Aktuell kaum vorstellbar – aber in einem halben Jahr hat das Kirchheimer Freibad längst wieder geöffnet. Die neue Saison ist dann bereits vier Wochen alt. Jetzt bereits steht fest, dass diese Saison teurer wird für die Badegäste: Der Gemeinderat hat beschlossen, die Eintrittspreise zu erhöhen. Die erwarteten Mehreinnahmen von knapp 50.000 Euro sollen dazu beitragen, das Defizit des Freibadbetriebs zu reduzieren. Prozentual dürfte diese Reduzierung nicht einmal sonderlich auffallen, denn in der Saison 2025 lag das Defizit bei 1,63 Millionen Euro.
Die Stadtwerke, die das Freibad betreiben, haben nach weiteren Möglichkeiten gesucht, das Minus zu verringern. Die meisten Vorschläge waren aber bereits im Vorfeld wieder verworfen worden. Eine Idee war, die Saison später zu beginnen und dafür früher zu beenden. Das Frühschwimmen abzuschaffen oder auch die täglichen Öffnungszeiten einzuschränken, war ebenso in der Diskussion wie die Möglichkeit genereller Schließtage. Das alles hätte Personalkosten gespart – aber es hätte dem Sinn widersprochen, überhaupt ein Freibad zu betreiben.
Kein kälteres Schwimmerbecken
Eine andere Idee, die sich noch etwas länger gehalten hatte, war die, die Wassertemperatur im Schwimmerbecken von 24 auf 22 Grad Celsius abzusenken. Dadurch hätten sich 7.500 Euro einsparen lassen. SPD-Stadtrat Stefan Gölz, der zu diesem Tagesordnungspunkt für den gesamten Gemeinderat sprach, wies – obwohl dieser Beschlussantrag bereits gestrichen war – darauf hin, dass die ideale Wassertemperatur fürs Schwimmen zwischen 25 und 28 Grad Celsius liege und dass die optimale Leistungsfähigkeit bei 26 Grad erreicht werde.
Was bleibt, ist die Erhöhung der Eintrittspreise. Für den Einzeleintritt gilt als Faustregel, dass er sich um 50 Cent erhöht – bei Personen ab 18 Jahren ohne Anspruch auf Ermäßigung also von fünf auf 5,50 Euro. Bei den Dauerkarten sind die Erhöhungen entsprechend gravierender: Hier zahlt die Vergleichsperson künftig statt 110 gleich 140 Euro. Bei Familienkarten fällt die Erhöhung zwar nicht ganz so hoch aus, weil sie in diesem Fall pro Kind nur von 40 auf 50 Euro steigt. Aber auch hier trifft es die kinderreichen Familien deutlicher – weil für das dritte und jedes weitere Kind innerhalb der Familienkarte bislang nichts zu zahlen war. Ab 2026 sind aber auch für diese Kinder die vollen 50 Euro fällig.
Die Einsparmöglichkeit, die wohl die geringsten Diskussionen auslösen dürfte, ist folgende: Beim Frühschwimmen dienstags und donnerstags von 7 bis 8.30 Uhr soll kein Kassenpersonal mehr anwesend sein. Der Eintritt ist nur über das Drehkreuz möglich, was bei Dauerkarten ebensowenig ein Problem darstellt wie bei Einzeltickets. Einziger Unterschied zum „normalen Betrieb“: Gerade die Einzeltickets lassen sich beim Frühschwimmen eben nur am Kassenautomaten lösen.
Ist es sinnvoll, dass Freibad wegen schlechten Wetters an bestimmten Tagen auch ganz zu schließen? Diese Frage soll die Saison 2026 beantworten. Es geht um eine Temperatur von unter 18 Grad Celsius und um die Frage, wie oft eine solche Temperatur einerseits prognostiziert und andererseits auch tatsächlich als Höchsttemperatur erreicht wird. Das soll genauestens protokolliert und analysiert werden, um anschließend für 2027 entsprechende Vorschläge zu erarbeiten.
Große Einigkeit im Gemeinderat
Der Gemeinderat hat allen Vorschlägen – Preiserhöhung, Frühschwimmen ohne Kassenpersonal, Prüfen einer Schlechtwetterregel ab der Saison 2027 und Erweiterung der Ermäßigungsberechtigten um die Inhaber einer Ehrenamtskarte – ohne Gegenstimme zugestimmt.
Eng wurde es lediglich beim längst üblichen Prozedere des jährlichen Vorratsbeschlusses. Dieser sieht vor, einen Schließtag einzuführen, sollte es nicht gelingen, genügend Personal für die Badeaufsicht zu finden. Üblicherweise würde es dann darum gehen, dass das Bad montags geschlossen bleiben müsste: Jedes Mal gab es bei diesem Beschluss viele Gegenstimmen. Aber gebraucht worden ist der Vorratsbeschluss bislang noch nie, weil es trotz aller Schwierigkeiten immer gelungen ist, qualifizierte Kräfte in ausreichender Zahl zu bekommen.


