Gesellschaft
Das kleine Glück in der großen „Pub-Familie“

Im Pub am Kirchheimer Marktplatz bringt Dirk Storm Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen zusammen – um gemeinsam zu quatschen, zu quizzen oder zu kickern.

Papier und Stifte auf den Tischen sind das untrügliche Anzeichen für einen sommerlichen Pubquiz-Abend im Freien – ebenso wie „Quizkönig“ Peter, der im Hintergrund auf einem erhöhten Platz am Mikrofon sitzt und alles im Blick hat. Foto: Andreas Volz

Wer ebenso regelmäßig wie vergebens auf das große Glück hofft, sollte es vielleicht einmal mit dem kleinen Glück versuchen. Das lässt sich nämlich viel leichter finden – etwa bei einem Pubquiz. Bei Dirk Storm am Kirchheimer Marktplatz gehört das Quiz fast von Anfang an zum Pub: Im April 2015 hat er sein Pub eröffnet, das Quiz dazu gibt es seit 2016. Von Beginn an wird es moderiert von „Quizkönig“ Peter, der sich auch die Fragen ausdenkt.

„Wir sind mal zusammen am Tisch gesessen und haben darüber geredet“, erinnert sich Dirk Storm an die Anfänge von rund 150 Quizabenden, die es seither gegeben hat. „Eigentlich ist Peter auf mich zugekommen. Er ist ein großer Schottland-Fan und hat dort das Pubquiz kennengelernt. Und er hatte schon vorher selbst Erfahrung gesammelt als Quizmas­ter.“ Das Quiz in Storm’s Pub war also keine Schnapsidee: Es ist standesgemäß beim Bier aus der Taufe gehoben worden.

Man muss doch irgendwas machen, damit die Leute zusammenkommen.

Dirk Storm über die Hintergründe von Gesprächen, Quiz und Kicker-Turnier im Pub

Die Quizrunden gibt es im Sommer als Einzelveranstaltungen. Im Winter dagegen wird eine Art „Liga“ angeboten: Alle zwei Wochen treffen sich „alteingesessene“ Teams – aber auch neue, die sich teils spontan zusammenfinden –, um möglichst viele von 42 Punkten zu ergattern, die als Höchstzahl denkbar sind. Die volle Punktzahl ist utopisch. Eine Gruppe, die am Ende zwischen 30 und 35 liegt, hat gute Chancen auf die vorderen Plätze. Legendär ist bis heute der Abend, als es eine Gruppe einmal auf stolze 40 Punkte gebracht hat.

Die Fragen folgen teilweise einem festen Schema: Von acht Runden sind drei von vornherein festgelegt. Es startet mit einer „Länderrunde“, bei der jedes Mal ein anderes Land im Mittelpunkt steht. Irgendwann kommen auch die Musikrunde und die Bilderrunde. Dabei müssen Musiktitel oder die Interpreten erkannt werden, und auf dem „Bilderbogen“ sind häufig irgendwelche Promis zu sehen, die es korrekt zu bezeichnen gilt. In den Runden dazwischen gibt es Fragen, die irgendwo zwischen Allgemeinbildung und „Wer weiß denn sowas?“ schwanken. Oft, aber nicht immer, gibt es drei Antwortmöglichkeiten zur Auswahl. Was es dagegen immer gibt, sind rege Diskussionen innerhalb der Teams, die aus bis zu sechs Quizzern – und Quizzerinnen! – bestehen.

Das Jubeln in der Gruppe

Was macht nun das besondere Glück aus? Überwiegend das gesellige Beisammensein. Und wie bei jedem Spiel oder Wettkampf nimmt das Glück mit der erreichten Punktzahl zu. Um jeden Punkt wird erbittert gefightet. Kollektive Jubel- oder Entsetzensschreie nach der Auflösung jeder einzelnen Frage sind völlig normal. Das wirklich Besondere sind aber die Gespräche innerhalb jeder Gruppe, in denen gemeinsam nach der richtigen Antwort gesucht wird. Mitunter hilft dann auch nur eine Abstimmung – wobei die Mehrheit nicht immer richtig liegen muss.

Dirk Storm in seinem Element – beim Zapfen eines frischen Stout hinter der Theke. Foto: Andreas Volz

Die Gewinnerteams erhalten kleinere Preise, Freigetränke oder irgendwelche Gimmicks: das kleine Glück eben – von der Freude abgesehen, vielleicht wieder einmal zu den drei besten Gruppen gehört zu haben. Im Winter allerdings wird um einen hochwertigeren Preis gekämpft: Wer nach insgesamt zehn Abenden in der Tabelle auf Platz eins liegt, wird zu einer gemeinsamen Reise eingeladen, an der sich auch andere Gäs­te und Mitarbeiter beteiligen können. Städtetrips haben nach Dub­lin oder Edinburgh geführt, aber auch nach Amsterdam oder Wien. Es gab schon einen Ausflug in den Schwarzwald, nach Alpirsbach, ebenso wie eine Floßfahrt auf der Isar. Auch dabei wird die Gemeinschaft, also das gemeinschaftliche Glück, großgeschrieben.

Genau darum geht es dem „Publican“ Dirk Storm: „Man muss doch was machen, damit die Leute zusammenkommen. Sonst sitzt jeder nur allein am Tisch.“ Sein Ziel ist es, dass eine möglichst große „Pub-Familie“ entsteht, in der sich alle kennen, in der sich alle grüßen und in der sich alle unterhalten. Wie man sich das von früher her vorstellt, vom Dorfleben und von der Dorfwirtschaft. „Inzwischen ist das mit der Vereinzelung ja noch viel extremer geworden. Die Leute sitzen nicht nur für sich am Tisch. Sie beschäftigen sich dann auch noch die ganze Zeit über nur mit ihrem Smartphone.“

Sprechen statt wischen

Schon hat er eine Anekdote parat: „Ich habe mal zu einem Gast gesagt, dass hier Handyverbot herrscht. Er war ganz verdutzt, hat dann aber tatsächlich die Kiste weggelegt, und wir haben uns eine Stunde lang unterhalten. Nach dem Gespräch hat er gesagt: ,Das war jetzt aber schön‘.“ Nach einer kurzen Pause fügt der Wirt hinzu: „Und ich fand’s auch schön.“

Auch ein Gespräch kann also ein kleiner Moment des Glücks sein, und es kann für diesen einen Tag sogar das ganz große Glück bedeuten. Ein wirklich großes Glück ist auch die Mischung des Publikums: Im Pub – generell, und deshalb auch in Kirchheim – treffen sich die unterschiedlichsten Leute, was Alter und Berufsstand angeht. Viele kennen sich ohnehin, andere kennen sich nur vom Pub. Irgendwann kommen alle mal miteinander ins Gespräch.

Eine andere, organisierte Möglichkeit, gemeinsam etwas zu tun und dabei glücklich zu sein, hat wieder mit einem Wettbewerb zu tun: Außer dem Pubquiz gibt es bei Dirk Storm auch regelmäßig Tischkicker-Turniere. Die können an einem Wochenende auch mal den ganzen Tag dauern, und sie ziehen Leute aus einem ausgesprochen großen Umkreis an – nicht nur aus Baden-Württemberg. Selbst richtige Größen waren schon in Kirchheim, etwa das Weltmeisterpaar Björn Hoffmann und Vesti Gerova. „Wir haben eine hohe spielerische Qualität, das spricht sich einfach rum.“

Alles andere als ein Problembär

Eine ganz besondere Attraktion sorgt auch bei den kleinsten Besuchern der Innenstadt für große Glücksmomente: der Bär im Außenbereich des Pubs. „Der Bär ist der ganz große Renner“, sagt Dirk Storm. „Jemand, der den eigentlich entsorgen wollte, hat mich gefragt, ob ich ihn bei mir aufstellen will.“ Immer wieder kommen Kinder mit ihren erwachsenen Begleitern, stellen sich vor der Holzfigur auf und umarmen den Bären innig. Ohne dieses Ritual kann es sich für diese Kinder nicht um einen vollwertigen Besuch der Kirchheimer Innenstadt handeln.

Großes Glück für alle Kinder: der Bär im Außenbereich. Foto: pr

Ganz im Glück sind die „insel­erprobten“ Gäste Dirk Storms seit wenigen Wochen, seit er auf das britisch-irische System umgestellt hat: Wer etwas trinken möchte, geht an die Theke, bestellt, zahlt und nimmt sein Getränk selbst mit an seinen Platz – jetzt im Sommer natürlich in den Außenbereich.

Wer ein Stout bestellt, kann bei dieser Gelegenheit das allergrößte Glück auf Erden erleben: An der Theke den „Settle“-Vorgang zu beobachten, wie sich das Bier allmählich seine Farbe „holt“ und dabei, ganz unten beginnend, von einem hellen, fast weißlich quellenden Braun in ein gesetztes Tiefschwarz übergeht und zugleich ganz oben einen cremig-weißen, dichten Schaum ausbildet – das ist der höchste ästhetische Genuss, den die Welt im Reich der Farben zu bieten hat!

Weil zum Glück auch die Gesundheit gehört: „Sláinte!“