainz den Stand der Technik zurecht. „So wird allenfalls Sprit verschwendet“.

Modernere Schmiermittel einsetzen

Und auch das Schmieren von Türschlössern mit Grafit entspricht nicht mehr zeitgemäßer Technik. Grafit ist zwar kein Gift für Türschlösser, aber an dieser Stelle inzwischen eher ein Schmutz- als ein Schmiermittel. Die heutige Schließzylindertechnik verlangt vielmehr modernere Schmiermittel, beispielsweise auf Teflonbasis. Mit speziellen Schließzylindersprays hält man die Türschlösser deutlich funktionsfähiger.

Kein Spiritus statt Frostschutzmittel

Auf der gleichen Ebene bewegt sich der Tipp, zu Winterzeiten vermeintlich preisgünstigen Spiritus statt teurerer Frostschutzmittel in die Scheibenwaschanlage zu füllen. „Auch, wenn Spiritus eines der besten Frostschutzmittel ist, hat er in der Scheibenwaschflüssigkeit nichts verloren“, aktualisiert die TÜV SÜD-Fachfrau den Katalog guter Ratschläge. „Spiritus verursacht nämlich Schlieren auf der Scheibe sowie einen unangenehmen Geruch“. Besser und bei vielen Discountern zu Beginn der kälteren Jahreshälfte im Sonderangebot, sind spezielle Frostschutzlösungen – übrigens meist mit deutlich angenehmerem Zitrusduft.