Gremium
Der Vorteil der „ortsfremden Fachleute“

Der Kirchheimer Gestaltungsbeirat berichtet über seine Arbeit – und insbesondere über die aktuellen Projekte an Lauter und Lindach, bis hin zum Umbau von Seniorenzentren und Gemeindehäusern.

Licht und Schatten am Kirchheimer Postplatz: Aus städtebaulicher Sicht gibt es allerdings deutlich mehr Schatten als Licht. Fo
Licht und Schatten am Kirchheimer Postplatz: Aus städtebaulicher Sicht gibt es allerdings deutlich mehr Schatten als Licht. Foto: Andreas Volz

Kirchheim verändert sich an allen möglichen Ecken und Enden – an prominenten wie auch weniger bekannten Stellen. Ganz oft sind die entsprechenden Pläne ein Fall für den Gestaltungsbeirat, der die Entscheidungsträger berät. Deswegen sind im Beirat nicht nur Mitglieder der Stadtverwaltung und des Gemeinderats zu finden, sondern vor allem auch „vier unabhängige und ortsfremde Mitglieder als Fachleute aus den Gebieten der Stadtplanung, des Städtebaus, der Architektur und der Landschaftsarchitektur“, wie es auf der Homepage der Stadt heißt.

Nicht alles wird umgesetzt

Seit rund zehn Jahren tritt das Gremium drei bis vier Mal pro Jahr zusammen. Jetzt, am Rand der 32. Sitzung, gab es erstmals einen Überblick über die Arbeit des Beirats und über die Themen des Jahres 2025. „Es sind Projekte von Privatleuten, von Bauträgern, Investoren oder auch von der Verwaltung“, sagte Kirchheims Stadtplaner Gernot Pohl zum Einstieg. Wichtig sei im Beirat der „Transfer aus anderen Städten und Wissensgebieten“. Nicht immer kämen die Projekte auch zur Umsetzung: „Wir haben auch schon über einiges beraten, was nie verwirklicht worden ist.“ Der genannte und beabsichtigte Transfer erfolge aber auch in solchen Fällen.

Eine Genossenschaft will die „Alte Tuchfabrik“ in der Paradiesstraße in ein fünfstöckiges Wohnhaus umbauen. Archivfoto: Carste
Eine Genossenschaft will die „Alte Tuchfabrik“ in der Paradiesstraße in ein fünfstöckiges Wohnhaus umbauen. Archivfoto: Carsten Riedl

Sophie Wolfrum, die an der TU München Professorin für Städtebau war, hat den Vorsitz des Kirchheimer Gestaltungsbeirats inne. Bei den Projekten des laufenden Jahres stellte sie fest, dass diese auffallend oft an der Lauter liegen. Da wäre als erstes der Zusammenfluss von Lauter und Lindach, wo nicht nur das genossenschaftliche Wohnprojekt „Alte Tuchfabrik“ umgesetzt werden soll – mit einer Aufstockung des Fabrikgebäudes um gleich drei Etagen. In unmittelbarer Nähe soll auch ein Wohnungsstandort entwickelt werden, mit betreutem Wohnen im Alter, aber auch mit einer Reihe von Wohnhäusern. Sophie Wolfrum hob die „prägnante Lage“ hervor und betonte: „Grundsätzlich sind wir ja für Bauen im Innenbereich.“

Um Wohnen in der Nähe der Lauter geht es auch bei der geplanten Umgestaltung des Kreissparkassenareals – und gleich angrenzend steht perspektivisch eine Umgestaltung des gesamten Postplatzes an. Dabei handle es sich zwar um ein langfristiges Projekt. Aber vor allem soll dort auch der Zugang zur Lauter ermöglicht werden, die ansonsten am Postplatz nicht groß in Erscheinung tritt. Weiter lauteraufwärts folgt noch die geplante Umgestaltung der Röhm’schen Mühle in der Gaisgasse, wo der Fluss ebenfalls stärker in den Blickpunkt rücken soll.

Fürs Gemeindehaus St. Ulrich gibt es Überlegungen, eine Etage für Büros und Wohnräume „draufzupacken“. Archivfoto: Jean-Luc Jac
Fürs Gemeindehaus St. Ulrich gibt es Überlegungen, eine Etage für Büros und Wohnräume „draufzupacken“. Archivfoto: Jean-Luc Jacques

An der Lindach wiederum steht die Aufstockung des katholischen Gemeindehauses an – wovon Die­ter Hoff nicht nur als Stadtrat, sondern auch als der zuständige Architekt berichtete: Im Obergeschoss sollen demnach Büros und Wohnräume für den Pfarrer untergebracht werden. Etliche Nachbargebäude, die bisher den genannten Zwecken dienen, will die Kirchengemeinde anschließend veräußern. Sophie Wolfrum bescheinig­te dem eingeschossigen Gemeindehaus, dass man es „baukulturell bewahren sollte“. Es handle sich um eine anspruchsvolle Aufgabe, dieses Gebäude für die heutige Zeit zu ertüchtigen und es zugleich auch noch aufzustocken.

Um ein weiteres „Gemeindehaus“ geht es in der Armbruststraße. Die Evangelisch-methodistische Kirche wolle die bestehende Zionskirche aber lieber durch einen Neubau ersetzen, der vom Zuschnitt her besser dem Bedarf der Gemeinde entspricht.

Weitere Projekte, mit denen sich der Beirat beschäftigt hat, waren der Neu- und Umbau des Seniorenzentrums St. Hedwig in der Lichtensteinstraße, der Umbau des Wohn- und Geschäftsgebäudes am „Dorfplatz“ auf dem Schafhof oder auch der Ersatzbau für zwei Gebäude an der Ecke Dreikönigstraße / Turmstraße. Ein Langzeitprojekt, bei dem es bislang an der Umsetzung fehlt, ist die Bebauung des Kirchheimer Güterbahnhofsgeländes. Nicht nur Sophie Wolfrum ist gespannt, wann und wie es dort weitergeht. Die Arbeit jedenfalls wird dem Gestaltungsbeirat auch in den nächs­ten zehn Jahren nicht ausgehen.