Angenommen, ein fremder Besucher ohne Kenntnis des Wochentags wäre am Sonntag plötzlich in der Kirchheimer Fußgängerzone gelandet. Woran hätte er gemerkt, dass trotz der geöffneten Geschäfte kein ganz normaler Werktag ist? Wohl an den zusätzlichen Ständen im Freien, vor allem aber am Tempo der Menschen – also am fehlenden Tempo, denn sie waren nicht in der Hektik des Alltags unterwegs, sondern entschleunigt, mit viel Zeit zum Flanieren, zum Treffen von Bekannten, zum Schwätzchen halten, zum Auslagen bestaunen und zum gemütlich Wurst, Holzofenpizza oder etwas anderes essen. Egal, ob stehend oder sitzend, schlemmen war in der wärmenden Märzsonne auch bei letzterem angenehm.






























Als um 12.30 Uhr die Geschäfte öffneten, strömten die Besucherinnen und Besucher sofort in die Innenstadt, es brauchte keinerlei Anlauf bis in den späteren Nachmittag hinein. Wer bei seinem Bummel am Stand von Gunter Kurz vorbeikam, konnte dort einen kleinen Vorgeschmack auf den Ziegelwasen erleben. Gunter Kurz hatte vor Spielwaren Schad auf einem Tisch seine Dampfmaschinen mit viel Zubehör aufgebaut, es waren sowohl neue Modelle als auch historische von ehemaligen Produzenten zu sehen. Dazu zählte auch eine angetriebene Schiffschaukel, also ein Fahrgeschäft im Modell.

Verglichen mit so manchem, was sich da an rasanten Fahrgeschäften auf dem Ziegelwasen drehte, war die Schiffschaukel harmlos. Am krassesten sah der „Avenger“ aus: Ob da jeder beim Aussteigen noch wusste, wo oben und unten, links und rechts zu finden sind? Doch es wurden auch bravere Fahrten für kleine Kinder angeboten, zu deren großem Vergnügen, von „einmal im Auto im Kreis herum“ bis hin zur kindgerechten Mini-Achterbahn. Autoscooter gab es in zwei Größen, für die größeren und kleineren Leute, Schießbude und Büchsenwerfen gab es ebenfalls mehrfach. Auch die obligatorischen gebrannten Mandeln und Lebkuchenherzen waren vertreten – sie haben sich wohl in Jahrzehnten nicht verändert, von den Preisen abgesehen, warum sollten sie auch.

Während manche Angebote speziell für Kinder waren – Erwachsene mit unbändiger Freude am Plastikentenangeln dürften rar sein –, faszinierten andere Dinge Alt und Jung gleichermaßen. So waren an den Spielmaschinen mit Schiebern, in die Spielmünzen eingeworfen werden, Papa und Sohn in gemeinsamer Aktion zu beobachten, und auch Senioren versuchten sich dort im „Zocken“: Las Vegas in Kirchheim. Darauf einen Glühwein, trotz Sonne waren die Temperaturen für diesen noch frisch genug. „Gell, etwas Warmes tut gut?“, so ein Kommentar. Das tue es, bestätigte ein älteres Paar.

