Aussendungsfeier
Der Stern als Zeichen der Verbundenheit

Die katholische Kirche hat ihre Sternsinger losgeschickt. Unter dem Motto „Schule statt Fabrik“ sammeln die Kinder in den nächsten Tagen Spendengelder für Bildung und gegen Kinderarbeit.

Viele Kinder mit bunten Gewändern und strahlenden Sternen haben sich zur Aussendungsfeier vor dem Kirchheimer Rathaus versammelt
Viele Kinder mit bunten Gewändern und strahlenden Sternen haben sich zur Aussendungsfeier vor dem Kirchheimer Rathaus versammelt. Fotos: Markus Brändli

Sie singen wieder – und sie tragen den Stern von Haus zu Haus: Die katholische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim hat ihre Sternsinger mit einer zentralen Feier vor dem Rathaus ausgesandt, um die weihnachtliche Friedens-Botschaft zu verkünden und um Geld zu sammeln für Kinder in aller Welt. „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“: Das ist das Motto der Aktion. Beispielland ist Bangladesch, wo nach wie vor viele Kinder arbeiten müssen, um ihren Beitrag zum Lebensunterhalt der Familien leisten zu können.

Gemeindereferentin Anna Bernau bereitete die Sternsinger bei der Aussendungsfeier darauf vor, was sie erwartet – und wie sehr sie erwartet werden: „Ganz viele Menschen freuen sich auf euren Besuch.“ Erst dadurch werde es in vielen Häusern richtig Weihnachten. „Und wenn dann doch einmal eine Türe vor euch wieder zufällt, zieht weiter und schaut, dass euch das nichts ausmacht.“

„Macht euch auf den Weg“

In diesem Sinne erzählte sie auch von den drei Weisen aus dem Morgenland, deren Geschichte Mut machen soll, trotz aller Schwierigkeiten und widriger Umstände einfach aufzubrechen und loszuziehen: „Die Reise der Sterndeuter aus dem Osten war nicht immer leicht. Trotzdem haben sie nicht aufgegeben. Der Stern, dem sie gefolgt sind, der Stern von Bethlehem, kann trösten. Und er kann den Menschen Kraft schenken.“ Die Botschaft der Sterndeuter zu allen Zeiten ist demnach folgende: „Macht euch auf den Weg und bleibt nicht stehen.“

Heutzutage sei es schwierig, wirklich noch Sterne am Nachthimmel zu sehen, selbst wenn keine Wolke den Blick verstellt, betonte Anna Bernau: „Wenn ihr zum Himmel hochschaut, könnt ihr das Licht der Sterne oft nur ganz schwach sehen. Das liegt daran, dass es in den Städten zu viel Licht gibt.“ So ähnlich sei das auch mit der Geschichte und mit der Botschaft von Weihnachten: „Da gibt es zu viele Dinge im Alltag, die uns vom Himmel und von den Sternen ablenken.“ 

Die Sterndeuter dagegen, in deren Nachfolge sich die Kinder stellen, hätten diesen einen Stern gesehen und seien ihm gefolgt: „Er fiel ihnen auf – weil sie eben hingeschaut haben.“ Im Matthäus-Evangelium heißt es: „Der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her.“ Das ist bei den Sternsingern zum Jahreswechsel 2025/26 immer noch so. In diesem Fall ist es aber kein großes Wunder: Alle Gruppen haben außer fantasievollen Kostümen, turbanartigen Kopfbedeckungen oder goldenen Kronen immer auch einen Stern aus Holz dabei, den sie vor sich hertragen und dem sie dadurch zwangsläufig auch folgen.

Aussendung der Sternsinger 2025 vor dem Kirchheimer Rathaus
Aussendung der Sternsinger 2025 vor dem Kirchheimer Rathaus

Goldpapier an den Kronen erinnert an zwei unterschiedliche Dinge: Einerseits gelten die drei Weisen auch als die Heiligen drei Könige, worauf die Kronen verweisen sollen. Andererseits verweist das Gold auf die Geschenke, die die drei nach Bethlehem tragen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Zumindest den Weihrauch hatten die Kirchheimer Sternsinger vor dem Rathaus ebenfalls mit im Gepäck.

Nach dem Segnen von Kreide, Weihrauch und aller Menschen, die sich zur Aussendungsfeier versammelt hatten, nutzten die Sternsinger die Kreide, um den schriftlichen Segensspruch über der Rathaustür zu erneuern: „20*C+M+B*26“ ist dort in frischem, hellem Weiß zu lesen: Die neue Jahreszahl rahmt mit zwei Sternen die Buchstaben ein, die nicht so sehr für Caspar, Melchior und Balthasar stehen, sondern für den lateinischen Segensspruch „Christus mansionem benedicat“ – „Der Herr segne dieses Haus“.

Eine ökumenische Aktion

Anna Bernau betonte, dass es sich beim Sternsingen um eine ökumenische Aktion handelt: „Kinder verschiedener Konfessionen und sogar Religionen sind ganz selbstverständlich mit dabei. Das ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit aller Kinder.“ Schließlich sammeln die Kinder in den Häusern Spendengelder, die anderen Kindern auf der Welt zu mehr Bildung verhelfen sollen. Dieses Thema griff auch Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader in einem kurzen Grußwort auf: „Es ist ein wunderbares Bild, so viele Kinder vor dem Rathaus zu sehen, die bereit sind, sich für andere Kinder auf der ganzen Welt einzusetzen. Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung und Unversehrtheit.“

Um sich auf das Singen einzustimmen, sangen die Sternsinger vor dem Rathaus ihre Lieder – unterstützt durch Turmbläser unter der Leitung von Matthias Pantel. Anschließend ging es zum ersten Besuch, ins Krankenhaus, wo die Kinder auf den Stationen erwartet wurden, wie in den nächsten Tagen auch in vielen Häusern in Kirchheim und Umgebung.