Es gibt zwar keinen Rechtsanspruch auf Weihnachtsgeschenke. Aber trotzdem, oder gerade deshalb, gibt es viele Menschen – auch Kinder und Jugendliche –, die aufgrund ihrer Lebensumstände wenig bis gar keine Chancen haben, zum großen Fest auch große Präsente zu erhalten. In Kirchheim besteht da seit vielen Jahren eine besondere Möglichkeit: der Wunschbaum bei Optik Bacher in der Marktstraße.
Familien geben Weihnachtswünsche ab, und zwar direkt bei einem von sechs beteiligten sozialen Diensten, die in Kirchheim tätig sind. Die Organisationen leiten die Wünsche weiter an Regina Müller-Walzok, die seitens des CVJM Kirchheim das Geschehen rund um den Wunschbaum koordiniert. Am Baum im Laden, der zwischen Marktplatz und Rathaus liegt, hängen statt bunten Kugeln oder anderem weihnachtlichem Schmuck die Wunschzettel – rund 350 sind es dieses Jahr.
Am Samstag ist der offizielle Start
Am Samstag, 29. November, startet die Aktion offiziell: Wer Kindern oder Jugendlichen aus finanziell schlechter gestellten Familien eine weihnachtliche Freude bereiten will, kann sich einen Wunschzettel „pflücken“. Die Wünsche, die preislich bei einem Richtwert von 25 Euro liegen sollen, werden erfüllt, indem die „Schenker“ das gewünschte Präsent besorgen, es schön verpacken und bis Samstag, 13. Dezember, wieder bei Optik Bacher abgeben.
Oberste Priorität kommt bei dieser Aktion der Anonymität zu. Weder die Namen der Schenkenden noch die der Beschenkten werden der jeweiligen „Gegenseite“ bekanntgegeben. Anja Kirschner, stellvertretende Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle, berichtet auch vom Wunsch in vielen Familien, die direkten Hintergründe und die Herkunft des Geschenks vor den Kindern nicht näher zu beleuchten. Leuchten sollen ja vor allem die Kinderaugen an Heiligabend. Und dazu trägt der Weihnachtszauber einen wesentlichen Teil bei – mitsamt dem Christkind, das die Geschenke schließlich bringt.
Der Wunschbaum ist eine Gemeinschaftsaktion von Optik Bacher, CVJM und Diakonischer Bezirksstelle. Alle Beteiligten können aus jahrelanger Erfahrung berührende Geschichten erzählen. Thomas Jonske, Betriebsleiter bei Optik Bacher, ist am nächsten an denjenigen dran, die bei ihm die Wunschzettel abholen. Schon lange vor dem eigentlichen Start fragen die Menschen nach, wann es denn losgeht: „Manche holen dann auch gleich selber einen Wunschzettel ab und nehmen noch einen für ihre Eltern oder für die Geschwister mit.“ Die Wünsche finden oft reißenden Absatz.
Die Aktion macht nämlich nicht nur die Kinder und Jugendlichen glücklich, die zu Weihnachten ein Geschenk erhalten. Auch das Schenken sorgt für Glücksgefühle, selbst man die Freude gar nicht sieht. Aber allein die Vorstellung von glücklichen Kindern kann entsprechend positive Emotionen auslösen. Thomas Jonske erinnert an ein ganz besonderes Anliegen: „Einmal hat sich ein Mädchen einfach einen echten Weihnachtsbaum bei sich zuhause gewünscht.“ Auch dieser Wunsch ging in Erfüllung. Ein anderes Mal habe sich eine Frau ihren eigenen größten Wunsch erfüllt: Weil sie selbst Söhne hatte, wollte sie unbedingt einmal einem Mädchen eine Puppe schenken.
Wichtig ist es für die Projektleiter, zu betonen, dass jedes Geschenk wirklich an die richtigen Personen kommt. Dafür sorgen zum einen die sozialen Dienste, die die Wünsche entgegennehmen. Und zum anderen wird auch jeder einzelne Wunsch noch eigens auf Plausibilität überprüft, bevor der Zettel an den Baum kommt. Besonders berührend finden es die Organisatoren, wenn sich Kinder warme Stiefel für den Winter wünschen oder auch Stifte für die Schule. Das sind keine extravaganten Luxuswünsche, sondern echte Grundbedürfnisse.

