SPD
„Brudaal“ – Prozentzahlen rutschen vom Wein zum Bier

Kirchheim: Andreas Kenner und Tonja Brinks analysieren das Ergebnis ihrer Partei schonungslos – schon kurz nach 18 Uhr.

Andreas Kenner und Tonja Brinks macht das Ergebnis der SPD bei der Landtagswahl sprach- und fassungslos. Foto: Andreas Volz
Andreas Kenner und Tonja Brinks macht das Ergebnis der SPD bei der Landtagswahl sprach- und fassungslos. Foto: Andreas Volz

„Brudaal“, entfährt es Andreas Kenner – zwar in bestem Schwäbisch, aber doch ungewohnt wortkarg –, als gleich auf zwei Kanälen das Ergebnis seiner SPD bei der Landtagswahl mit 5,5 Prozent angegeben wird. „Brutal“ heißt in diesem Fall so viel wie „extrem“, „schonungslos“, rücksichtslos“, „gnadenlos“. Damit ist eigentlich alles gesagt über die Gefühlslage der Genossen an diesem historischen Wahlabend – mit einem historischen Debakel für die SPD.

Kurz vor 18 Uhr hatte der scheidende Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete noch geunkt: „Ich wäre schon dankbar, wenn wir ein zweistelliges Ergebnis erreichen würden. Hätte ich früher so etwas erzählt, wäre ich gesteinigt worden.“ Auch damit ist schon viel gesagt über den Niedergang der Sozialdemokraten in Baden-Württemberg, wie er sich bei der Landtagswahl 2026 manifestiert.

Was bedeutet das für das Land? Auch da ist Andreas Kenners Analyse schonungslos: „Wir kriegen eine Regierung, die mit ihrer Mehrheit einfach machen kann, was sie will. Es gibt nur noch zwei Oppositionsparteien, und die stärkere davon ist die AfD.“ Und noch eine gnadenlose Aussage schickt er hinterher: „Wir müssen ja froh sein, dass wir überhaupt noch drin sind im Landtag.“

Seinen Humor hat Andreas Kenner trotzdem nicht verloren: „Früher habe ich immer gesagt, dass wir mit unseren Prozentzahlen im Bereich eines Rotweins aus Württemberg liegen.“ Mit Blick auf das Bier in seiner Hand sagt er: „Jetzt sind wir weiter unten angekommen.“

Tonja Brinks, seine Nachfolgerin als SPD-Kandidatin im Wahlkreis Kirchheim, ist fassungslos: „Wir hatten ja mit einem einstelligen Ergebnis gerechnet – und das wäre eigentlich desaströs genug gewesen.“ Ihrer ersten Analyse zufolge wurde die SPD im Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Grünen und der CDU zerrieben: „Gestandene SPD-Leute haben mir in den letzten Tagen gesagt, dass sie Grün wählen wollen, um somit Manuel Hagel als Ministerpräsident zu verhindern. Strategisch kann ich das nachvollziehen. Aber als Sozialdemokratin tut es mir trotzdem im Herzen weh. Ich bin geschockt.“