Rundum zufrieden zeigen sich die Weindorfwirte mit dem Erfolg des Weinfests auf dem Kirchheimer Marktplatz – wenn auch mit gewissen Einschränkungen: „Für das, was es war, war es gut“, sagt Robert Ruthenberg und spricht zunächst einmal übers Wetter. „Von neun Tagen hat es uns leider an fünf Tagen reingeregnet. Das war bitter.“ Das Positive an den Gewittern: „Unser Weinfest wurde trotz Regen gut angenommen. Viele Leute haben sich bei uns für das Fest bedankt.“ Sein Wirtskollege Marius Schlatter fügt hinzu: „Auch die Qualität der Speisen wurde sehr gelobt, weil das für so ein Fest doch ungewöhnlich ist.“
Robert Ruthenberg hebt insbesondere die „tolle Stimmung“ hervor: „Das Kirchheimer Publikum ist wirklich großartig, lauter nette Leute. Es war ein ganz friedliches Fest, mitten in der Stadt, und das mit so vielen Menschen.“
Anderer Ort – halbierte Zeit
Das Problem mit den Rahmenbedingungen bezog sich indessen nicht nur auf das Wetter, das sich ja nie beeinflussen lässt. Viel schwieriger waren die Unsicherheiten mit Raum und Zeit. Der Rollschuhplatz als traditioneller Veranstaltungsort stand baustellenbedingt nicht zur Verfügung. Ein geeigneter Ersatz war trotz langer und intensiver Suche nicht zu finden. Nicht, dass der Marktplatz ein ungeeigneter Standort gewesen wäre. Aber die Freizeitlärmrichtlinie hatte zur Halbierung der normalen Weindorfzeit geführt: Statt der üblichen 18 Tage konnte der Wein nur neun Tage lang in Strömen fließen.
Der geänderte Ort und die geänderte Zeit führten deshalb auch zum geänderten Namen: „Weinfest“ statt „Weindorf“. Das Angebot an Speis und Trank, die Laubenatmosphäre auf dem halben Marktplatz sowie das musikalische Programm machte zwar keinen Unterschied. „Aber leider mussten wir unseren Gourmetsonntag mit Sternekoch Stefan Heilemann absagen.“ Das wiederum lag an der Zeit – und an den Terminen. Der zweite Sonntag des Weindorfs war schon lange ausgemacht. Dann aber gab es genau diesen zweiten Sonntag gar nicht.
An diesem Sonntag hatte auf dem Marktplatz nämlich bereits der Abbau begonnen. Marius Schlatter berichtet: „Viele haben uns gefragt, warum wir den Sonntag nicht noch mitnehmen und stattdessen schon abbauen. Wir mussten dann sagen, dass das an den äußeren Bedingungen liegt und dass wir da gar keine andere Möglichkeit haben.“
Trotzdem betonen beide die ausgesprochen gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, aber auch mit der Polizei und der Feuerwehr. Großes Lob zollen sie auch den Marktbeschickern, die ihre Stammplätze verlassen und ringsum Ausweichquartiere aufsuchen mussten.
Positiv werten sie ihr eigenes Ausweichquartier für das Waldhorn-Restaurant „Holz & Feuer“. Vom Marktplatz hatten sie ihre Außenbewirtung in die Kornstraße verlegt: „Das hat ganz gut funktioniert, und es könnte aus unserer Sicht auch ein Modell für die Zukunft sein.“ Das regelmäßige Auf- und Abbauen auf dem Marktplatz sehen sie nicht als Dauerlösung.
„Neun Tage rechnen sich nicht“
Aber auch das Weinfest auf dem Marktplatz ist nichts auf Dauer: „So toll das auch war, aber wir machen das nicht noch einmal auf diese Art und Weise. Entweder finden wir für nächstes Jahr einen anderen Standort, oder aber wir müssen es für ein Jahr ausfallen lassen – bis der Rollschuhplatz wieder zur Verfügung steht.“ Das Problem waren in diesem Fall die neun Tage Zeitlimit für den Marktplatz: „Die Kosten für Auf- und Abbau, für das Sicherheitskonzept oder die Statikprüfung sind dieselben wie für 18 Tage. Aber für neun Tage rechnet sich das nicht.“
Grundsätzlich spricht Robert Ruthenberg von Kirchheim als einer „Ausnahmestadt im August“: Das Weindorf und das Sommernachtskino würden sich wunderbar ergänzen, sodass Kirchheim nicht in ein Sommerloch falle.

