Wichtigstes Verkehrsmittel der Kirchheimer ist das Auto: Das ist das Ergebnis einer Haushaltsbefragung, die das Büro Planersocietät im Auftrag der Stadt vorgenommen hat. Demnach fallen 59 Prozent der Personenkilometer für eigene Fahrten mit dem Auto an. Bei weiteren 15 Prozent handelt es sich um Autofahrten als Beifahrer. Es folgen der ÖPNV mit zwölf Prozent, der Radverkehr mit zehn Prozent und der Fußverkehr mit vier Prozent.
Zwar seien 65 Prozent aller Wege an einem normalen Werktag kürzer als fünf Kilometer, sagte Christoph Mall von der Planersocietät, als er die Ergebnisse nun im Ausschuss für Infrastruktur, Wohnen und Umwelt vorstellte. Aber ab einer Wegstrecke von zwei Kilometern werde bereits zu 50 Prozent das Auto genutzt. Dennoch bezeichnete er die Werte für den Fuß- und Radverkehr in Kirchheim als gut – zurückzuführen wohl auch auf die „kompakten Strukturen“ in Kirchheim.
6290 Haushalte waren im vergangenen Sommer angeschrieben worden. Rückmeldungen kamen von 1727 Personen aus 912 Haushalten. Die Rücklauf-Quote von 14,5 Prozent sei gut, meinte Christoph Mall, der aus den Antworten einen Durchschnitt von 7,7 Kilometern für die Wege errechnet hat, die pro Arbeitstag und Person zurückgelegt werden. 80 Minuten seien die Kirchheimer dafür im Schnitt täglich unterwegs.
Begehrtes Deutschland-Ticket
Auch die verfügbaren Verkehrsmittel zeigen das Auto auf der „Pole Position“: In 89 Prozent der Haushalte gibt es mindestens ein Auto. Mindestens ein Fahrrad gibt es dagegen in 79 Prozent der Kirchheimer Haushalte. 16 Prozent der Personen, die geantwortet haben, hatten eine Zeitkarte für öffentliche Verkehrsmittel. Den Löwenanteil dieser Zeitkarten wiederum nahm mit 59 Prozent das Deutschland-Ticket ein.
Die Parkmöglichkeiten im Wohnumfeld wurden ebenfalls abgefragt. 68 Prozent der Autofahrer haben nur private Stellplätze zur Verfügung, acht Prozent dagegen nur öffentliche Parkplätze, meistens auf der Straße. 25 Prozent gaben an, sowohl private als auch öffentliche Flächen zum Parken nutzen zu können.
Ausschussmitglieder hakten an diesem Punkt nach, wie es denn mit Menschen aussieht, die nicht in Kirchheim wohnen, aber zum Arbeiten oder zum Einkaufen nach Kirchheim kommen. Kirchheims Mobilitätsplaner Thomas Ernst sagte dazu: „Wir können nicht umfassend nach allem fragen.“ Es sei nicht so einfach, Adressen von Einpendlern zu erhalten. „Aber auch in diesem Fall müssen wir Möglichkeiten finden, wie wir an Daten kommen.“ Die Stadtverwaltung plane ein Projekt des Parkraummanagements. Da würden die Ergebnisse der Befragung ebenso einfließen wie in zahlreiche andere Verkehrs- und Infrastrukturprojekte.
Verbesserungsvorschläge haben die Teilnehmer der Befragung ebenfalls eingebracht. Häufig genannt wurden die Sicherheit im Radverkehr, eine bessere Taktung der ÖPNV-Angebote und das bereits erwähnte Parkraummanagement. Es gab auch widersprüchliche Wünsche wie einen besseren Verkehrsfluss einerseits und mehr Verkehrsberuhigung andererseits. Fußgänger wünschten sich eine bessere Trennung von Fuß- und Radverkehr sowie mehr Sitzgelegenheiten für Pausen.
„Wie bewegt sich Kirchheim?“
Für Thomas Ernst liegen jetzt „wichtige Wissens- und Datengrundlagen“ vor, um Antworten auf zwei Fragen zu haben: „Wie bewegt sich Kirchheim?“ und „Was bewegt Kirchheim?“ Gut sei es, Werte aus Kirchheim zu haben und nicht nur aus vergleichbaren Mittelzentren.
Es lassen sich auch Ergebnisse für einzelne Teilorte herausziehen, was insbesondere Stadtrat Reinhold Ambacher (Freie Wähler) begrüßte: „In Jesingen ist es beispielsweise so, dass viele zum Einkaufen lieber nach Weilheim fahren als nach Kirchheim, weil sie dort besser parken können.“ Auch für ihn ist die zentrale Erkenntnis aus der Umfrage die Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs: „Es findet sehr viel Verkehr mit dem Auto statt. Gerade auch ältere Menschen sind darauf besonders angewiesen.“

