Bebauungsplan
Die Bruckmühle wird erneut vertagt

Ausschussmitglieder fordern passgenaue Pläne und Bilder, die zeigen sollen, wie sich der neue Kioskvorbau an die benachbarten Gebäude anpasst. Erst Ende Januar geht es dann weiter.

Aktuell ist der Kiosk an der Bruckmühle nahezu bündig mit dem Brückengeländer. Der Neubau soll aber „ein wenig“ in die Straße hi
Aktuell ist der Kiosk an der Bruckmühle nahezu bündig mit dem Brückengeländer. Der Neubau soll aber „ein wenig“ in die Straße hineinragen. Um die genauen Ausmaße ringen die Mitglieder des Kirchheimer Gemeinderats noch. Foto: Carsten Riedl

Es hätte ein Knopf an die Sache kommen können: Nach Jahren und beinahe Jahrzehnten – sogar über zwei Jahre nach dem Aufstellungsbeschluss – hätte die Stadt Kirchheim in Sachen Bruckmühle einen entscheidenden Schritt weiterkommen können. „Die Hochwasser- und Gewässerschutzfragen sind geklärt“, sagte Oberbürgermeister Pascal Bader im Gemeinderatsausschuss für Infrastruktur, Wohnen und Umwelt.

Die Genehmigung für den gewünschten Balkon, der im Erdgeschoss über die Lauter hätte ragen sollen, wäre nie und nimmer erfolgt. Deshalb ist dieser Balkon jetzt auch nicht mehr in der Planung enthalten. Ein wesentlicher Punkt wäre damit also aus dem Weg geräumt gewesen. Dem nächsten logischen Schritt, dem Auslegungsbeschluss, wäre nichts mehr im Weg gestanden.

Trotzdem geht die Sache ein weiteres Mal in die Verlängerung. Einige Ausschussmitglieder störten sich an der Tatsache, dass aus den Unterlagen nicht hervorging, wie sich der Neubau des Kiosks in die Umgebungsbebauung einfügt. Visualisierungen, die während der Sitzung noch auf die Leinwand geworfen wurden, waren den Kritikern dafür nicht aussagekräftig genug. Die Kritik entzündete sich vor allem daran, dass der neue Kiosk in die Max-Eyth-Straße hineinragen soll.

Wie viel ist „ein wenig“?

Auch dabei waren die Begriffe eher unspezifisch. „Ein wenig“ solle es in den Straßenraum hineingehen, habe es im Vorfeld geheißen, vielleicht sogar schon im Oktober 2023 beim Aufstellungsbeschluss. Wie viel aber soll „ein wenig“ sein? Für die einen sind wohl 30 Zentimeter das höchste der Gefühle, für die anderen wären vielleicht sogar drei bis vier Meter nicht zu viel.

Stadtrat Andreas Banzhaf (Freie Wähler) hätte die Sache am liebsten von Grund auf neu aufgezogen: „Ich war da von Anfang an sehr kritisch, war aber damals am Aufstellungsbeschluss nicht beteiligt.“ Die Nachbargebäude hätte er sehr gerne in einer Ansicht gesehen, aber doch zumindest im Grundriss, um sich eine bessere Vorstellung von den Ausmaßen machen zu können.

Sein Grünen-Kollege Michael Attinger pflichtete bei: „Das ist ein reiner Klotz, der an dieser Stelle so nicht hinpasst. Einen solchen Block gibt es sonst nirgends in der Max-Eyth-Straße.“ Dieter Hoff (CDU) sprach einerseits die Gebäudeflucht in der Max-Eyth-Straße an und andererseits den Lieferverkehr über die Gerberstraße. Also sprach er sich dafür aus, „an jeder Seite“ ein Fenster zurückzunehmen, um trotz Hineinragens in die Straße verträglichere Dimensionen zu erhalten.

Andere Töne brachte Gerd Mogler (CIK) in die Debatte: Von der Sache her seien die Einwände gegen den Bebauungsplan absolut berechtigt. „Aber ich war überglücklich, dass wir da endlich etwas Vernünftiges hinbekommen. Wir können jetzt nicht plötzlich ganz andere Sachen verlangen. Wollen wir, dass da 2030 immer noch ein Gerippe steht?“

Irgendwann sah sich der Oberbürgermeister veranlasst, die Reißleine zu ziehen: „Ich schlage vor, dass wir in der nächsten Sitzungsrunde Ende Januar ein 3-D-Bild vorlegen und dann auf der Grundlage einer besseren Visualisierung entscheiden können. Wir sollten jetzt nicht voreilig etwas beschließen.“

Immerhin entstehe mit dem Beschluss ein Genehmigungsanspruch, hatte Stadtplaner Gernot Pohl erwähnt. „Zum Auslegungsbeschluss werden baugesuchreife Unterlagen eingereicht.“ Deshalb müssten alle Bestimmungen klar festgelegt sein.

Vielleicht kommt es nach so vielen Jahren ja tatsächlich nicht auf weitere sieben Wochen. Der Ausschuss hat sich deshalb für die Vertagung auf Ende Januar entschieden.

Der Rat in der Zwickmühle

Kommentar von Andreas Volz zum Vorgehen mit der Bruckmühle

Mit der Bruckmühle steckt die Stadt Kirchheim schon lange in der Zwickmühle. Je länger das Balkengerüst steht, desto schwieriger wird es, zu erklären, warum sich da immer noch nichts tut. Lange genug hing es an der Frage nach einem Balkon. Den wird es nun nicht geben, an diesem Punkt ist eine Einigkeit erzielt. Trotzdem schien – dem Verlauf der Debatte nach – eine Zustimmung zum Auslegungsbeschluss eher unwahrscheinlich zu sein.

Insofern war es gut, den Punkt zu vertagen, um der berechtigten Forderung nach besseren und maßstabsgetreuen Bildern nachkommen zu können.

Aber welche Wahl bleibt dem Gemeinderat? Seit dem Aufstellungsbeschluss vor über zwei Jahren sind viele Eckdaten bereits fixiert. Diese jetzt rückgängig zu machen, wird schwierig – zumal der Investor seit Jahren beweist, dass er einen langen Atem hat. Mit diesem längeren Atem sitzt er möglicherweise sogar am längeren Hebel: Der „Schandfleck“ wird nicht ihm angelastet, sondern der Stadt.

Es ist sicher richtig, nicht einfach leichtfertig zuzustimmen. Ebenso richtig ist es, genauere Unterlagen zu verlangen. Was aber, wenn diese Unterlagen der Mehrheit im Rat nicht gefallen? Wird es dann wirklich riskiert, die Sache um viele weitere Runden zu verlängern? Oder sind die Kritiker, denen das Baufenster in jeder Hinsicht zu weit geht, bereit, die Mühle-Partie aus ihrer Sicht verloren zu geben?

Eine echte Zwickmühle lässt sich ja erst mit drei Rest-Steinen blockieren, wenn das Spiel eh schon fast verloren ist.